Streitfall des Tages Wenn die Wärmedämmung zum Albtraum wird

Die Planung ist das eine, die Umsetzung das andere: Bei der energetischen Sanierung passieren viele Fehler. Neubauten und Bestandsobjekte sind betroffen. Die Folgen für die Immobilienbesitzer sind unkalkulierbar.
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Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Das Einfamilienhaus ist in die Jahre gekommen. Deswegen entschließt sich der Eigentümer, ein neues Dachgeschoß zu bauen und das ganze Gebäude mit neuen Fenstern auszustatten: dreifach verglast. Die Wände aus massiven Ziegeln will er so belassen wie sie sind. Natürlich sollen sich die Investitionen lohnen: Der Eigentümer hofft auf deutlich niedrigere Heizkosten. Laut Energieeinsparverordnung liegen die Planungen im grünen Bereich.

Was niemand bemerkt: Mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,3 sind die Wände jetzt schlechter gedämmt als die Fenster mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,0. Statt an den Scheiben schlägt sich die feuchte Luft im Winter also an den Wänden nieder. Die Folge: Schimmel. Da hilft nur eine Lüftungsanlage. Für den Eigentümer heißt das: nachbessern.

Die Rechtsgrundlage


Je besser ein Gebäude isoliert ist, desto weniger Energie verbraucht es zum Heizen. Welche Anforderungen ein Haus in dieser Hinsicht erfüllen sollte, wird gesetzlich mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt, die 2009 zuletzt novelliert wurde.

Ziel der geänderten Fassung ist es, im Hinblick auf den Klimaschutz den Energiebedarf für Heizung und Warmwasser bei Gebäuden um etwa 30 Prozent zu senken.
Zusätzlich gilt für Neubauten auch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), das Gebäudeeigentümer verpflichtet, beim Heizen anteilig erneuerbare Energien zu nutzen.

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12 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn die Wärmedämmung zum Albtraum wird"

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  • Dabei konnte Berlin auf all die Verbandswürstchen und Experten zurückgreifen, die offenkundig in endlosen Arbeitskreisen nie das Niveau der 3. Klasse der alten Realschule in Physik (Taupunkt) erreichten.

    Vielleicht sind die Wärmedämmungsverordnungen ja auch schon erste Erfolge der vielen Bildungsreformen.

  • Die Wärmedämmung selbst ist der Albtraum. Behördlicher Allmachtswahn und grüne Geiferideologie zwingen (nur in Europa) zu physikalisch abenteuerlichen "Verbesserungen". Das Ganze erinnert stark an den Flachdachwahnsinn der 60er und 70er, wo ebenfalls Bürokraten meinten, sie könnten die Physik per Verordnung übertrumpfen - das Wasser floss trotzdem nach unten.

    Und nun schafft man es nicht, per Dekret den Taupunkt abzuschaffen. Ein Milliardendesaster, wo dann keiner die Verantwortung tragen wird. Und wie immer bei den Öko-Vorschriften geht es massiv gegen die Hygiene. So wie die braunen Tonnen ein Maden- und Rattenförderprogramm darstellen, so ist die Wärmedämmung ein äußerst effektives Mittel zur Verbreitung von Schimmel mit all den Folgen für die Volksgesundheit.

  • Ich habe neu gebaut. Gesamtenergiebedarf < 18 kWh/m²a.
    Ich habe zwar auch Photovoltaik, aber nicht aus wirtschaftlichen Gründen.
    Meine Gesamtstromkosten: ca. 5 € /m²a, davon die Hälfte HZ u WW, Rest Lüftung und Haushalt.
    Zugegebenermaßen ist Altbausanierung was anderes, als Neubau. Aber den Wärmewiderstand des Gebäudes würde ich doch mal rechnerisch erfassen, um Dämmaßnahmen fundiert beurteilen zu können.

  • Ohweh, Dummenschule Deutschland, das wird ja immer schlimmer. Seit Inkrafttreten der 1. Wärmeschutzverordnung ist in Berlin nicht die Einsicht entstanden, daß ein 4-köpfiger Haushalt 10 Ltr. Wasser in Form von Wasserdampf freisetzt und dieser Wasserdampf raus muß. Wenn schon Fugendichtheit sein soll, dann müssen die Räume klimatisiert werden. Wo ist die Verordnung, die das vorschreibt und zusätzlich die Nutzer zu einer Mindesttemperatur deutlich (18°C) über dem Taupunkt veranlaßt?
    Ein Handwerker hat einen Vertrag zu erfüllen und kann die Einhaltung von Vorschriften überhaupt nicht beurteilen; es sei denn, er liefert die Berechnungen mit und bekommt es bezahlt.

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/99/2/

  • In der Branche gibt es ein böses Wort:

    "Baukundschaft ist Laufkundschaft."

