Streitfall des Tages: Wann Helfer zahlen müssen

Streitfall des Tages
Wann Helfer zahlen müssen

Menschlichkeit und Nachbarschaftshilfe sind die Stützen unserer Gesellschaft. Sagt die Politik. Und hat damit nicht Unrecht. Schade nur, dass die solche Gefälligkeiten ausgesprochen kostspielig werden können.
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Der Fall
Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt? Das muss nicht sein. Dachte sich zumindest Alice Held und organisierte ihren Wohnungswechsel generalstabsmäßig. Ihre Freunde teilte die Industriekauffrau - entsprechend Können und Körperbau – zum Tragen von Möbeln oder zum Malern von Wänden ein. Muttern kümmerte sich ums leibliche Wohl der Helfer. Und auch das Angebot des neuen Nachbarn, beim Anschließen der diversen Elektrogeräte zu helfen, nahm Held gerne an. Letzteres sollte sie bitter bereuen.

Zwar machte sich der Mann mit großem Elan ans Werk – wirklich versiert wirkte er allerdings nicht. Im Gegenteil. Beim Installieren der Balkonbeleuchtung verursachte der Mann einen so schweren Kurzschluss, dass die Stromversorgung im gesamten Haus zusammenbrach. Alle Versuche, den Schaden zu beheben scheiterten. Held blieb nichts anderes übrig, als einen Elektronotdienst kommen zu lassen. Kosten des Einsatzes: 280 Euro – auf denen sie erst einmal sitzen blieb. Weder besaß der glücklose Hobby-Elektriker eine Haftpflichtversicherung, noch war er willens, den Schaden aus eigener Tasche zu ersetzen. Ein gelungener Einstand sieht anders aus.

Die Relevanz
Nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend engagiert sich mehr als ein Drittel der Bevölkerung über 14 Jahren in freiwilligen Projekten – vom klassischen Ehrenamt bis hin zur Nachbarschaftshilfe. Eigentlich ein ausgesprochen erfreulicher Befund. Und doch beschäftigen Gefälligkeitsdienste immer wieder die Gerichte. Vor allem, wenn etwas schief gegangen ist. Dann nämlich stellt sich – wie im Fall von Alice Held – die Frage, wer für etwaige Schäden gerade stehen muss. Und diese Frage hat es in sich.

Der Experte
Blumen gießen, die Katze füttern, das Auto in die Werkstatt bringen: Wer viel zu tun, aber wenig Zeit hat, ist in der Regel dankbar, wenn Nachbarn oder Freunde den einen oder anderen Gang übernehmen. „Wenn in solchen Fällen etwas schief geht – Wasserflecken verderben das teure Parkett, die Katze stirbt, der Mercedes hat einem Plattfuß – ist Streit programmiert“, sagt Randhir K. Dindoyal, Rechtsanwalt aus München. Zwar schreibt das Gesetz grundsätzlich vor, dass derjenige, der eine fremde Sache beschädigt oder eine Person verletzt, dafür gerade stehen muss. Doch es gibt Ausnahmen.

„Bei Freundschaftsdiensten und Gefälligkeiten unterstellen die Gerichte mitunter, dass die Parteien stillschweigend einen Haftungsausschluss vereinbart haben“, sagt Dindoyal. Freiwillige Helfer haften dann nur, wenn sie vorsätzlich oder grob fahrlässig den Schaden verursacht haben. „Das wäre etwa dann der Fall, wenn jemand die Katze mit Blumendünger füttert oder das Auto über ein Nagelbrett fährt.“

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wann Helfer zahlen müssen"

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  • Wir hatten den ersten Teil schon richtig verstanden, kann Ihren ersten Absatz nicht ganz nachvollziehen.

    Bei Teil zwei haben Sie natürlich recht, aber ich habe schon glaubwürdig von einem Fall in der Familie gehört wo schon nach dem zweiten Schaden schluss war.

    In der Tat, die Masche von "Freunden": "Dir fällt mein Handy/Laptop/Kamera runter und Du meldest es DEINER Versicherung und wir teilen das Geld" ist lächerlich und nervt (die Ablehnung schon aus Prinzip und o.g. Grund wird mir dann sogar übel genommen).

  • Völliger Quatsch, genau das Gegenteil ist der Fall. Bitte nochmals lesen. Die Haftpflichtversicherung zahlt i.d.R. Gefälligkeitsschäden, wenn der VERURSACHER haftpflichtversichert ist. Das sind mittlerweile 99% aller Gesellschaften. Mittlerweile völliger Standard, sogar meist unbegrenzt/bis zur Versicherungssumme.

    Und nein, die Haftpflicht kündigt eben nicht wegen einem Schaden und kann auch nicht einfach den Beitrag erhöhen (es gibt dort nicht wie im KFZ einen SFR).

    Wenn die Haftpflicht kündigt, dann war da sicherlich einiges vorher vorgefallen. Und nicht ein Schaden. Egal wie hoch. Meist sinds dann diese Heinis, die denken eine Versicherung sei dafür da jedes viertel Jahr einen Schaden zu melden und das seit ein paar Jahren schon erfolgreich machen. Eine Versicherung soll aber in der Not dasein. Und nicht durch fingierte Schäden Gelder einstreichen, welche die Versichertengemeinschaft insgesamt zahlt.

  • Oder die Versicherung schmeißt sie raus und sie haben Probleme eine neue zu finden.
    Besser als garnicht mehr: nur noch enge Freunde und Bekannte bei denen man weiß das man nicht als Dank noch belangt wird.

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