Streitfall des Tages
Wenn der Schaffner Rot sieht

Falsch gelöste oder fehlende Tickets sorgen beim Bahnfahren immer wieder für Ärger. Selbst auf dem stillen Örtchen lauern Schaffner den Reisenden auf. Wann Kunden zu Schwarzfahrern werden und wie sie sich wehren können.
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Der Fall

Raus aus dem Büro und ab nach Hause: Jörg H. weiß zwar, dass er kein Ticket für den ICE hat – aber egal. Der Zug steht gerade abfahrbereit am Gleis. „Dann zahle ich im Zug eben nach“, denkt sich der 40-Jährige Vielreisende mit Bahncard 50 und steigt ein, bisher war das nie ein Problem.

Zu früh gefreut: Er ist gerade auf der Toilette, als die Schaffnerin an der Tür rüttelt. Fahrscheinkontrolle. Viel Zeit lässt sie ihm nicht, bevor sie von außen gegen seinen Wunsch öffnet. Jörg H. wird mit hängenden Hosen vorgefunden und muss das „erhöhte Beförderungsentgelt“ von 40 Euro für Schwarzfahrer zahlen.


Die Gegenseite


Für die Deutsche Bahn ist der Fall ausgesprochen ungewöhnlich: „Ich kann das nicht glauben“, sagt ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. Die einzig mögliche Erklärung für ihn lautet: „Die Schaffnerin hatte das Gefühl, dass der Reisende vor ihr geflüchtet ist und sich verstecken wollte.“ Schließlich ist ein Aufenthalt in der Toilette bei Schwarzfahrern beliebt, um der Fahrschein-Kontrolle zu entgehen.

Schaffner müssen grundsätzlich die Möglichkeit haben, Toiletten zu öffnen. Schon allein für den Fall, dass dort jemand ohnmächtig wird und Hilfe benötigt. „Grundsätzlich gilt aber die Regel, mehrmals zu klopfen und zum Öffnen aufzufordern“, betont der Sprecher. Sollte eine Reaktion ausbleiben, muss der Zugbegleiter vor seinem Eintritt erst noch einmal ausdrücklich ankündigen, die Tür jetzt aufzuschließen.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn der Schaffner Rot sieht"

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  • Als Leitragender kann ich nur anmerken, dass die Empfehlung sich an die Schlichtungsstelle zu wenden oft nichts bringt.
    In meinem Falle saß ich in Köln (Besuch als Tourist) mit einem 2.Klasseticket versehentlich in der 1. Klasse (Sonntagmorgen um kurz nach 7 Uhr in einer fast leeren S-Bahn). Aus Städten wie Berlin und München ist mir die Existenz der 1. Klasse fremd und die Ausschilderung war auch eher dürftig. Der Kontrolleur (ein im hohen Maße arroganter und selbstherrlicher Zeitgenosse und angestellter der Deutschen Bahn AG) verpasste mir genüsslich 40,- € erhöhtes Beförderungsentgelt und eine Anzeige wegen "Erschleichung einer Dienstleistung". Folge: Die Schlichtungsstelle vermittelt in diesem Falle nicht und die Rechtsschutzversicherung zahlt auch keine Anwaltskosten. Warum: "Erschleichung einer Dienstleistung" ist per Definition eine "Straftat mit Vorsatz" und somit sind beide Institutionen raus aus dem Spiel. Das Verfahren wurde nach einigen Wochen zwar eingestellt, aber mit dieser Methode verhindert die Deutsche Bahn AG, dass Kunden zu leicht gegen unberechtigte oder überhöhte Forderungen vorgehen können und der Staatskonzern somit die 40,- € final vereinnahmen kann.
    So sieht es aus bei der Deutschen Bahn AG!

  • Die Person hatte eine BC 50, wieso gibt es keinen Automaten im ICE - Displays als Terminal verwenden + Drucker und Kartenschlitz daneben einbauen - wo ich die Karte einfach durchziehen kann und dann vom Konto abgebucht wird?!

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