Streitfall des Tages: Welche Rechte verspätete Reisende haben

Streitfall des Tages
Wenn Reisende zu spät kommen

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Welche Rechte verspätete Reisende haben


Die Rechtslage

Der beliebte oder auch unbeliebte Spruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ hat hier volle Gültigkeit. Denn der Fall ging für den Verspäteten schlecht aus. Er verlor vor dem Amtsgericht Rüsselsheim (Az. 3 C 509/10 (33)). Die Richter entschieden, dass eine Fluggesellschaft einen verspäteten Gast nicht mehr befördern muss. Letzterer müsse 45 Minuten vor Abflug am Gate sein, heißt es in der Urteilbegründung. Auch wenn sein Gepäck schon in der Maschine ist, darf die Flug-Crew dessen Besitzer am Boden zurück lassen.

Bitter für den Betroffenen: Die Richter erklärten frank und frei, dass im Übrigen auch unerheblich sei, dass für Personen, die im Besitz einer Bordkarte waren, das Gate länger geöffnet war. Hätte er also die Karte bereits gehabt, wäre er noch dabei gewesen.


Die Expertin

Carola Scheffler ist Pressesprecherin beim Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. Sie erklärt ganz unmissverständlich: „Verspätete Gäste haben keinen Anspruch darauf, dass das Flugzeug wartet“. Doch es gibt Ausnahmen: „Die Fluggesellschaften entscheiden von Fall zu Fall, ob ein Flugzeug warten kann. Im Sinne der nicht verspäteten Passagiere, von denen einige auch Anschlussflüge erreichen werden müssen, und da sich Verspätungen auf den kompletten Tagesumlauf einer Maschine auswirken, hat die Pünktlichkeit eines Fluges Priorität.“     

Für die Anschlussflüge gilt laut Scheffler folgendes: „Passagiere haben einen Anspruch, mit der nächstmöglichen Maschine befördert zu werden. Die Umbuchungsmöglichkeit des Kunden richtet sich jedoch nach den Sitzplatzverfügbarkeiten der späteren Maschinen auf der gebuchten Strecke.“    

Vorrausetzung hierfür ist, dass das Ticket auf eine Fluggesellschaft durchgebucht wurde. Ein Anschlussflug, der mit einer anderen Fluggesellschaft als der des ersten Fluges durchgeführt wird, ist, wenn die Tickets für beide Flüge unabhängig voneinander erworben wurden, hiervon ausgenommen.     

Noch etwas ist bitter. Scheffler weist darauf hin, dass auch bei Anschlussflügen die Fluggesellschaft nicht auf verspätete Zubringerflüge warten müsse.      

Das Fazit

Es ist letztlich immer eine Frage der Kulanz, wenn verspätete Reisende noch mitgenommen werden. Grundsätzlich gilt: Verspätet sich ein Passagier, ist das „Boarding“ bereits beendet und sind die Flugzeugtüren bereits geschlossen, kann die Mitnahme des verspäteten Passagiers verweigert werden.

Der Grund liegt letztlich auf der Hand: Würde ein Anspruch der Passagiere auf Mitnahme bestehen, so würde es zu erheblichen Störungen des Flugverkehrs kommen, so heißt es auch in einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main (Az. 16 U 18/08).
Passagiere haben dann nicht einmal ein Recht auf Rückzahlung des Ticketpreises. Auch eine Umbuchung können sie nicht verlangen. Dennoch sind viele Fluggesellschaften so kulant, dass sie bei verpassten Flügen eine Umbuchung gegen Gebühr ermöglichen. Auch wenn sie dazu nicht verpflichtet sind.


Nützliche Informationen

http://www.recht-im-tourismus.de/Ausbild/Lektion4IIIaBefoerdLuft.html 

http://www.flugprofis.de/tag/flugrechte/
http://www.passagierrecht.de/ 

http://www.bdl.aero/de/ 

http://www.verbraucherportal-bw.de/servlet/PB/menu/1328780_l1/index.html

www.reiserecht-fuehrich.de/

www.deutschertourismusverband.de

Alle Teile der Serie "Streitfall des Tages": www.handelsblatt.com/streitfall

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Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn Reisende zu spät kommen"

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  • "Aus diesem Grund liegt es um ureigenen Interesse der Airlines, die eigenen Kunden zufrieden zu stellen und sie nicht an Wettbewerber zu verlieren."

    Das ist ja das Traurige. Den Airlines ist das scheiß-egal, da sie dann mit Steuergelder gerettet werden.

    "Auch wenn sein Gepäck schon in der Maschine ist, darf die Flug-Crew dessen Besitzer am Boden zurück lassen."

    Ist das wirklich so? Ist die Airline nicht verpflichtet das Gepäck sofort zurückzugeben?

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