Streitfall des Tages

Wenn Patienten ihren Ärger Luft machen

Eine Zahnbehandlung ist oft teuer und manchmal leider vergeblich. In neuen Bewertungsportale der gesetzlichen Krankenkassen können Patienten die Qualität der Mediziner beurteilen. Das gefällt vielen Dentisten gar nicht.
7 Kommentare
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.


Der Fall

 

„Als jahrelanger Patient meines Zahnarztes muss ich leider sagen, das dieser allenfalls durchschnittliche zahnärztliche Leistung erbracht hat, der Preis jedoch deutlich Überhöht ist“, beschwert sich ein Privatpatient im Bewertungsportal www.jameda.de.

Wenn Patienten sich über einen Arzt beschweren, richtet sich ihr Zorn meist gegen ihren Zahnarzt. Bei der Unabhängigen Patientenberatung ist jede dritte Beschwerde über Mediziner gegen einen Zahnarzt gerichtet. In den meisten Fällen geht es um Geld, um Kosten, die als überhöht empfunden werden.

Seit Ende Februar diesen Jahres können gesetzlich Versicherte in Fragebögen nun ihren Zahnarzt bewerten. Sie können unter anderem angeben, ob die Mediziner auf Ängste und Schmerzen eingehen oder über die anstehenden Kosten verlässlich informieren. Die großen gesetzliche Krankenkassen, AOK, Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK), wollen die Bewertung einsehbar machen, wenn sich pro Arzt mehr als zehn Patienten geäußert haben.

Nur die Versicherten der teilnehmenden Kassen können auch Bewertungen abgeben. Das Zahnarztbewerungsportal orientiert sich an einem bereits seit Mai vergangenen Jahres bestehendem Portal zu Haus- und Fachärzten. Viele Ärzte und ihre Verbände zeigten sich nicht erfreut. Kritisiert wurde vor allem, dass die Bewertungsportale wenig hilfreich seien, da sie keine Behandlungsqualität im klinischen Sinne beurteilen könnten.

Die Relevanz

Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts Deutscher Zahnärzte (IDZ) sollen Zahnärzte unter der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen. Die positiven Attribute, wie rücksichtsvoller Umgang mit Patienten und gut organisierte Praxen sollen nach den Umfragen überwiegen. Negativen Nennungen wie, „bevorzugen Privatpatienten“, bieten nicht notwendige Behandlungen an und „verdienen zu viel“ kämen laut Studie angeblich seltener vor.

Doch trotz hoher Ausgaben für Zahnarztkosten, können viele Patienten die medizinische Leistung ihres Zahnarztes nur schwer einschätzen. Bewertungsportale sollen nach Angaben der Kassen die Vergleichbarkeit erhöhen.

Rund 37 Millionen gesetzlich Versicherte der beteiligten Kassen haben Zugriff auf das Portal und sind aufgefordert, ihre Einschätzung zum letzten Zahnarztbesuch abzugeben. Die drei Krankenversicherungen, die Verbraucherzentralen, Deutscher Behindertenrat, DAG, SHG und die beteiligte Bertelsmann Stiftung riefen weitere Kassen zur Teilnahme auf.

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 55.000 niedergelassene Zahnärzte. In der bereits seit knapp einem Jahr bestehenden Haus- und Facharztbewertung sind bislang aber nur 3500 der rund 130.000 Mediziner verlässlich bewertet.

Laut der bisherigen Befragung würden 88 Prozent der Patienten ihren Hausarzt bestimmt oder wahrscheinlich weiterempfehlen, aber nur 75 Prozent ihren Facharzt. 17 Prozent würden einen einmal aufgesuchten Facharzt nicht wieder aufsuchen, bei den Hausärzten liegt die Quote nur bei drei Prozent.

Was Bewertungsportale taugen
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Streitfall des Tages - Wenn Patienten ihren Ärger Luft machen

7 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn Patienten ihren Ärger Luft machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich persönlich bin auch der Meinung, dass die Zahnärzte eine sehr teure Dienstleistung anbieten, von der man aber nicht verzichten kann. Es ist ja ebenso wichtig von wem man diese Leistung bekommt. Es ist oft schwierig, sich einen Zahnarzt auszusuchen, da die meisten Patienten sicher vorgehen möchten, dass der behandelnde Arzt über genug Erfahrung verfügt. Schließlich zahlt man genug und oft spielt es keine Rolle ob man bei einem guten Arzt ist oder bei einem schlechteren oder unerfahrenen, da das Geld bezahlt werden muss.
    Der andere Punkt worüber ich mich immer ärgere, sind die schrecklich langen Wartezeiten vor allem wenn man Schmerzen aufgrund einer Entzündung hat.
    Das Internet bietet heutzutage viele Möglichkeiten, sich erst über den Arzt zu informieren, bevor man einen Termin bucht. Plattformen und Webseiten, die Informationen über den Arzt, seine Schwerpunkte, sowie seine Kompetenzen bieten sind von den meisten Patienten sehr beliebt.

