Streitfall des Tages Wenn Erben keinen Spaß mehr macht

Die Deutschen sind ein Volk von Erben. Glück und Wohlstand zieht jedoch nicht bei allen ein. Das gilt vor allem, wenn sie sich den Nachlass mit der Familie teilen müssen. Warum auf Erbengemeinschaften kein Segen liegt.
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Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Das Verhältnis von Sahra Blohmanns zu ihren Stieftöchtern Lena und Laura war noch nie gut gewesen. Die beiden jungen Frauen machten sie noch immer für das Scheitern der Ehe ihrer Eltern verantwortlich, wechselten kaum ein Wort mit ihr und straften auch ihren Halbbruder mit zur Schau getragener Nichtbeachtung.

Die Fassade bröckelte erst, als ihr Vater, Werner Blohmann, unerwartet starb und ein beträchtliches Vermögen, nicht aber ein Testament hinterließ. Plötzlich bildeten die Hinterbliebenen einen unfreiwilligen Zwangsverband. Wirklich miteinander sprechen wollte die Erbengemeinschaft wider Willen aber noch immer nicht.

Die Relevanz

Auf Deutschland rollt eine Erbschaftswelle historischen Ausmaßes zu. Die jüngste Postbank-Studie zur Nachlassplanung in Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Chance, ein Eigenheim zu erben, auf absehbare Zeit verdoppeln wird – und auch die Werte der Nachlässe insgesamt steigen deutlich.

Dennoch dürfte die Zahl der lachenden Erben überschaubar bleiben. Der Grund: Nicht einmal 20 Prozent der Über-16-Jährigen in Deutschland haben ein Testament aufgesetzt, das die Verteilung ihres Nachlasses regelt. Die überwiegende Zahl der Erbschaften in Deutschland wird daher nach den gesetzlichen Regelungen abgewickelt. Und die bewirken, dass alle Erbberechtigten, auch wenn sie sich hassen, eine sogenannte Erbengemeinschaft bilden. Harmonisches Miteinander? Fehlanzeige.

Der Experte

„Erbengemeinschaften führen meist zu einer Menge Streit – auch und gerade in Patchwork-Familien wie den Blohmanns“, sagt Nina Lenz-Brendel, Fachanwältin für Erbrecht aus Mannheim. Grund: Der gesamte Nachlass – von der Münzsammlung über das Ferienhaus bis hin zu etwaigen Schulden - wird mit allen Rechten und Pflichten gemeinschaftliches Vermögen der Miterben.

„Jeder Miterbe ist damit anteiliger Eigentümer oder Inhaber jedes einzelnen Nachlassgegenstandes. Die logische Konsequenz ist, dass die Erbschaft auch nur gemeinschaftlich verwaltet werden kann“, erläutert Lenz-Brendel.

Im Falle Blohmann müssen also sowohl die beiden Töchter des Erblassers, Lena und Laura eine gemeinsame Linie finden; sie müssen sich auch mit der ungeliebten Stiefmutter und deren Sohn, ihrem Stiefbruder, arrangieren. Ein schwieriges Unterfangen, weil Entscheidungen der Erbengemeinschaft mehrheitlich, mitunter sogar einstimmig fallen müssen. Klappt das nicht, stehen alle Räder still.

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8 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn Erben keinen Spaß mehr macht"

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  • Die ganzen Asozialen erben doch sowiso permanent - die zeheren aus den Steueren die auf BESITZ erhoben werden.

  • Das ist ein schöner Neidreflex.

    Und mit welchem Recht darf ich fremdes Eigentum abgreifen? Mal abgesehen davon, daß auch dieses Geld irgendwann ausgegeben wird, also die Wirtschaft ankurbelt.

  • Mit welchen Recht bereichert sich der Staat überhaupt per Todessteuer, sprich beschönigend "Erbschaftssteuer".

    Welchen Verdienst hat der Staat denn am Tode eines Menschen?

    Doch höchstens den, daß er den Menschen durch magere Renten, schlechte Krankenversorgung, zuviel Bürokratie und unberechenbare Justiz vorzeitig ins Grab brachte.

  • Ich habe NAZIGene und eine Zugehörigkeit zum Tätervolk geerbt.

  • ERBE: Die LEBENSLEISTUNG MEINER VORFAHREN! Ein TüRKE ODER JUGOSLAWE (um mal die zwei größten Zuwanderergruppen in Deustchalnd zu benennen) kann hier in den wenigsten fällen eine AHNEREIHE von zig Genrationen im RADIUS von ein paarhundert KIOLMETERn nachweisen, ebensoweing wie ich das in Afrika könnte.

    Und daran sieht amn das Adolf Hitle mit den Katholiken paktierte. Denn katholische Kirchen und damit Abstammungsregister über die man Besitz udn Siedlungsrechet Nachweisen kann
    wurden SELSTAMERWEISE nicht zerstört im Weltkrieg, protestantische aber zu Hauf was eine faktische Enteignung der Protestanten war. Nordirische VErhältnisse eben.

    Paulskirche Fabnkfurt, Frauenkirche Dresden ...

    http://www.das-weisse-pferd.com/99_07/kirche_hitler.html

  • Die These vom "leistungslosen" Vermögenszuwachs lässt mich vermuten, dass Sie kein Vermögen haben. Das kann an den kapitalistischen Schweinehunden liegen, die Ihnen nichts abgeben wollen oder an Ihrer These "leistungslos".

  • Den leistungslosen Vermögenszuwachs stark abschöpfen (Freibetrag von 200.000 Euro / Rest 50 Prozent Steuer) und mit dem Geld die Lohnsteuer und Einkommenssteuer senken! Es ist eine Schande, dass Leistung höher besteuert wird als die Zugewinne von Herrn Millionärssöhnchen.

  • Der Tod jedes Menschen ist erschütternd.

    Die Erbschafts-Welle "rollt" lt. Banken und Versicherungen schon seit Jahren

    Komisch, dass die Erträge aus der Erbschaftssteuer meilenweit hinter den Erträgen aus der Grunderwerbssteuer zurückbleiben.

    Entweder werden die Erbschaften extrem lau besteuert (was teilweise richtig ist) oder so viel wird gar nicht vererbt (was man auch vermuten muss)!

    Die Pflegekosten und der Kapitalbedarf für die Absicherung der Langlebigkeit werden jedenfalls chronisch unterschätzt, der Immobilienwert von älteren Häusern auf dem Lande dürfte auch nicht toll sein….

    Die 1 Promille der „Top-Erbschaften“ werden die legalen Tricks wie Umzug in das Ausland nutzen. Die andere Seite: Bei ca. 50 % der Erbschaften fällt quasi gar kein Vermögen an.

    Na klar, wer rechnet denn schon nach, dass für eine „lebenslange Rente“ von 2.500 Euro / Monat ca. 600.000 Euro im Schnitt aufgebraucht werden. Pflegefall im Heim: Kosten ab 3000 Euro / Monat.


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