Streitfall des Tages Welche Hausbesitzer zur Wärmedämmung gezwungen werden

Bis Ende des Jahres müssen viele Haus- und Wohnungsbesitzer ausgesuchte Gebäudeteile sanieren. Weil viele noch nichts von der Dämmpflicht wissen, droht jetzt Streit mit Mietern und Behörden. Wer nicht dämmt, muss zahlen.
  • Ulrich Lohrer
17 Kommentare
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall


In einigen Rechtsforen häufen sich Anfragen zur Wärmedämmung. Nach der Energieeinsparverordnung 2009 müssen die Wohnungseigentümer oberste, begehbare Geschossdecken, nach einem Mindeststandard bis zum Ende diesen Jahres dämmen.

So ärgert sich beispielsweise das Mitglied einer Wohneigentümergemeinschaft in dem Forum 123recht.net, dass es sich an den Kosten der Dämmung beteiligen soll, obwohl der Raum wegen eines Sondernutzungsrechts eines Mieters nicht genutzt werden kann. Grundsätzlich wird aber hinterfragt, wie Immobilienbesitzer gezwungen werden können, Dämmungen vorzunehmen, wenn sie diese nicht wünschen.

Die Relevanz


Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt für Bauherren und Immobilieneigentümer Maßnahmen zum effizienten Betriebsenergieverbrauch ihrer Gebäude vor. Zuletzt wurde die Verordnung 2009 aktualisiert und schreibt die Wärmedämmung von Dachböden bis Ende 2011 vor.

Auf die Anfrage, wie viel der betroffenen Immobilieneigentümer der Dämmpflicht bereits nachgekommen sind, hieß es von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) in Berlin „dass wir über die gewünschten Zahlen nicht verfügen. Auch vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in Berlin heißt es: „Uns sind keine Schätzungen bekannt.“

Allgemein ist zu beachten sei aber, dass die Pflicht praktisch nur einen Teil der Altbauten trifft. Gedämmt werden müssen, so die Sprecherin des BMVBS nur "bisher ungedämmte" oberste Geschossdecken, wobei die Pflicht entfällt, wenn das Dach gedämmt ist.

Nach Angaben von Energieberater sind zwar Hausverwaltungen über die bis Ende des Jahres durchzuführenden Dämmmaßnahmen informiert, nicht aber die meisten privaten Vermieter von wenigen Wohneinheiten.

Welche Immobilienbesitzer betroffen sind
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

17 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Welche Hausbesitzer zur Wärmedämmung gezwungen werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • wir werden solange unsere Häuser dämmen, isolieren und einschweißen bis die Schimmelpilze sich gemeinsam mit uns an den Tisch setzen. Und dann Guten Appetit

  • Ich habe meine beiden Häuser schon vor einigen Jahren gut gedämmt. Ich freue mich dauerhaft über diese Investition.
    Geringere Heizkosten, höherer Mietwert, höhere Wohnqualität.
    Würde es wieder tun!

  • Ein weiterer Beweis der fachlichen Inkompetenz und Praxisferne der ideologiegetriebenen Politik ist die Tatsache, dass die Dämmmaterialien der Außenfassaden zur Verhinderung von Algenbildung hochgiftige, wasserlösliche Biozide enthalten, die überall in die Kanalisation und damit in Flüsse, Bäche und ins Grundwasser geschwemmt werden und da ihre verheerende Wirkung entfalten. Zudem sind die eingesetzten Stoffe Brandbeschleuniger, die beim Wohnungsbrand dafür sorgen, dass ratzefatze das gesamte Gebäude in Flammen steht, wie schon mehrfach geschehen. Und es handelt sich um Sondermüll, der nach spätestens vier Jahrzehnten anfällt. Ebenso wie im Energiebereich, wo man mit Riesenwindparks, die unter Wasser alle Lebewesen mit einem irren Lärm beschallen und über Wasser sämtliche Vogelschwärme abrasieren und irritieren, die Umwelt zerstört, führt man auch hier mit ideologiegetriebenen Schnellschüssen Verschlimmbesserungen durch.

