Streitfall des Tages
Wenn EC-Kartenbesitzer Betrügern aufsitzen

Die Zahl der Betrugsfälle bei EC-Karten nimmt stark zu. Mit immer neuen Tricks spähen Ganoven die Pins der Betroffenen aus. Warum die Betroffenen häufig auf dem Schaden sitzen bleiben und wann die Bank einspringen muss.
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Der Fall


Ari D. staunt nicht schlecht, als sie ihre Kontoauszüge überprüft. Dreimal wurden in der letzten Juni-Woche dieses Jahres jeweils 1.000 Euro von Ihrem Konto abgehoben – und das an einem Geldautomaten im Oman, einem Staat auf der arabischen Halbinsel, wo sie noch nie in ihrem Leben gewesen ist.

Die Journalistin ist Opfer einer so genannten Skimming-Attacke geworden. Dabei werden Geheimnummer und Kartendaten an den Geldautomaten von Sparkassen und Banken mit Hilfe ausgeklügelter technischer Systeme gestohlen – ohne dass der Kunde davon etwas merkt.

Die Relevanz


Daten-Diebstahl am Geldautomaten kommt immer häufiger vor. Im Jahr 2010 registrierte das Bundeskriminalamt (BKA)in Wiesbaden 3.183 Angriffe auf Geldautomaten – ein Plus von satten 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 2.059 Angriffen.

BKA-Präsident Jörg Zierke schätzt, dass etwa 190.000 Kartenkunden von solchen Angriffen betroffen waren, da pro Angriff auf einen Geldautomaten durchschnittlich 60 Kunden ausgespäht werden. Insgesamt entstand bei allen Attacken nach Schätzungen des Bundespolizisten ein Schaden von circa 60 Millionen Euro. Besonders häufig werden Automaten an öffentlichen Plätzen, Fußgängerzonen oder Bahnhöfen von den Tätern manipuliert – häufig nur für wenige Stunden.

Die Geheimzahlen der Geldkarten werden meist mit kleinen Kameras ausgekundschaftet, die oberhalb der Tastatur des Bankautomaten, in den Abschirmblenden oder an den Deckenwänden des Bankraumes angebracht werden. Manche Täter legen auch Tastatur-Attrappen über die Originaltastatur, um die Geheimzahlen abfangen zu können. Die Daten der Karten werden dagegen meist durch aufgeschraubte Lesegeräte an den Kartenschlitzen der Geldautomaten ergaunert.

Die Täter heben dann mit den gestohlenen Daten Geld an anderen Automaten ab, die häufig im Ausland stehen – bei Ariane Kressin eben im arabischen Oman. Nach Einschätzung der Kriminalisten stammen die Tatverdächtigen fast ausschließlich aus Südeuropa und sind meist nur für wenige Tage in Deutschland. In der Regel arbeiten die Täter sehr zügig - zwischen dem Diebstahl der Daten und dem Abheben des Geldes vergehen nur ein bis zwei Tage.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn EC-Kartenbesitzer Betrügern aufsitzen"

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  • Und trotzdem wurde die Überschrift geändert. Aha, hat doch mal einer "nachgedacht". ;-)))

  • Es wäre nützlich, wenn Sie mal ein paar Beispielfotos von "aufgesetzten Kartenschlitzen" zeigen könnten.

  • Nein, nein, so schlecht ist der Artikel nicht. Es wurde ja in den Ergänzungen ausgeführt, das der Kunde haftet, weil die Nutzung der Kartendaten mit der PIN darauf schließen läßt, dass der legitimierte Kunde die Kartenabhebung veranlasst hat. Der Kunde muss dann den Gegenbeweis antreten, dass er die Abhebung eben trotzdem nicht gemacht hat. Und "nachgedacht", Sie haben dehalb völlig Recht, sie können ja (gegen-)beweisen, dass sie nicht in Oman waren und damit haftet die Bank bzw. sie hätte keinen Aufwendungsersatzanspruch gegen Sie.

    Im Übrigen sollte der Kunde immer darauf bestehen, sich von seiner kartenausgebenden Bank die Umsatzbelege des Bargeldautomaten geben zu lassen. Ihre Bank muss diese beim Bargeldautomatenbetreiber beschaffen. Daraus lassen sind ziemlich viele Schlüsse ziehen. Der BGH hat diese Mitwirkunspflicht den Banken in einem Urteil zur Aufklärung der Tat deutlich ins Stammbuch geschrieben. Ohne diesen Nachweis hat die Bank nämlich keinerlei Ansprüche, wenn der Kunde die Informationen anfordert und die Bank diese nicht beschafft.

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