Streitfall des Tages
Wenn der Abschied vom Chef teuer wird

Scheiden tut weh. Das ist im Privaten nicht anders als im Arbeitsleben. Hat ein Partner besonders viel in die Beziehung investiert, ist Streit ums Geld programmiert. Wann Trennungen vom Arbeitgeber richtig teuer werden.
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Der Fall

Besser hätte es nicht laufen können. Nicht einmal zwei Monate nach ihrer bestandenen Steuerberater-Prüfung konnte sich Friederike Goldmann vor Angeboten kaum retten. Jede zweite Kanzlei in Frankfurt, so schien es, wollte in Zukunft mit ihr arbeiten. Zwar war die Betriebswirtin und frischgebackene Steuerexpertin mit ihrem aktuellen Job keineswegs unzufrieden. Doch die Gehälter der anderen waren einfach zu verlockend. Für eine Partnerstelle nebst saftiger Finanzspritze sagte sie schließlich ihrem alten Arbeitgeber Lebewohl und wechselte voller Vorfreude zur Konkurrenz.

Doch ihr Glück sollte nicht ungetrübt bleiben. Schon kurz nach ihrem ersten Arbeitstag in der neuen Verwendung, erreichte sie ein nüchterner Brief ihres alten Chefs. Der forderte sie lapidar auf, binnen zehn Tagen die Kosten für den Steuerberater-Lehrgang erstatten, den sein Unternehmen finanziert hatte – immerhin 4200 Euro. Außerdem schulde Goldmann ihrer alten Kanzlei zwei Monatsgehälter, da man sie während der Prüfungsvorbereitung zwar bezahlt, aber für volle zwei Monate freigestellt hatte.

Die Relevanz

Die Maxime des lebenslangen Lernens stellt Beschäftigte vor immer neue Herausforderungen. Viele Berufsordnungen schreiben regelmäßige Fortbildungen verbindlich vor, andernfalls droht der Verlust bestimmter Privilegien. Doch Bildung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Aufbaustudiengänge, Abendkurse, Promotionsvorhaben: All das kostet Geld.

Angebote seitens der Arbeitgeber, sich an diesen Kosten zu beteiligen, kommen den meisten Betroffenen daher sehr gelegen. Doch nicht selten wird vergessen, dass die zum Teil großzügige Unterstützung nicht aus Nächstenliebe, sondern knallhartem betriebswirtschaftlichen Kalkül erfolgt. Ein hochqualifizierter Mitarbeiter ist eben mehr wert als ein durchschnittlich qualifizierter – und bringt dem Unternehmen entsprechend mehr Gewinn. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Unternehmen in die Arbeitsverträge Rückzahlungsklauseln einfügen, falls ein auf Firmenkosten fortgebildeter  Mitarbeiter vorzeitig den Dienst quittiert und vor Ablauf eines vertraglich bestimmten Bindungszeitraums aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet. Eine Geld-zurück-Garantie für den Fall einer überraschenden Trennung sind diese Formulierungen aber nicht.

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