    Ich bin vor 3 Monaten nach Berlin umgezogen und hatte eine schreckliche Zahnentzündung, die mich vom Schlafen abhielte. Ich kannte weder eine Zahnarztpraxis in Berlin, noch einen guten Zahnarzt, wo ich behandelt werden konnte. Auf der Suche mein Problem zu lösen, habe ich eine Webseite im Internet gefunden, namens www.Arzttermine.de entdeckt, über die man Ärzte in unmittelbarer Nähe findet und online, ganz flexibel einen Termin (auch von heute auf morgen) buchen kann. Ich habe diese teilweise aus Neugier und teilweise aufgrund meiner Zahnentzündung ausprobiert, da ich schnell möglichst einen Termin buchen wollte. Ich habe gleich am nächsten Tag einen Termin bekommen bei einer sehr angesagten Zahnärztin in Berlin. In der Zahnarztpraxis waren alle sehr nett und ich hab so gut wie gar nicht gewartet, um behandelt zu werden. Die Zahnärztin war sehr freundlich und kompetent, hat sich genug Zeit genommen, um mich über die Behandlungen und die damit verbundenen Kosten zu informieren. Zusammengefasst: das Preis-Leistung-Verhältnis war o

  • @ Stubi
    Natürlich ist ein KVA ein völlig normaler Geschäftsvorgang. Allerdings ist bei einer Zahnbehandlung nicht jeder erforderliche Arbeitsschritt vorher zu kalkulieren, dennoch kann ein KVA schon recht genau sein. Auch ich bevorzuge die Erstellung eines KVA, damit der Patient alle Umstände seiner Behandlung kennt.
    Ich bin den Patienten nicht grundsätzlich für einen Auftrag dankbar, sondern sehe ihn als eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit.
    Ich biete meine Leistung an, bei der ich mich dann maximal engagiere, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Meine Leistung besteht in Zuhören, den Bedarf erkennen und Lösungen besprechen, dann eventuell die gewählte Lösung bestmöglich umzusetzen. Ich freue mich, daß die Patienten Vertrauen haben, und bemühe mich, es zu rechtfertigen.
    Ich arbeite grundsätzlich nicht schwarz, unter anderem, da man sich dann erpreßbar macht.
    Privat oder Kasse, das ist mir grundsätzlich egal. Für bestimmte Leistungen, die nicht Kassenleistung sind, muß der Patient die Differenz zahlen.
    Wenn ich mit einem Patienten nicht unbefangen arbeiten kann, empfehle ich einen Kollegen.
    Klar, jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Einstellungen, und irgendwie findet jeder schließlich seinen Behandler.


  • @Anonymer Benutzer: zahnfreund

    Ich bin bei Zahnarztkosten rein privat abgedeckt. Also nicht mal durch eine private Versicherung. Ich gebe zu, ich bin nicht der angepasste und unterwuerfige Patient. Ich bezahle den Arzt fuer seine Leistung. Da muss er mir fuer den Auftrag dankbar sein und nicht ich, dass er mein Geld annimmt.

    Bei mir gibt es keine groessere Behandlung ohne verbindlichen Kostenvoranschlag - ausser ich bin bei einem Freund in Behandlung der Zahnarzt ist. Aber oft nicht, da ich die meiste Zeit im Ausland unterwegs bin. Ich hatte noch nie Probleme einen verbindlichen Kostenvoranschlag zu erhalten. Und die Angebotseinholung bei teuren Leistungen ist bei Privatpatienten ein voellig normaler Geschaeftsvorgang, ausser man handelt etwas unvorsichtig, um nicht zu sagen naiv. Auch lasse ich jede grossere Sache von mindestens zwei Zahnaerzten hinsichtlich Notwendigkeit und Umfang bestaetigen.

    Hinsichtlich "schwarz" bzw. ohne Rechnung - also ich kenne viele Zahnaerzte die nicht einen unerheblichen Teil ihrer Umsaetze so machen. Meine Taufpate war Zahnarzt, eine ehemalige Lebensgefaehrtin ist Zahnaerztin und ich habe da andere Erkenntnisse.

  • Bitte schreiben: ...Ihrem Ärger Luft machen

  • Stubi, so läuft das nicht.
    Das Zahnarzt-Patientenverhältnis ist etwas komplexer als ein Auftrag beim Klempner, da es die emotionale Komponente gibt. Die Materialien und der Herstellungsort können vom Patienten nicht beurteilt werden. Hier ist man auf die Erfahrung und Gewissenhaftigkeit des Zahnarztes angewiesen. Kein Zahnarzt macht gerne nur mal so zwischendurch einen Kostenvoranschlag für einen fremden Patienten, der ihn nur für einen Preispoker braucht, und nur wenige Zahnärzte würden schwarz arbeiten.
    Ob ein Mißerfolg ein versteckter Mangel ist oder andere Ursachen hat ist auch nicht immer offensichtlich.
    Kosten und deren Gründe sollten tatsächlich vorher besprochen und restlos geklärt werden!

  • Zahnaerzte sind nicht anders zu behandeln, wie andere Handwerker auch. Bei grosseren Reparaturen immer auf einen verbindlichen Kostenvoranschlag bestehen und ruhig auch Vergleichsangebote von anderen Zahnaerzten einholen. Auch sollte man sich unbedingt die verwendeten Materialen genau beschreiben lassen und den Herstellungsort, beispielsweise bei Zahnersatz. Auch kann man sie "schwarz" arbeiten lassen, um einen besseren Preis zu erhalten.

    Hinsichtlich Qualitaet ist es leider auch wie bei den anderen Handwerkern. Versteckte Maengel erkennt man oft erst sehr spaet.

  • Das im Artikel genannte Bewertungsportal heißt jameda, nicht jamada. Also: www.jameda.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%