Streitfall des Tages
Warum Jobwechsler mit Extraurlaub belohnt werden

Fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer überlegt derzeit, den Job zu wechseln. Die, die damit Ernst machen, könnten sich eine Menge zusätzlicher Urlaubstage sichern. Die erstaunlichen Rechte der Beschäftigten .
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Der Fall

Acht Jahre hatte Magdalena Stehrl ihrem Chef jeden Wunsch von den Augen abgelesen, ihre Wochenenden für Nachtschichten geopfert und die eher mäßige Bezahlung klaglos akzeptiert.

Ihrem Ziel, unter seiner Ägide möglichst schnell zur Oberärztin aufzusteigen, ist die passionierte Internistin damit jedoch keinen Schritt näher gekommen. Zwar lobte der Professor stets den Einsatzwillen und die Qualifikation der „jungen Kollegin“. Die ersehnte Beförderung blieb jedoch – trotz anderslautender Beteuerungen – immer wieder aus.

Das Angebot eines großen Pharmaunternehmens, die engagierte Medizinerin zu deutlich besseren Konditionen einzustellen, kam daher gerade Recht. Ende Mai kündigte Stehrl ihr Arbeitsverhältnis fristgerecht zum 31. Juli.
Zeitgleich wies sie ihren verstörten Chefarzt darauf hin, dass sie, da sie im laufenden Jahr noch keinen Urlaub genommen habe, nur noch etwa drei Wochen zu seiner Verfügung stehe. Schließlich müsse sie bis zum Ablauf der Kündigungsfrist noch ihren gesamten Jahresurlaub von insgesamt 30 Tagen abfeiern.

Eine offene Provokation für den verdutzten Professor. 30 Tage Urlaub für sieben Monate Arbeit? Niemals! Oder doch?

Die Relevanz

Der Karriereweg vom Lehrjungen zum Abteilungsleiter in ein und demselben Unternehmen wird zur Ausnahme. Treue zum eigenen Arbeitgeber ist inzwischen ziemlich selten.

Wie selten, belegt eine aktuelle Umfrage des Personalberaters ManpowerGroup. Laut der Erhebung sind derzeit stolze 47 Prozent der Deutschen mit ihrer aktuellen Stelle unzufrieden und ziehen einen Jobwechsel innerhalb des kommenden Jahres in Erwägung.

Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Beschäftigten würde ihr Arbeitsverhältnis binnen weniger Monate kündigen, um einen besser bezahlten oder prestigeträchtigeren Job anzutreten. Setzt auch nur ein Bruchteil der Wechselwilligen diesen Plan in die Tat um, dürften zahlreiche Personaler schon bald eine Menge Arbeit haben – nicht zuletzt mit der Berechnung von Resturlaubs-Ansprüchen.

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