Streitfall des Tages
Wenn der Parkrempler in einer Vorstrafe endet

Beim Einparken sind kleine Unfälle an der Tagesordnung. Wer anschließend einen Zettel an der Windschutzscheibe hinterlässt und weiterfährt, riskiert aber eine Vorstrafe. Wann Autofahrer aufpassen müssen.
  • 0

Der Fall

Für den 58-jährigen Vertriebsmitarbeiter aus Hamburg endete die Dienstfahrt mit einer Vorstrafe. Für ihn auch heute zwei Jahre nach dem Fall völlig unverständlich. Was war passiert? Der Hamburger war mit seinem Mietwagen auf dem Weg zu einem dringenden Termin. Er musste wichtige Gesprächspartner vom Flughafen abholen.

Doch er streifte auf dem Weg dorthin ein parkendes Fahrzeug. Er hinterließ einen Zettel am Wagen des Geschädigten und ließ sich das sogar durch einen Zeugen bestätigen. Aus seiner Sicht schien alles in Ordnung: Die Versicherung hatte den Schaden beglichen.

Doch eines Tages bekam der 58-Jährige an seinem Arbeitsplatz unerwartet Besuch von der Polizei. Denn zwischenzeitlich hatte die Mietwagenfirma routinemäßig die Polizei über den Unfall unterrichtet. Der Vorwurf: Fahrerflucht, im Jargon von Juristen unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Und das, obwohl der Schaden beglichen war und er einen Zettel hinterlassen hatte.

Es folgte ein Strafbefehl über 2000 Euro. Nun ist der Autofahrer vorbestraft.

Die Relevanz

Der Fall des 58-Jährigen ist kein Einzelfall. Viele glauben, dass nach einem Parkrempler das Hinterlassen eines Zettels ausreicht, um den Unfallgegner zu informieren. Doch weit gefehlt. "Bei keinem anderen Thema können unbescholtene Bürger so schnell in Berührung mit dem Strafgesetzbuch kommen", sagt Christian Demuth, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Düsseldorf.

Alle an einem Unfall Beteiligten haben laut Gesetz die Verpflichtung, Angaben über die Beteiligung am Unfall zu machen. Wenn ein Unfallversursacher einen Zettel an das Fahrzeug des Geschädigten hängt, reicht das nicht aus. Denn der kann verschwinden oder die Angaben könnten falsch sein.

Die Konsequenzen dieses Verhaltens sind dramatisch: Kommt es zu einer Verurteilung wegen Fahrerflucht, gilt der Fahrer als vorbestraft. Dazu kommen saftige Geldstrafen und die Kosten für den Anwalt. Zudem stellt Fahrerflucht einen Verstoß gegen den Vertrag mit dem Haftpflichtversicherer dar. Die Konsequenz: Dieser ist von der Leistung frei und wird den Versicherten bis 5000 Euro in Regress nehmen.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn der Parkrempler in einer Vorstrafe endet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%