Streitfall des Tages
Wenn Schnäppchen zu Preisbomben werden

Bei Werbekampagnen nehmen Anbieter immer wieder den Mund zu voll. Ansprüche auf den Top-Preis aus der Reklame haben Schnäppchenjäger zwar meist nicht. Aber sie können dem Händler empfindlich schaden.
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Der Fall


"Media Markt vs. Internet - Das große TV-Duell" - so titelte eine Werbekampagne, die vom 20. bis 30. Juni lief. Bei jedem direkt lieferbaren Konkurrenzangebot, das für einen von 92 Fernsehgeräten aus der Aktion in der Preissuchmaschine idealo zu finden wäre, würde der Media Markt das Gerät ebenfalls günstiger verkaufen.

Die Liste mit dem gefundenen Angebot für die Geräte müsse man ausdrucken und damit in den Media Markt gehen. Der Blogger Tobias Anton fand hier ein attraktives Konkurrenzangebot und eilte mit dem Ausdruck in die Berliner Media-Markt-Filiale am Alexanderplatz.

Hier war der Fernseher laut Preisschild um mehr als 2.000 Euro teurer. Die Mitarbeiter versprachen laut Anton: "Wenn es ein seriöser Händler ist, dann werden Sie den Fernseher zu diesem Preis bekommen". Um einen Irrtum auszuschließen, müsse die Zentrale jedoch zunächst eine Probebestellung veranlassen. Nach weniger als einer Stunde war das Angebot mit dem günstigen Preis von der idealo-Homepage wieder verschwunden.

Media Markt verweigerte daraufhin die Herausgabe des Geräts zu den ausgedruckten Konditionen. Die Begründung: Es sei eine unseriöse Offerte gewesen. Auf die Frage, warum für das Gerät sonst keine Vergleichsangebote zu finden seien, habe man ihm erklärt, dass es in Deutschland übers Internet "normalerweise nicht" erhältlich sein dürfe.

Der Online-Händler indes bestätigte, dass er das Modell an diesem Tag auf Lager gehabt und in geringen Stückzahlen verkauft habe. Für Anton war es allerdings zu spät - nach seiner Rückkehr war das Gerät beim Online-Händler ausverkauft. Doch warum bezieht Media Markt in eine solche Aktion Produkte ein, die gar nicht über das Internet bezogen werden dürfen?

Die Gegenseite


In die Aktion "Das große TV-Duell" seien die Top-Bestseller des Hauses einbezogen worden – also die meistverkauften Fernsehgeräte ,“ sagt Eva Simmelbauer, eine Sprecherin der Media Markt Management GmbH: „Ob einzelne Modelle davon nur im stationären Handel verfügbar waren, können wir nicht beurteilen, da es eine Entscheidung der Hersteller ist, welche Produkte über welche Wege vertrieben werden.“

Auf der Preisvergleichsportal vom Kooperationspartner idealo.de finde sich stets eine aktuelle Übersicht, wie viel das ausgewählte Gerät bei Online-Shops, die bei idealo.de gelistet sind, kostet. Kunden, die diesen Nachweis in die Filiale mitbrachten, erhielten dort das Gerät zum günstigsten Preis, der angezeigt wurde. „Unsere Märkte behielten sich eine nochmalige Überprüfung dieser Preise vor“, so die Sprecherin.

Aufgrund der extremen Preisabweichung hätten Mitarbeiter auch im vorliegenden Fall die Seriosität des Angebots prüfen wollen. In der Zwischenzeit war das TV-Gerät im Online-Shop von my-solution.de nicht mehr verfügbar und wurde daher bei idealo.de nicht mehr gelistet. „Der vorliegende Fall war offensichtlich bewusst ein Lockvogelangebot des Anbieters my-solution.de, so dass unsere Mitarbeiter davon ausgehen mussten, dass es sich um einen fiktiven Preis handelte“, sagt Simmelbauer.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn Schnäppchen zu Preisbomben werden"

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  • Es ist ja schön, wenn das Handelsblatt sich dem Problem der Werbepraktiken annimmt, aber aus der Sicht eines aufgeklärten Verbrauchers ist dies doch sehr zurückhaltend geschehen. Haben Sie Angst vor dem Verlust von Werbeanzeigen oder vor Klagen der übermächtigen Konzerne. Immerhin lässt der Artikel erkennen, dass wir machtlos gegen Abzockerpraktiken sind. Hier sind unsere Juristen gefragt, aber die scheinen kein Interesse an klaren Regelungen zu haben.
    Wie sieht die Praxis bei Aldi, Lidl, Norma und Co. aus?
    Norma hat einen angeblich sehr günstigen Dia-Scanner mit einer großen Anzeige beworben. In der Filiale war ich bei Ladeneröffnung der 2. Kunde und sicherte mir eines von zwei (!!!) Exemplaren. Der 3. Kunde ergatterte ebenfalls den Scanner und der 4. Kunde erkundigte sich bei mir, wo der Artikel zu finden sei, aber 2 Minuten nach Ladenöffnung kommt man halt zu spät. Verpasst hatte er allerdings nicht sehr viel, denn das Gerät ist weit schlechter, als in der Werbung dargestellt.
    Bei Gartenartikeln(Lidl oder Aldi?) wollte ich 5 Artikel kaufen. In der ersten Filiale war um 10 Uhr noch ein Artikel vorhanden, um 10:30 Uhr in der nächsten Stadt noch 2 Artikel. Aber warum sollten die Discounter auf Lockvogelangebote verzichten, wenn der Gewinn durch die Werbung ein vielfaches eines seltenen Bußgeldes beträgt!

    Wehuach

  • Um Preisvergleiche zu unterbinden, werden technisch völlig identische elektronische Geräte gerne unter verschiedenen Produktbezeichnungen verkauft, eine für den "Fachhandel", eine für Discounter. Das kann sogar soweit gehen, dass für einzelne Handelsketten unterschiedliche Produktbezeichnungen gewählt werden.
    Damit kann man dann gerne Tiefstpreisgarantien geben, die niemals schlagend werden können, weil es die Geräte unter genau dieser Bezeichnung nirgendwo anders zu kaufen gibt.

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