Streitfall des Tages

Warum Bahnkunden trotz Reservierung stehen müssen

„Sitzplatzreservierung - Ihre Garantie für komfortables Reisen“, heißt es bei der Bahn. Von wegen Garantie: Kunden haben kein Recht auf einen Platz und müssen bei Pannen stundenlang stehen. Wie die Bahn Kunden vergrault.
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Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Es ist Mitte Juni, als Marianne K. mit ihrem zweijährigen Sohn zum Urlaub an die Nordsee aufbricht. Das Kind liebt Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn hier gibt es immer viel zu sehen. Das Gepäck haben sie aufgegeben und Fensterplätze Wochen vorher reserviert.

In Köln steigen beide in den IC 2310, der um 9 Uhr 10 den Bahnhof verlässt. Es ist die einzige durchgehende Zugverbindung, die das Ruhrgebiet mit dem beliebtesten Erholungsgebiet der Rheinländer verbindet. Für die junge Familie beginnt in der Domstadt eine Reise, die sie so schnell nicht vergessen werden.

Der Zug hält in umgekehrter Wagenreihung. Gewarnt werden die Fahrgäste nicht. Mit allem, was beide für den Tag brauchen, kämpft sich die Mutter mühsam durch die endlose Wagenreihe. Das Gepäck muss die Mutter weit entfernt und unbeobachtet zurücklassen. Der Kinderwagen passt nur zusammengeklappt durch die Reihen und ein helfender Schaffner ist nicht in Sicht.

Auf dem Weg durch den Zug wird die Frau allmählich nervös: Warum kommen sie nicht zu ihren Sitzplätzen? Eine Durchsage sorgt für Klarheit: Der Waggon, in dem sie die reserviert hatten, fährt nicht mit. Alle Plätze, an denen sie vorbeikommen, sind besetzt oder reserviert. Es ist Urlaubszeit, deshalb empfiehlt die Bahn eine Reservierung. Auch das Mutter-Kind-Abteil ist voll.

In ihrer Not wendet sich die Frau sich an einen Zugbegleiter, der auch nicht helfen kann. Schließlich lässt sich die Reisende erschöpft mit dem mittlerweile laut weinenden Kind auf einen einzelnen freien Sitz nieder. Stundenlang sitzt das Kind auf ihrem Schoß. Trotz aller Unbill hat die Familie Glück: Andere Fahrgäste müssen trotz Platzkarte vier bis sechs Stunden stehen.

Warum Reisende trotz Reservierung stehen müssen
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5 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Warum Bahnkunden trotz Reservierung stehen müssen"

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  • Kein Anspruch auf Reservierung. Das gilt übrigens auch bei CityNightLine. Deluxe-Abteil mit Einzelbett und eigener Dusche reserviert und eine Pritsche im 6er Liegewagen erhalten? Durchaus möglich, selbst falls der Bahn der Ausfall des Wagens mit den Deluxe-Abteilen länger als 24h vor Abfahrt bekannt ist, erfolgt keine Kommunikation an den Kunden. Fahrscheinautomat stellt noch - die nicht durchführbare - Reservierung aus. Erstattung der Hotelkosten, Taxikosten ... Fehlanzeige

  • die Hauptsache ist doch, dass der Steuerzahler die Gewinne der Bahn garantiert und ein paar Managern völlig überzogene Gehälter - siehe S 21 - da ist doch der Kunde schei**egal

  • Wenn ein Unternehmen sich solche Mühe gibt, seine Kunden abzuwimmeln, dann sollte man seinen Wünschen folgen.

    Mit dieser Chaos-Forma mache ich schon seit Jahren nur noch im Notfall Geschäfte: Lieber mit der S-Bahn rumärgern, als in der Stadt keinen Parkplatz finden. Die Zeiten, da ich mit der Bahn jedes Jahr viele 1000 km fuhr, sind lange vorbei.

  • U- und S-Bahnen in Ballungsgebieten sind alternativlos. Aber gerade die Bahn ist ein Anachronismus. In wenigen Jahren werden nur noch Güter über Gleise rollen. Reisen wird billiger und unkomplizierter werden: hier ein Blick in die Zukunft: http://www.flinc.org/de/

  • Und schon weiß ich doch wieder, warum ich alles, was nur geht, mit dem Auto bestreite...

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