Streitfall des Tages: Wenn sich Markenware als Fälschung herausstellt

Streitfall des Tages
Wenn sich Markenware als Fälschung herausstellt

Im Internet eine Fälschung gekauft: ärgerlich und gewiss kein Einzelfall. Unter die Online-Händler mischen sich immer mehr Betrüger und Plagiatverkäufer. Was Sie tun können, wenn Sie an eine Fälschung geraten sind.
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Der Fall

Endlich. Nach langem Suchen hat Herr E. gefunden, was er gesucht hat: Ein Pullover des prestigeträchtigen Markenherstellers Abercrombie & Fitch. Da der nächste Laden in Deutschland recht weit entfernt liegt, kauft Herr E. online. Allerdings will er nicht aus den USA bestellen, da die Zollgebühren sehr hoch sind, sondern sucht sich einen deutschen Händler.

Der gefundene Onlineshop sieht auf den ersten Blick vertrauenswürdig aus, die Internet-Adresse lautet abercrombieandfitchdeutschland.de.com. Das Prinzip mit Einkaufswagen und Kasse ähnelt den meisten Onlineshops. Bezahlung ist allerdings nur per Kreditkarte möglich. Auch ein kleiner grauer Kasten (links oben) mit chinesischen Zeichen passt nicht ganz ins Bild. Doch das stört nicht weiter, denn schließlich will Herr E. den heiß begehrten Pullover unbedingt kaufen.

Die Freude über die Bestellung währt nicht lange. Als Herr E. einem Freund von dem Einkauf berichtet, erzählt ihm dieser, dass die Produkte eigentlich nur auf der eigenen Seite des Herstellers abercrombie.com verkauft werden. Nach einer Recherche im Internet stellt sich heraus: Der Freund hat Recht. Herr E. ist einem Fälscher aufgesessen.

Verbraucherschützer warnen vor gefälschten Onlineshops der Marke Abercrombie & Fitch, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Herr E. ist empört. Er hat 100 Euro für eine Fälschung gezahlt. Was soll er nun tun?

Die Relevanz

Ärgerlich, aber gewiss kein Einzelfall. Das Internet wird immer mehr zum Tatort von Betrügereien. Je mehr Menschen ihren Lebensalltag ins Internet verlagern, desto attraktiver wird das Netz für Menschen, die illegal ihren Gewinn daraus ziehen wollen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2010 zählt deutschlandweit 246.607 Fälle mit dem Tatmittel Internet.
Der Online-Handel boomt. Der Nettoumsatz des Händlers Amazon erreichte im vierten Quartal 2011 mit 17,43 Milliarden Dollar ein Plus von 35 Prozent zum Vorjahr -  Tendenz steigend. Ebays Umsatz legte ebenfalls um 35 Prozent auf 3,4 Milliarden US-Dollar zu. Der Einzelhandelsverband Deutschland rechnete mit einem Wachstum des Online-Handels von zehn Prozent allein beim Weihnachtsgeschäft 2011.

Laut des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (BVH) erlebte der Versandhandel 2011 ein Rekordjahr. Ungebrochen ist dabei der Trend zu mehr Online-Bestellungen: diese betragen bereits 64 Prozent des Branchenumsatzes. Der Anteil von Einkaufswünschen per Brief, Fax oder Telefon geht zurück. Die zunehmende Nutzung von mobilen, internetfähigen Geräten sei für diesen Trend ein weiterer Katalysator. Viele Kataloge stellen bereits auf Onlinehandel um. Mittlerweile werden neben Mode und Elektronik auch Lebensmittel online erworben. Von diesem Trend wollen Seiten wie www.abercrombieandfitchdeutschland.com.de profitieren und verkaufen massenweise billige Plagiate.

Die Gegenseite

Bei den Kontaktinformationen der Webseite www.abercrombieandfitchdeutschland.com.de findet sich nur eine E-Mail-Adresse. Kein Telefon, keine Postadresse. Für nähere Informationen gibt es auch einen “Blog”. In diesem finden sich aber nur sinnlos aneinandergereihte Sätze über Mode und Marken, zusammenhanglos und mit falscher Grammatik. Spätestens hier wird einem klar, dass es sich nicht um einen offiziellen Shop der Marke handeln kann. Doch wer klickt schon in den “Blog”, bevor er etwas kauft.

Nachdem Herr E. den Händler per E-Mail anschreibt und ihn darauf hinweist, dass es sich bei seinen Produkten um Fälschungen handeln könnte, antwortet dieser nicht. Auch eine Anfrage von Handelsblatt Online verpufft. Kein Wunder, da dies erfahrungsgemäß die Regel bei solch unseriösen Webseiten ist.

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Die Rechte des Käufers beim Plagiatkauf

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