Streitfall des Tages
Wenn der Versicherer um die Zahlung feilscht

Nach einem Unfall können Autofahrer das Geld des gegnerischen Versicherers annehmen, wenn sie den Schaden nicht reparieren. Einige Versicherer übernehmen aber nicht den vollen Preis. Wie Versicherte an ihr Geld kommen.
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Der Fall


Eine Autobesitzerin erlitt einen Sachschaden an ihrem parkenden Auto. Der Haftpflichtversicherer des Schadenverursachers, die Zurich Versicherung, erkannte auch den Schaden an. Statt eine Reparatur über eine Vertragswerkstatt des Versicherers wollte die Geschädigte den Schaden in Geld erstattet haben – also fiktiv nach den geschätzten Kosten ihrer Vertragswerkstatt abrechnen.

Sie reichte deshalb einen Kostenvoranschlag ihrer Vertragswerkstatt an die Versicherung ein. Darauf antwortete die Zurich: „Wir haben eine Kürzung der Stundenverrechnungssätze vorgenommen.“ Statt einer Erstattung von etwa 1200 Euro will der Versicherer mit dem Hinweis auf eine günstigere Reparaturwerkstatt etwa 200 Euro weniger erstatten.

Begründung: „Zwar kann grundsätzlich der Geschädigte fiktiv nach den Preisen einer Vertragswerkstatt abrechnen, doch muss sich der Geschädigte, der mühelos eine ohne weiteres zugängliche günstigere und gleichwertige Reparaturmöglichkeit hat, sich auf diese verweisen lassen.“ Die Betroffene versteht nicht, weshalb sie nur aufgrund eines Hinweises auf eine andere Werkstatt ohne sonstigen Nachweis keine Erstattung nach Kostenvoranschlag ihrer langjährigen Vertragswerkstatt erhalten soll.

Die Relevanz

Die Kraftfahrtversicherung ist laut Angaben des Branchenverbandes GDV mit rund 104 Millionen Versicherungsverträgen die Sparte mit dem größten Versicherungsbestand. Überhaupt. Die Beitragseinnahmen beliefen nach aktuellsten Zahlen (2009) 20,1 Milliarden Euro, davon entfiel mit 12,2 Milliarden Euro der weitaus größte Anteil der Beiträge auf die Kfz-Haftpflichtversicherung.

Im Jahr 2009 wendeten die Autoversicherer für 9,4 Millionen Versicherungsfälle rund 19,4 Milliarden Euro auf. Durchschnittlich kostete ein Autounfall in der Kraftfahrzeughaftpflicht 3520 Euro. In den vergangenen zwei Jahren wiesen die rund 100 Kfz-Haftpflichtversicherer seit 2001 erstmals wieder im Durchschnitt eine Schadensquote über 100 aus. Das bedeutet, dass sie mehr für Schäden ausgaben als an Versicherungsbeiträge einnahmen. Wollen die Versicherer keine Verluste schreiben, müssen sie bei gleichbleibenden Einnahmen die Höhe der Schadenserstattungen senken.

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Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn der Versicherer um die Zahlung feilscht"

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  • Na gut, da werde ich mal einfach bei der DA anrufen und fragen *gähn*... Man bezieht Einzelfälle also auf die Gesamtzahl der Schäden und Versicherer? Das ist kein seriöses vorgehen. Noch dazu: Dieses "es für einem Freund jemand ins Auto": Es kann gut sein, dass es hier eben doch nicht so eindeutig war. Vielleicht erzählt ihr Freund auch nur seine Sichtweise? Wer will es ihm verübeln. Hinzu kommt, dass die Versicherung auf Gedeih und Verderb die komplett gefüllte Schadenanzeige des Versicherungsnehmers abwarten muss. Leider sind eben doch manche Kunden nicht so schnell, ums mal nett auszudrücken. Will die Versicherung ohne Schadenanzeige zahlen, dann muss sie ihn anmahnen, eine Frist setzen und die Rechtsfolgen erklären. Das dauert eben. Aber da darfst du dich bei der Rechtsprechung bedanken und nicht bei der Versicherung.

    Fakt ist: Hohe Durchlaufzeiten kosten Versicherer Geld. Hohe Durchlaufzeiten können nur damit begründet werden, dass a) der Fall noch geprüft werden muss oder b) Summen verlangt werden, die nicht gerechtfertigt sind. Teil b) ist wohl bei ihrem Freund aufgetreten. Wer weiß, vielleicht hat er ein Gutachten eingereicht, dass mal wieder überhöht war oder der Restwert wurde, wie so oft, nicht korrekt ermittelt. Nur weil jemand ein Gutachten in Auftrag gibt, wird das noch lange nicht fehlerfrei sein. Aber gerne können die Versicherer auch jeden Quatsch zahlen. Sie wissen schon, dass die letzten Jahrzehnte die Versicherungsbeiträge kaum inflationsbereinigt gestiegen sind. Mittlerweile sind die Schaden-Kostenquoten (CR) bei den meisten Versicherern negativ. Wenn alles ohne Prüfung gezahlt wird, wird noch mehr betrogen als es jetzt schon der Fall ist. Wer zahlt das? Sicher nicht der Versicherer. Dann werden eben die Beiträge erhöht. Dann mal schauen, wie sie und ihr Freund reagieren. Ein Wechsel der Versicherung bringt dann nichts mehr.

  • Allace65, Sie haben im Prinzip vollkommen recht. Z.B. fuhr im Mai ein Versicherungsnehmer der DA Direkt, einer Tochter der im Artikel angesprochenen Zurich Versicherung, einem Freund von mir ins Auto. Schuld unstrittig zu 100 % beim Unfallgegner. Um es vorwegzunehmen: Die Regulierungssumme wurde bis heute noch nicht ausbezahlt. Erstens versuchte DA Direkt bei der Regulierung 500 € "zu sparen", anstatt den Betrag dann aber schnell zu überweisen, zögerten sie die Auszahlung hinaus. Bei Nachfragen Lügen und Unverschämtheiten am Ende der Hotline. Nach 2 Monaten nahm sich mein Freund einen Anwalt. Die Regulierung wurde neu aufgerollt u. DA Direkt erklärte sich bereit, statt 2300 € nun 2800 E auszuzahlen (u. müssen auch noch den Anwalt bezahlen. Auch im kaufmännischen Sinne ein Saustall ...). Vor 2 Wochen kam ein Brief, daß das Geld überwiesen sei. Das Geld ist bis heute noch nicht auf dem Konto...
    @ "danke_dir...": Warum ist das Geld nach bald 6 Monaten noch nicht ausbezahlt? Oder ist DA Direkt ja nicht flüssig? Auf jeden Fall scheinen Sie ein Rüpel zu sein.

  • 1. Was hat das mit dem vorliegenden Fall zu tun?
    2. Wie Sie Rückstellungen, die voll liquide sein müssen, mit 6% DER SCHADENSUMME verzinsen können, will ich sehen! Sagen wir durch einen unzumutbaren Verweis verzögerte sich die Zahlung (NUR DIE DIFFERENZ 200EUR!) um 3 Monate. Dann sagen Sie hier also, dass Sie einen risikolosen sofort liquiden Zinssatz von 144% erwirtschaften können? Sie scheinen ein Finanzgenie zu sein... Oder ein Schwätzer!

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