    Soll heißen: Der durchschnittliche Bauherr baut nur einmal im Leben, Kundenpflege oder auch nur Sorgfalt sind hinausgeworfenes Geld.

  • Und wie viel Strom Verbraucht die kleine Wärmepumpe pro Jahr?

  • Eine kleine Wärmepumpe im Altbau?? Kein Kessel, kein Ofen?? Ich hoffe Sie haben wenigstens einen warmen Pulli im Winter...oder wie hoch ist ihre Wohnungstemperatur? ;-) Aber im Ernst, wie heizen Sie denn? Nur elektrisch (WP)? Woher kommt der Strom; eigene PV? - haben Sie die mit kalkuliert in den 8 Jahren- oder aus der Steckdose? - Was kostet ihre KW/h denn im JAhr 2015??
    Ich habe mir selber vor 4 Jahren eine alte Stadtvilla gekauft und baue selber aus. Keine Dämmung sondern nur 48er Ziegelwände welche die Sommersonne bis zum Februar nachspeichern. Bisher hat mir noch jeder von einer Dämmung abgeraten. Nur die Energieeinsparverordnung verlangt dies von mir...
    Im Übrigen kann ich die Einleitung im Artikel nicht ganz nachvollziehen. Feuchte Wände deuten mM nach auch auf eine fehlende Raumtemperatur sowie fehlende Lüftung.

  • Ich lach' mich jedesmal tot, wenn mein Nachbar wieder das teure Öl kaufen muß und ich hab meine "Ersparnis" durch Dämmung in spätestens 8 Jahren drin. Nebenbei: einen Ofen hab ich mir auch noch gespart, weil eine kleine Wärmepumpe den gleichen Zweck erfüllt.
    Aber ich gönne jedem seine Rechnungsweise, wenn er weiter mit Öl heizen will. Der Markt wird das schon regeln.

  • Ihr Kommentar:
    Gut, dass mal jemand die Dinge beim Namen nennt: Auch Neubauten können völlig schlecht isoliert sein, gerade hier droht Schimmelgefahr, wenn die entsprechenden Arbeiten nicht peinlichst genau ausgeführt wurden. Wer hiervon betroffen ist, darf sich in aller Regel obendrein noch die alte Mär vom falschen Lüften seitens der Baubetriebe anhören. Geschehen tut dann nichts mehr, denn hierbei können sich die Betriebe oft sauber aus der Affäre ziehen. Man sollte also nicht zu lange warten und sich überlegen, ob es nicht ratsam wäre, einen gerichtlich beauftragten Gutachter zu dem Fall hinzu zu ziehen. Hierbei kann auch festgestellt werden, ob der Schimmel in der Wohnung giftig und gesundheitsschädlich ist. Auf keinen Fall sollte jemand, der korrekt lüftet, sich zu schnell abspeisen lassen! Ja nicht! In unserem Haus war es so und die Baufirma hat dermaßen geschlampt und gepfuscht, dass es wirklich abenteuerlich war. so kam heraus, dass Abstände zwischen Mauerwerk und Isolierung nicht richtig eingehalten wurden und an manchen Stellen die Isolierung völlig weggelassen wurde, wo sie vom Ingenieurbüro vorgesehen war und an anderen Stellen sogar bei der Planung ganz vergessen wurde!- Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!

  • Ihr Kommentar:
    Gut, dass mal jemand die Dinge beim Namen nennt: Auch Neubauten können völlig schlecht isoliert sein, gerade hier droht Schimmelgefahr, wenn die entsprechenden Arbeiten nicht peinlichst genau ausgeführt wurden. Wer hiervon betroffen ist, darf sich in aller Regel obendrein noch die alte Mär vom falschen Lüften seitens der Baubetriebe anhören. Geschehen tut dann nichts mehr, denn hierbei können sich die Betriebe oft sauber aus der Affäre ziehen. Man sollte also nicht zu lange warten und sich überlegen, ob es nicht ratsam wäre, einen gerichtlich beauftragten Gutachter zu dem Fall hinzu zu ziehen. Hierbei kann auch festgestellt werden, ob der Schimmel in der Wohnung giftig und gesundheitsschädlich ist. Auf keinen Fall sollte jemand, der korrekt lüftet, sich zu schnell abspeisen lassen! Ja nicht! In unserem Haus war es so und die Baufirma hat dermaßen geschlampt und gepfuscht, dass es wirklich abenteuerlich war. so kam heraus, dass Abstände zwischen Mauerwerk und Isolierung nicht richtig eingehalten wurden und an manchen Stellen die Isolierung völlig weggelassen wurde, wo sie vom Ingenieurbüro vorgesehen war und an anderen Stellen sogar bei der Planung ganz vergessen wurde!- Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!

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