Streitfall des Tages Wann Eltern für ihre Kinder haften

Wenn Kinder etwas anstellen, sollten sich Eltern nicht auf ihren Versicherer verlassen. Im Ernstfall droht Ärger mit Nachbarn und Freunden. Wann Eltern in Regress genommen werden.
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Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


James Reinhardt hatte sein Auto auf dem Parkplatz des Tennisclubs geparkt, saß aber noch am Steuer, um Unterlagen durchzusehen. Da rumste es. Und dann flossen Kindertränen.

Der Fünfjährige war mit seinem Fahrrad gegen den Kühler geprallt. Anscheinend mit Karacho. Die Kratzer im Lack des Kombi illustrierten das eindrücklich. „Die Versicherung des Vaters zahlte nicht“, so James Reinhardt, der mit so einer Absage überhaupt nicht gerechnet hatte.

Der Grund: Für Schäden, die Kinder unter sieben Jahren anrichten, kommt die Privathaftpflicht der Eltern in der Regel nicht auf. James Reinhardt blieb auf seinen Reparaturkosten von 400 Euro sitzen.


Der Experte


Kinder sind über die Privathaftpflicht der Eltern eigentlich automatisch mitversichert. Doch mit der Zusage „Das zahlt bestimmt meine Versicherung“ sollten Eltern trotzdem vorsichtig sein. „Bei kleinen Kindern ist die Gefahr groß, dass die Haftpflicht nichts übernimmt und Geschädigte auf ihren Kosten sitzen bleiben", sagt Makler Frank Lasch.

Den Grund dafür liefert das Bürgerliche Gesetzbuch, erläutert der Offenburger Versicherungsmakler: Kinder unter sieben Jahren sind laut Gesetz „deliktunfähig“, können also für Schäden, die sie anderen zufügen, nicht haftbar gemacht werden. Im Straßenverkehr gilt das sogar bis zum zehnten Geburtstag. Eine gesetzliche Regelung mit kuriosen versicherungstechnischen Folgen: Wo niemand haftbar ist, greift auch keine Haftpflichtversicherung.

Zum Schadensersatz können höchstens die Eltern herangezogen werden, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, ergänzt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Denn die Verletzung der Aufsichtspflicht ist mit der Versicherung abgedeckt. Nach der Erfahrung von Boss stehen die Gerichte allerdings auf dem Standpunkt, dass die Aufsicht über Kinder nur in wenigen Fällen vernachlässigt ist. Will heißen: Bei juristischen Auseinandersetzungen stehen die Chancen für Geschädigte schlecht.

Um solche Konflikte zu vermeiden, lautet der Tipp von Bianca Boss: „Viele Versicherer bieten in ihren Bedingungen eine zusätzliche Klausel für deliktunfähige Kinder an.“ Der Bund der Versicherten empfiehlt so einen Baustein in jedem Fall – schon allein deshalb, weil Kinder immer mal wieder Unfug machen können. Bianca Boss: „Bei guten und günstigen Gesellschaften ist dieser Einschluss mittlerweile beitragsfrei mitversichert.“

Nach Auskunft des Analysehauses Morgen & Morgen haben fast alle Gesellschaften mindestens einen Tarif im Angebot, bei dem deliktunfähige Kinder ohne Mehrbeitrag mitversichert sind – aber meist handelt es sich dabei um sogenannte Komforttarife, Basistarife bieten das in der Regel nicht. Bei zusätzlichen Bausteinen belaufen sich die Kosten – je nach versicherter Summe – auf 5 bis 15 Euro.

Wann Eltern zahlen müssen
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6 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wann Eltern für ihre Kinder haften"

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  • "Eltern haften nie für ihre Kinder ( sonst müssten sie ja auch für diese ins Gefängnis gehen )." Privat- und Strafrecht etwas durcheinander gesemmelt? §832 BGB mal bitte ganz dringend lesen.

  • Seit wann schreibt das Handelsblatt im Stil der Bildzeitung? Die wichtigsten Regeln und Bestimmungen zur Haftung werden gar nicht erwähnt bzw. falsch dargestellt.
    Eltern haften nie für ihre Kinder ( sonst müssten sie ja auch für diese ins Gefängnis gehen ).
    Die Beklagten sind nicht die Versicherungsgesellschaften, sondern das Kind, bzw. die Eltern ( die gesetzliche Regelung zu nicht deliktfähigen Kindern ist überaus sinnvoll, da nicht jeder eine Haftpflichtversicherung hat )
    Auch wenn die Klausel vereinbart ist, hat der Geschädigte keinen Rechtsanspruch; die Eltern können bestimmen, ob die Versicherung zahlen soll oder nicht.
    Davon abgesehen vermittelt der Ratschlag der sog. Experten ( Verbraucherschützer, Bund der Versicherten, usw. )den Eindruck, als ob der Einschluss dieser Kinderklausel eine
    100%ige Absicherung wäre. Tatsächlich gilt bei allen Versicherungsgesellschaften eine Höchstentschädigungsgrenze
    zwischen € 3000.- und € 5000.-.
    Fazit: eine sehr oberflächliche Abhandlung des Themas


  • Herr Berger, danke für den Kommentar. Grobe Fahrlässigkeit deckt die PHV. Zumindest ist mir kein VR bekannt, der das nicht deckt.

  • Lieber Michel, wer einfach daher redet, der sollte sich juristisch auch auskennen. "Der Haftpflichtschutz versagt bei Kleinkindern." Eben nicht. Deckung bietet die PHV, nur die Haftung wird versagt. Die Abwehr unberechtigter Ansprüche ist auch eine Leistung der PHV. Damit versagt der Versicherungsschutz eben NICHT! Der Versicherer macht das, was er soll: Prüfen des Anspruchs und Abwehr dieser Ansprüche für den Versicherungsnehmer (passive Rechtsschutzfunktion).

  • Wer lesen kann ist klar im Vorteil: nicht die Eltern bleiben im Zweifel auf dem Schaden sitzten - sondern die Geschädigten. Das ist ja wohl ein kleiner Unterschied.

  • Entgegen der Überschrift ergibt sich aus dem Artikel, dass gerade keine Lücke im Versicherungsschutz besteht und Eltern deswegen auch nicht befürchten müssen, auf dem Schaden sitzen zu bleiben. Immer wenn sie haften (Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit einmal ausgenommen), besteht grundsätzlich auch Versicherungsschutz. Wenn Versicherungen weitere Risiken übernehmen, mag das zwar dem nachbarschaftlichen Verhältnis dienen, wird langfristig aber regelmäßig mit höheren Prämien erkauft.

    Matthias Berger
    Rechtsanwalt
    Fachanwalt für Versicherungsrecht

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