Streitfall des Tages
Wenn Angestellte fürs Nichtstun bezahlt werden

Nicht arbeiten und trotzdem Geld verdienen: das klingt nach dem ganz großen Los. Doch wenn der Chef die Auszeit vom Job verfügt, wird das süße Nichtstun schnell zu einem Problem. Welche Risiken bei Freistellung drohen.
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Der Fall

Jahrelang hatte Michael Funke darauf hingearbeitet, die Leitung der Abteilung Umweltmanagement zu übernehmen. Im Oktober 2011 hatte er sein Ziel erreicht. Die Freude war groß. Doch sie währte nur kurz. Im März 2012 räumte Funkes Mentor, der langjährige Geschäftsführer, überraschend seinen Platz.

Die Stelle wurde mit dessen Intimfeind besetzt. Der hatte für Günstlinge seines Vorgängers nur begrenzte Sympathien. Etliche wurden mit fragwürdigen Mitteln aus ihren Jobs bugsiert. Funke selbst entging zwar einem Rauswurf – als Führungskraft hatte er einen Zeitvertrag unterschrieben, der eine ordentliche Kündigung ausschloss.

Doch auch ihm spielte der Neue übel mit. Wegen „irreversibler Störung des Vertrauensverhältnisses“ stellte der den frischgebackenen Abteilungsleiter kurzerhand von seinen Aufgaben frei. Funke befand sich im Zwangsurlaub. Und zwar bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Oktober 2013.

Die Relevanz

Nicht nur in Ungnade gefallene Führungskräfte werden häufig von ihren Aufgaben entbunden und damit kaltgestellt: Auch nach einer Kündigung, egal, ob sie vom Mitarbeiter selbst oder vom Unternehmen ausgesprochen wurde, legen viele Arbeitgeber keinen Wert mehr auf die Dienste des scheidenden Mitarbeiters, stellen ihn frei und zahlen ihn fürs Nichtstun.

Auf diese Weise begegnen sie der Gefahr, dass der betreffende Kollege in seinen letzten Wochen Betriebsgeheimnisse ausspioniert oder schlechte Stimmung im verbleibenden Team verbreitet.

Der Experte

Auch wenn es zunächst paradiesisch klingt: Die meisten Mitarbeiter sind alles andere als erfreut, wenn ihr Arbeitgeber sie von den gewohnten Aufgaben entbindet. „Gerade im Vertrieb oder in technischen Industriezweigen, wie etwa der IT-Branche, hat Fachwissen eine sehr kurze Halbwertszeit“, sagt Frauke Biester, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Düsseldorf. „Selbst ausgewiesene Experten laufen während einer längeren Zwangspause Gefahr, beruflich den Anschluss zu verlieren und für den Arbeitsmarkt uninteressant zu werden."

Weiteres Problem: Ist die Branche klein, spricht sich das Schicksal des Betroffenen schnell herum – inklusiver zahlreicher Gerüchte über den Grund der Freistellung. „In manchen Fällen kann das den Ruf eines Arbeitnehmers massiv beschädigen“, so die Juristin. „Die Gerichte stellen daher recht hohe Anforderungen, wenn es um die Rechtmäßigkeit derartiger Maßnahmen geht.“

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