Streitfall des Tages
Wenn PKV-Versicherte nicht zahlen

In der ersten Klasse knirscht es gewaltig. Immer mehr Privatversicherte können (oder wollen) keine Beiträge mehr zahlen. Aktueller Fehlbetrag: eine halbe Milliarde Euro. Irgendetwas sollte sich wohl ändern. Aber was?
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Der Fall
Stolz auf ihren Laden ist Ursula Wiedmer* noch immer. Auch wenn das Geschäft mit „Blumen und mehr“ deutlich besser laufen könnte. Zu Beginn des Jahres ist ihr einziger Großkunde weggebrochen. Seither kämpft die selbstständige Floristin ums Überleben. Das Geld für Miete, Pacht und ihre Ware kann sie gerade noch aufbringen. Für andere wichtige Posten fehlen aber die Mittel. Und damit auch für ihre private Krankenversicherung.

Zwar wechselte Wiedmer schon vor einiger Zeit in den brancheneinheitlichen Basistarif, um Geld zu sparen. Der kostet aber immer noch gut 600 Euro im Monat. Und das ist derzeit einfach nicht drin.

Inzwischen ist sie bei ihrer Versicherung mit drei Monatsbeiträgen im Rückstand. Die Mahnung der Assekuranz hat sie ignoriert. Ebenso das Schreiben des Versicherers, dass ihr Leistungsanspruch ruhe und Arztrechnungen nur noch in akuten Notfällen bezahlt würden. Und zwar auf unbestimmte Zeit. Denn zur vollwertigen Versicherten wird sie erst wieder, wenn sie regelmäßig die vollen Beiträge überweißt und ihre Schulden bei der Assekuranz beglichen hat.

* Name geändert

Die Rechtslage

Es ist noch gar nicht lange her, da durfte in Deutschland (dauerhaft) nur derjenige einen privaten Gesundheitsschutz sein eigen nennen, der regelmäßig Prämien entrichtete Wer der Versicherung Geld schuldig blieb, riskierte, dass die Assekuranz ihn vor die Tür setzte. Wenn, wie in den meisten Fällen, eine Rückkehr in die gesetzlichen Kassen ausgeschlossen war, standen die Betreffenden dann ohne Krankenversicherung da.

Erst Ulla Schmidt führte 2009 die Krankenversicherungspflicht für jedermann ein. Seither können Allianz und Co. klammen Künden nicht mehr ohne weiteres kündigen. Ein sorgloses Leben haben die Betroffenen aber trotzdem nicht, wie der Fall von Ursula Wiedmer belegt. Einziger Trost: Sie ist mit ihrem Schicksal nicht allein.

Die Relevanz

Die Zeiten, in denen Privatversicherte ihren Status durchweg als Privileg empfanden, sind vorbei. Viele Kunden von Allianz und Co. fühlen sich inzwischen von den Kosten überrollt. Die Beiträge der privaten Policen steigen im Schnitt doppelt so schnell wie in der gesetzlichen Versicherung. Vermeintlich günstige Einsteigertarife mit denen die Assekuranzen in den vergangenen Jahren selbst Selbstständige mit eher bescheidenen Einkommen als Kunden gewonnen haben, werden oft zur Kostenfalle.

Die Folgen: Ende 2011 waren fast zwei Prozent der rund neun Millionen Privatversicherten mit ihren Beiträgen im Rückstand. Die offenen Forderungen summieren sich inzwischen auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Ein Umstand, der nicht nur für den Gesellschaften, sondern auch den zahlenden Versicherungskunden missfällt. Sie nämlich finanzieren mit ihren Beiträgen auch die Nichtzahler mit. Und die kosten eine ganze Menge. Erstens, weil ihnen zumindest im Notfall medizinische Leistungen zustehen und zweitens, weil die Assekuranzen auch für sie Rückstellungen zur Beitragsstabilisierung bilden müssen.

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Wer für andere zahlen muss

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn PKV-Versicherte nicht zahlen"

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  • Wichtig wäre vor allem echte Konkurrenz zwischen den gesetzlichen Kassen, der Einheitsbeitrag verhindert doch den ansonsten immer und überall gewünschten Wettbewerb. Ich glaube, dann hätte sich zumindest das Problem des zu hohen Einstiegsbeitrags erledigt. Was spricht im übrigen dagegen, weniger als 2000.- im Monat selbstständig zu verdienen, wenn es für das eigene Leben reicht? Das Gefasel von Freiheit hört man immer nur, wenn es um Millionenbeträge geht. Und was spricht dagegen, die Beiträge Selbstständiger nach dem tatsächlichen Einkommen zu berechnen, ohne Mindest- und Höchstbemessungsgrenze?

  • "Die Politik soll es ermöglichen dass jeder die Wahl bekommt ob PKV oder GKV."

    PKV bedeutet Selbstzahler und das überfordert mehr Menschen, als gesetzlich versichert sind, also die meisten Selbstzahler. Nein, das kann man nicht einfach freistellen und jeder kann so, wie er persönlich Vorteile hat, in und her switchen!

    "Jeder soll dass zahlen was er sich leisten kann. Warum sollen PKV Versicherte durch Krankenkassenbeiträge in Sozialhilfe kommen."

    Was wollen Sie denn nun? PKV als Rückversicherung von Selbstzahlern oder nicht? In einem PKV System, so wie wir es haben, muss man den Beitrag bezahlen und nicht so viel, wie man möchte oder kann! Und man wird nicht wegen den Kassenbeiträgen zum Sozialfall, sondern wegen anderen Sachverhalten!

    Es wird auch keiner zum Bettler oder Sozialschmarotzer, weil man ökonmisch erfolglos war oder sein Geschäftsmodell gescheitert ist. Man erhält Grundsicherung um wieder auf die Beine zu kommen, oder Hartz IV!

    Auch Forderungen wie "Dann sollen z.bsp. die Altersrückstellungen des PKV Versicherten dem Versicherten überlassen werden, und er kann diese in die Allgemeinheit der GKV einbringen." sind hier nicht zielführend. Das ist eine Frage im Zusammenhang mit der Einführung einer Bürgerversicherung, aber eben nicht der Frage "Lösung individueller Probleme"!

    In diesem Artikel ging es um die Frage, wie im heutigen System menschen mit individuellen Problemen geholfen werden sollte. Und es gibt Lösungen und wir brauchen keinen Notfalltarif, weil der nur den Versicherern, aber nicht den Versicherten hllft!

    Was Sie anreißen ist die Frage, wieso sich jemand aus dem Grundschutz-System verabschieden darf. das ist zu beenden, aber das ist auch eine Frage, wie die nächste Wahl ausgeht und was sich die Politiker trauen!

  • @ derKVProfi
    warum müssen Leute zum Amt gehen!!!

    Die Politik soll es ermöglichen dass jeder die Wahl bekommt ob PKV oder GKV. Jeder soll dass zahlen was er sich leisten kann. Warum sollen PKV Versicherte durch Krankenkassenbeiträge in Sozialhilfe kommen. Da muss es auch Härtefallregelungen geben, und zwar durch Gesetze und keiner darf zum Bettler und Sozialschmarotzer abgestempelt werden.
    Dann sollen z.bsp. die Altersrückstellungen des PKV Versicherten dem Versicherten überlassen werden, und er kann diese in die Allgemeinheit der GKV einbringen. Man kann jeden vertrag beenden, warum soll man mit der PKV für immer verbandelt sein.
    Manche PKV Versicherte werden wie Schwerverbrecher behandelt. Ich kenne PKV Versicherte, die trauen sich nicht mehr zum Arzt.

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