Streitfall des Tages Wenn das Finanzamt beim Dienstwagen zulangt

Privat genutzte Geschäftswagen werden über ein Fahrtenbuch oder pauschal mit ein Prozent besteuert. Basis dafür ist der Bruttolistenneupreis des Autos. Gebrauchtwagen-Fahrer zahlen kräftig drauf. Nicht immer zu Recht.
  • Ulrich Lohrer
Kommentieren
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall


Ein Arbeitnehmer hatte sich für einen gebrauchten Dienstwagen entschieden, den er auch privat nutzt. Gut für seinen Arbeitgeber, denn der gebrauchte Pkw war günstiger als ein entsprechender Neuwagen. Pech für den Kläger, denn der geldwerte Vorteil für die private Nutzung wird auch bei einem gebrauchten Fahrzeug wie bei einem wesentlich teueren Neuwagen besteuert.

Wer seinen Dienstwagen auch privat benutzen darf, muss diesen Vorteil versteuern. Dieser geldwerte Vorteil kann dabei entweder mit der sogenannten Fahrtenbuchmethode oder pauschal nach der Ein-Prozent-Methode ermittelt werden. Grundlage für die Berechnung nach der Ein-Prozent-Regelung ist der Bruttolistenneupreis des Fahrzeugs. Häufig liegt der von den Kfz-Herstellern angegebene Bruttolistenpreis jedoch deutlich über den handelsüblichen Verkehrspreisen.

Durch den Ansatz des höheren Neuwagenpreises muss der Steuerzahler auch einen höheren geldwerten Vorteil versteuern. „Wir halten dies für ungerecht und lassen durch ein Musterverfahren nun prüfen, ob die Heranziehung des Bruttolistenneupreises rechtmäßig ist“, erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Zwar bestünde die Wahlmöglichkeit zur Führung eines Fahrtenbuches und die Abrechnung nach privat gefahrenen Kilometern. Doch sei diese Regelung für den Nutzer aufwendig und könnte von Finanzämtern abgelehnt bei formalistischen Fehlern abgelehnt.

„Der Bundesfinanzhof (BFH) hat den Fall zur Prüfung im Oktober angenommen“, sagt Klocke. „Wir rechnen aber damit, dass es einige Monat dauern wird, bis eine Entscheidung gefällt wird.“ Das Verfahren ist beim BFH unter dem Aktenzeichen VI R 51/11 anhängig.

Die Relevanz


Nach Informationen des Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg wird knapp zehn Prozent des PKW-Bestandes in Deutschland gewerblich genutzt. Dies sind 4,166 Millionen Fahrzeugen. Zahlen über Nutzer von Dienstwagen sind nach Anfrage auch dem Bundesfinanzministerium nicht bekannt, weil diese statistisch nicht erfasst würden.

Welche Rechte Steuerzahler haben
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Streitfall des Tages - Wenn das Finanzamt beim Dienstwagen zulangt

0 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn das Finanzamt beim Dienstwagen zulangt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%