Streitfall des Tages: Wenn Erben der Zutritt verboten wird

Streitfall des Tages
Wenn Erben der Zutritt verboten wird

Immer häufiger hinterlassen die Deutschen ihren Nachfahren neben klassischen materiellen Werten wie Häusern auch allerhand Digitales wie Musikdateien, Fotos und E-Mails. Das Erbrecht ist darauf noch nicht eingestellt.
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MünchenDer Fall
Alles war nur erfunden. Tatsächlich will Hollywood-Star Bruce Willis Apple nicht verklagen, weil er seine digitale Musiksammlung nicht an seine Töchter vererben kann. Er wird sich auch nicht einer der bereits in den USA anhängigen Sammelklagen anschließen, die für Kunden mehr Rechte an online erworbener Musik erstreiten wollen. Willis‘ Ehefrau hat anderslautenden Pressemeldungen sofort widersprochen.

Die Diskussionen über den Fall konnte das umgehende Dementi allerdings nicht stoppen. Im Gegenteil. Denn die Frage, wer im Erbfall die Daten und Datensätze eines Verstorbenen übernehmen darf, ist auch in Deutschland noch weitgehend ungeklärt.


Die Relevanz
Schon wenn es darum geht, die klassischen Rechtsgüter – also Haus, Auto und Boot – auf die nächste Generation zu übertragen, sind die Deutschen nicht besonders akribisch. Laut einer Studie der Postbank hat nicht einmal jeder dritte Deutsche seinen letzten Willen verbindlich niedergelegt. Erbitterte Familienfehden sind die Folge. Und die Probleme dürften sich in Zukunft noch verschärfen.

Der Grund: Drei Viertel der Deutschen sind inzwischen regelmäßig im Internet unterwegs, schreiben Mails, erledigen online ihre Bankgeschäfte. Auch die Ausübung von Hobbies wird zunehmend digitalisiert. Musikfreunde laden Musik übers Netz oder nutzen die zahlreichen Streamingdienste. Liebhaber hochwertiger Literatur können dank moderner E-Reader problemlos eine ganz Bibliothek mit sich herumtragen.

Entsprechend enthalten Nachlässe immer häufiger auch Daten aus der Cloud, Onlinekonten, und diverse Nutzerprofile. Das stellt die Erben mitunter vor erhebliche rechtliche und tatsächliche Probleme.




Der Experte
„Oft bereitet es schon ganz erhebliche Schwierigkeiten, überhaupt herauszufinden, welche E-Mail-, Facebook- oder Bankkonten der Verstorbene hinterlässt“, weiß Mario Martini, Professor für Öffentliches Recht an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn Erben der Zutritt verboten wird"

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  • Wäre doch eine Marktlücke für die NSA.

    Alle Informationen aus einer Hand. Dann muss man sich nicht mit zig Konzernen rumärgern.

  • Es geht auch anders:
    sich garnicht erst um so einen Kümmelkram zu kümmern, weil man anderes und Besseres zu tun hat: preiswert und praktischer, als sich mit Idioten herumzuschlagen.

  • Wie immer im Leben. Man sollte sich schon ein bisschen kümmern. Von Passwortmanagern kann ich nur abraten. Auch die sind zu knacken. Man sollte NIE Zugangsdaten auf dem Rechner speichern. Auch diese Testamentsfunktion ist problematisch. Denn damit verfügt Google über Informationen zu Beziehungen, Familienverhältnissen usw.

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