  • Der Film des WDR ist sachlich richtig und korrekt.
    Wie gesagt, es gibt überall eine Lobby, die alle abzockt und staatlichen Segen hat.
    Es gibt unterschiedliche Wärmedämmverbundsysteme:
    1. Die Normalsysteme (Polystrol oder PU mit Dünnschicht Biozidputz) = Diffusionsgeschlossen
    2. Anspruchsvolle Systeme z.B. aus Steinwolle mit dickschichtigen Edelputzsystemen die rein mineralisch dauerhaft und völlig ungiftig sind. Diese Systeme sind diffusionsoffen und trocken vollautomatisch sowie regelmäßig aus.
    Diese Systeme sind 2-3 mal teurer aber dauerhaft gut.
    Auf die Dauer sind diese Systeme auch günstiger, weil man auf 40 Jahre nichts nachstreichen muss und die Fassade sich durch leicht absanden selbst reinigt.
    Die Dickschichtedelkratzputzsysteme sind nur von Experten ausführbar, die noch so verputzen können, wie früher
    Gewusst wie ist also wichtig.
    Fazit: Es gibt dauerhafte, gesunde und unbrennbare WDV-Systeme.
    Gute und unabhängige, lobbyfreie Beratung ist also wichtig.
    http://verwaltung.de/dienstleistung/beratung.html

  • Die Regelwut des deutschen Gesetzgebers ist hervorragend. Auch das vermeintliche Lockangebot mit Förderungen. Wenn ich eine Fachfirma beauftrage, wird die komplette Förderung plus die Summe X für deren Autrag verbraucht, spätestens für die Abnahme und offizielle Bestätigung durch einen amtlich bestellten Sachverständigen muss ich Geld zulegen.
    Als Person mit den entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten komme ich somit nie in den Genuss von staatlichen Förderprogrammen, auch nicht zur Anschaffung von Materialien. Bei der Vielzahl von fachkundigen, aber nicht fachgeprüften Handwerkern und auch teilweise sehr gewissenhaft arbeitenden Heimwerkern (nicht die Wald und Wiesenwerker ohne Ahnung) ist es schon eine ungerechte Entscheidung, Fördergelder ausschließlich zur Erhaltung eines bestimmten Berufsstandes auszugeben. Schade für's Geld.

  • Das Handelsblatt sollte korrekt informieren und seine Leser nicht verunsichern. Man muss sich genau über die Gesetze informieren bevor man diesen Quatsch mitmacht. Eine Dämmmung ist - wie der TV-Bericht NDR45 min. deutlich zeigt - eine gefährliche Sache und kann zu schweren Schäden führen.

  • Ich babs mir angesehen und bin wirklich tief beeindruckt!
    Vielen Dank für den Hinweis

  • Die Kommentare und der Artikel treffen den Nagel auf den Kopf!
    Ich bin selbst Hauseigentümer sowie Wohnungseigentümer, zertifizierter Energieberater und verwalte eine große Zahl von Wohneinheiten.
    Die Diskussion kann schnell beendet werden:
    Der ursprüngliche Ansatz zur ENEV 2000 war perfekt und wurde durch die Lobby in der Politik verwässert und immer undurchsichtiger sowie quasi unbezahlbar gemacht. Die handelnden Politiker sind und waren hier alle Gehirnpaviane. Besserung ist nicht in Sicht.
    Die meisten privaten ETG's haben keine ausreichenden Instandhaltungsrücklagen gebildet. Für Leute ab 60 ist keine Maßnahme wirtschaftlich, wenn sie nur 75 werden.
    Für Menschen bis 60 Jahren gibt es keine Alternative zur vollständigen Wärmedämmung des Gebäudes. Das rechnet sich immer und wird bei steigenden Energiekosten steil steigende Renditen durch nicht versteuerbare Einsparungen bringen.
    Der Gesetzgeber hat mit der heißen Nadel Gesetze gestrickt, die Prozesslawinen auslösen werden. Die Juristenlobby ist hier der Gewinner.
    Wer nichts macht füllt der Energielobby und dem Fiskus auf Dauer die Tasche.
    Die CO2 Steuer kommt nach der nächsten Bundestagswahl auch in Deutschland. Das ist schon beschlossene Sache.
    Der Wert der Immobilie sinkt gleichzeitig, man enteignet sich selbst.
    Leerstand bis zur Insolvenz der ETG sind die Folge.
    Ab einem Öl-Preis von 120$/Barrel kommt es zu Schockwellen nach der Heizkostenabrechnung.
    Fazit: Gut und produktunabhängig (!!)beraten lassen, nicht auf die Dena oder KfW schielen. Alles sofort machen was vernünftig ist - oder verkaufen und in warme Länder umziehen.

  • Bei einer statistischen Restlebenserwartung von 10 bis 15 Jahren lohnt sich das nicht mehr für mich, d.h. zig-tausende von Euros in eine noch bessere Dämmung rein zu stecken! Da bewohne ich lieber in der Winterzeit nur 5 meiner 17 Zimmer und spare dadurch genügend Heizkosten ein. Ist eine ganz einfache Rechnung!
    Würde ich das Haus vermieten, welcher Mieter würde nicht gleich meckern, denn Mieter können doch immer doch nur meckern und einfordern, selbst bei einer 20cm Dämmung im ganzen Haus.

  • NDR-45 min:
    Dokumentation "Wahnsinn Wärmedämmung"

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/videos/minuten385.html

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%