Streitfall des Tages: Wenn die Bahn ihre eigenen Preise nicht kennt

Streitfall des Tages
Wenn die Bahn ihre eigenen Preise nicht kennt

Fälle belegen: Einige Schaffner berechnen die Preise für Zugtickets offenbar willkürlich. Wie Kunden sicherstellen können, dass sie bei der Bahn nicht zuviel bezahlen müssen - und wann sie Geld zurückfordern können.
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Der Fall

Es war Anfang Januar, als Jacob H. für die Strecke zwischen Köln und Düsseldorf in einen ICE stieg. Er ist Inhaber eines Jobtickets mit IC-Aufschlag bei der Deutschen Bahn und kann damit Regionalbahnen und Intercity-Züge nutzen. Er weiß, dass bei einer Fahrt mit dem ICE ein Aufschlag fällig wird und zahlt anstandslos 7,75 Euro, die der Schaffner von ihm verlangt.

Nur sechs Tage später kommt es zu erheblichen Verzögerungen auf der Strecke. Joachim P. springt daher wieder in einen ICE, um sein Büro pünktlich zu erreichen. Dieses Mal knöpft ihm der Schaffner für dieselbe Strecke 10,50 Euro ab. Der Fahrgast ist erstaunt und verweist vergeblich auf den günstigeren Tarif, den er zuvor gezahlt hatte. Er hat das alte Ticket nicht dabei.

Eine Woche darauf nutzt er dann zum dritten Mal auf dieser Strecke einen ICE und wartet gespannt auf den Schaffner. Dieses Mal stecken beide abgelaufene Tickets in seinem Portemonnaie. Jetzt verlangt der Zugbegleiter 13,50 Euro und der Fahrgast beginnt eine Diskussion. Er will wissen, wie es zu diesen Unterschieden kommen kann und wie hoch der korrekte Zuschlag ist. Der Schaffner beharrt ungerührt auf dem genannten Preis. Er könne dem Fahrgast in dieser Situation auch 40 Euro abknöpfen, sagt er streng. Außerdem droht er mit einer Nacherhebung für die vermeintlich zu günstigen Tickets der vorherigen Fahrten.

Der Jobticket- und Bahncard50-Inhaber ist verärgert und verwirrt: Wie teuer ist jetzt der korrekte Aufschlag für die Strecke Köln-Düsseldorf wirklich? Wieso droht der Schaffner mit Strafe und wieso kann es zu diesen Preisdifferenzen kommen?

Die Relevanz

Die Deutsche Bahn bietet für viele Strecken attraktive Preismodelle. Doch die Vergünstigungen und Rabattsysteme sind wenig übersichtlich. So ließen sich Anfang 2010 fünf Experten der Stiftung Warentest in 19 Städten beraten, riefen die Bahnauskunft an, nutzten Automaten und suchten im Internet nach den günstigsten Varianten für fünf verschiedene Fahrten.

Bei der Suche nach einer günstigen Verbindung zwischen Köln und Kassel nannten nur acht von 24 Mitarbeitern am Schalter den Regionalexpress, der mit 40,50 Euro die günstigste Option gewesen wäre. Verkauft wurden meist die teureren IC- oder ICE-Tickets, die auf dieser Strecke kaum Zeitersparnis bringen, dafür aber zum Zeitpunkt der Erhebung bis zu 98 Euro kosteten.

Die Automaten am Bahnsteig zeigen stets alle Verbindungen an, auch jene mit dem Regionalexpress. Im Internet müssen Kunden die Voreinstellung „Alle ohne ICE“ anwählen, um die günstigen Züge zu sehen.

Die Gegenseite

Bestehen auch in der Zentrale der Deutschen Bahn ein paar Fragezeichen zum Tarifsystem? - Ein Sprecher des Berliner Büros betont zwar zunächst, man fände den Vorfall interessant und bedauerlich. Doch für eine mündliche Stellungnahme benötigt er fast zwei Wochen. Üblich bei solchen Anfragen nach einer Stellungnahme ist eine Frist von 24 Stunden. In der Pressestelle der Bahn laut Internetseite 17 Mitarbeiter – Experten für regionale Belange nicht eingerechnet.

Den richtigen Preis für den Zuschlag beziffert er mit 10,50 Euro. Beim billigeren Tarif sei die Bahncard des Kunden angerechnet worden. Das sei bei einem Jobticket nicht zulässig. Die teuerste Variante sei der Normaltarif ohne Berücksichtigung des Jobtickets.

Man werde an der Schulung der Mitarbeiter arbeiten, heißt es aus der Pressestelle. Auf Nachfrage erklärten zwei ICE-Schaffner, sie hätten von einer Schulung zu diesem Thema bislang noch nichts gehört.

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Kommentare zu "Wenn die Bahn ihre eigenen Preise nicht kennt"

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  • Von der Auslandsreisenbuchung über die Dt. Bahn kann ich nur abraten. Nach langwierigen Rechen- u. Klickvorgängen kam ein exorbitanter Preis für eine Fahrt nach Spanien heraus. Die Fahrkartenagentur "Bahnland" (www [dot] bahnland [dot] info) hat mir die Reise zum halben Preis vermittelt! Wirklich top die Jungs!

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