Streitfall des Tages
Warum der ICE ständig zu spät kommt

Die Unpünktlichkeit der Bahn hat Methode. Vor allem an den Knotenpunkten Köln, Frankfurt und Nürnberg kommt es immer wieder zu Verspätungen. Warum die Züge zu spät kommen müssen und welche Rechte Fahrgäste haben.
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Der Fall

Der 47-jährige Analyst Andreas M. fährt regelmäßig mit dem ICE die Strecke von Köln nach Frankfurt. Wenn er morgens die Domstadt verlässt, kommt der Zug meist pünktlich oder nur mit geringer Verspätung in der Bankenmetropole an.

Ganz anders am Abend, berichtet der Berufspendler. „Der ICE, der um 18 Uhr 10 in Frankfurt Hauptbahnhof startet und um 19 Uhr14 in Köln-Deutz hält, ist für mich eigentlich optimal.“ Doch dieser Zug kommt aus München und sei fast nie pünktlich.

Reisende müssten dann auf den ICE um 18 Uhr 29 ausweichen, der in Frankfurt eingesetzt wird und 19 Uhr 39 in Köln Hauptbahnhof hält. „Auch dieser ICE verspätet sich oft um fünf bis zehn Minuten“, so der Banker.

Unterm Strich komme er oft eine halbe Stunde später am Zielort an. Und das ist fast die Hälfte der gesamten geplanten Fahrzeit von 64 Minuten.

Eine Entschädigung steht ihm dafür nicht zu. Denn laut den seit Juli 2009 gültigen Fahrgastrechten haben Kunden erst ab einer Verspätung von 60 Minuten Anspruch auf die Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises. Wiederholen sich jedoch die Verspätungen mehrmals pro Woche, zeige sich die Bahn oft kulant, sagt M.

Die Relevanz

Nach einer Statistik der Bahn kommen angeblich 90 Prozent der Züge im Nah- und Fernverkehr pünktlich an. Doch an den Knotenpunkten Frankfurt, Köln und Nürnberg kommt es immer wieder zu Verspätungen, weiß Mathias Oomen, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

So haben in Frankfurt auch Hochgeschwindigkeitszüge immer wieder zu Stoßzeiten Probleme, den Bahnhof in Richtung Frankfurt-Flughafen pünktlich zu verlassen. Denn auf dieser Strecke teilen sich ICE, Nahverkehrszüge und S-Bahnen die Gleise. Erst das Befahren der Schnellstrecke bis kurz vor Köln verlaufe dann problemlos.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Warum der ICE ständig zu spät kommt"

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  • Ein Unterschied ist in jedem Fall gerechtfertigt, aber um die Dimensionen verglecihen zu können braucht man noch die Zahlen für den km im Flachland, die Anzahl der Tunnel und Brücken und noch einige Andere.

    Viel interessanter ist aber dennoch die Frage, wie der Unterschied in Österreich und der Schweiz zustande kommt, da ja das Terrain nahezu identisch ist.

  • Ihr Kommentar hat durchaus seine Berechtigung! Allerdings habe ich mir eben die Mühe gemacht, die im Artikel genannten Zahlen auf Investitionen pro Schienenkilometer umzurechnen.

    Auch da steht die Bahn relativ schlecht da. In Deutschland werden pro Jahr €128T pro Schienenkilometer investiert, während es in Österreich €343T und in der Schweiz sogar €475T. Natürlich ist in unseren beiden Nachbarländern das Terrain schwieriger, aber rechtfertigt dies allein den großen Unterschied?

  • Das ist wieder eine typische Rechnung von Amateurkritikern: Investitionen ins Netz pro Bürger.
    Bei diesem Schwachsinn müsste man in einem Land wie China oder Indien die Eisenbahn gleich ganz aufgeben. In einem Land wie der Schweiz mit rel. wenig Einwohnern und schwieriger Geographie ist dann nach dieser "Berechnung" alles grossartig.
    Oh Herr, wirf Hirn...

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