Streitfall des Tages
Wenn Ihr Chef Spione schickt

Ein unauffälliges weißes Auto, das seit Tagen an der immer gleichen Stelle steht. Eine seltsame Häufung von „falsch verbundenen“ Anrufen auf der privaten Telefonnummer. Wann darf der Chef Späher ausschicken?
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Der Fall


Wochenlang hatte Marco Seiffert immer wieder über massive Rückenschmerzen geklagt. Doch er biss die Zähne zusammen, versuchte, die Probleme herunterzuspielen. „Man wird nicht jünger“, witzelte der Automechaniker immer wieder und erntete für seine Tapferkeit anerkennende Blicke.

Dann aber, an einem Montagmorgen, kam der Anruf, den sein Chef seit langem befürchtet hatte. Seiffert meldete sich krank – „zunächst einmal für zwei Wochen“. Im ersten Moment war das Mitleid mit dem kranken Kollegen groß. Auch, als Seiffert nach Ablauf der zwei Wochen ein weiteres Attest einreichte, fand niemand etwas befremdliches daran.

Erst nach Ablauf der vierten Krankheitswoche keimte bei seinem Vorgesetzten Misstrauen auf. War Seiffert nicht auch im letzten Jahr eine ganze Weile ausgefallen? Genau zur selben Zeit? Und was war von den Gerüchten zu halten, man hätte dem kranken Kollegen unlängst an einer Tankstelle gesehen – im Blaumann? Seifferts Chef wollte Gewissheit haben – und setze einen privaten Ermittler auf den dauerkranken Kollegen an.


Die Relevanz


Dass Privatdetektive im Auftrag der Arbeitgeber die eigenen Mitarbeiter ausspionieren, ist nicht selten. Die Gründe für deren Einsatz sind unterschiedlich. So geriet vor einiger Zeit etwa der Discounter Lidl in die Schlagzeilen, als ruchbar wurde, dass die Belegschaft einiger Filialen monatelang von Detektiven bespitzelt wurde und dabei sogar intime Details aus dem Privatleben der Kollegen protokolliert und festgehalten wurden.

Die Deutsche Bahn griff vor einigen Jahren im großen Stil auf die Dienste privater Ermittler zu, offenbar in der Hoffnung, auf diese Weise die Korruptionsbekämpfung im Unternehmen vorantreiben zu können. Und die Deutsche Bank geriet in die Kritik, als Berichte veröffentlich wurden, man habe einen ehemaligen Gewerkschaftsvertreter von Ver.di im Aufsichtsrat der Bank, von einer externen Detektei bespitzeln lassen.

Doch auch kleinere Unternehmen bedienen sich immer wieder der Hilfe der privaten Ermittler – oft, um, wie im Ausgangsfall, Details zum Gesundheitszustand eines dauererkrankten Kollegen herauszufinden.


Der Experte

Ohne weiteres ist eine solche Praxis allerdings nicht erlaubt. Auch wenn es für Unternehmen mitunter schwer zu akzeptieren ist: „Arbeitgeber haben in der Regel kein Recht, von einem erkrankten Mitarbeiter den Grund für dessen Ausfall zu erfahren“, sagt Gregor Dornbusch, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Baker & McKenzie in Frankfurt am Main.

Solange ein ärztliches Attest vorliegt, dass die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, muss der Arbeitgeber dies erst einmal akzeptieren. Umgekehrt gilt aber auch, dass ein Mitarbeiter, solange er krankgeschrieben ist, alles vermeiden muss, was seine Gesundung gefährdet oder verzögert.

Wer also während seiner Arbeitsunfähigkeit sein Haus renoviert oder beim Nachbarn den Garten umgräbt, muss mit negativen Konsequenzen bis hin zu einer außerordentlichen Kündigung rechnen. Vorausgesetzt natürlich, der Arbeitgeber kann das Fehlverhalten beweisen. Und genau da liegt das Problem. Zwar haben die Gerichte immer wieder entschieden, dass Arbeitgeber bei einem starken Verdacht auf genesungswidriges Verhalten auch Detektive beauftragen dürfen, um den Sachverhalt zu klären. Eindeutige gesetzliche Vorgaben, wann ein solcher Einsatz zulässig ist, gibt es aber nicht.

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Wenn Ihr Chef Spione schickt

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Was tun, wenn die Detektive kommen?

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn Ihr Chef Spione schickt"

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  • Auf der anderen Seite gibt es sicher auch Arbeitnehmer, die genau so handeln wie in der Ausgangssituation beschrieben. In einem kleinen Betrieb kann so ein Ausfall bereits massive Folgen haben - der Arbeitnehmer kassiert doppelt und dem Arbeitgeber gehen evtl Aufträge verloren, da er sie wegen fehlender Arbeitnehmer nicht erfüllen kann... Bei begründetem Verdacht kann ich dann den Arbeitgeber wirklich verstehen. Ich selbst bin Arbeitnehmer...

  • Dann steht eben ein weißes Auto an der selben Stelle und es sitzt dort jemand der mich beobachtet. Wenn es mir dann irgendwann zu dumm wird schicke ich dem eine Streifenwagenbesatzung auf den Hals, weil ich mich irgendwie bedroht fühle.Könnte sehr interessant werden ;-)

    Komisch das Arbeitgeber gar nicht merken, das ein Mensch auch mal krank wird, die Knochen nicht mehr mitspielen und dann auch noch was auf Gerüchte gegeben wird.
    Wenn der Chef einfach mal bei Ihm vorbei guckt, ihm meinetwegen einen Strauss Blumen mitbringt und damit auch mal zum Ausdruck bringt, das er seine Arbeit schätzt, wäre das eine ganz andere Hausnummer. Doch wer so misstrauisch ist und anderen solche Dinge zutraut, muß selbst auch ein nicht ganz unbeschriebenes Blatt sein.

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