Streitfall des Tages Wenn Spenden richtig teuer wird

Wer Geld in einer anderen Währung überweist, muss mit überhöhten Gebühren rechnen. Die hohen Kosten der Banken treffen auch Spender. Wie sich die Banken am guten Gewissen bereichern und Kunden günstig überweisen können.
2 Kommentare
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Irmgard D. ist frustriert. Sie wollte schon immer ein bedürftiges Kind in einem Entwicklungsland unterstützen, hat das aber bisher nie umgesetzt: “Man weiß ja nie, ob das Geld wirklich ankommt, oder ob sich das jemand in die Tasche steckt“, sagt sie.

Nachdem sie jetzt aus erster Hand Informationen über die britische Nicht-Regierungsorganisation Village Africa und deren Arbeitsweise bekommen hat, hat sie sich als Finanzpatin für ein Kund in Tansania gemeldet. „Dem Kleinen wird dadurch ein Schulbesuch ermöglicht, er bekommt medizinische Versorgung, Seife, alle Schulmaterialien, die er braucht - und mich kostet das im Monat nur rund 25 Euro.“

Der Haken an der Sache: Irmgard D. muss das Geld nach Großbritannien überweisen. Auf der Internetseite ihrer Bank liest sie, dass Euro-Überweisungen in der Single Euro Payments Area (Sepa), dem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, kostenlos sind, und dass Großbritannien eingeschlossen ist, auch wenn man dort in britischen Pfund und nicht in Euro bezahlt.

Sie öffnet das Überweisungsformular, um 20 britische Pfund zu überweisen, das Onlinebankingsystem meldet ihr, Überweisungen seien in der Regel kostenlos. Doch sie muss trotzdem wählen, ob sie die Gebühren tragen möchte, oder ob Sender und Empfänger sich die Kosten teilen. Um die Hilfsorganisation nicht unnötig zu belasten, will sie anfallenden Kosten übernehmen, ist sich aber ziemlich sicher, dass das nicht viel sein kann.

Das böse Erwachen kommt, als sie den Kontoausdruck sieht: Für eine Überweisung von umgerechnet 25 Euro musste sie 18,75 Euro Gebühren zahlen, also 75 Prozent mehr.

Die Rechtslage

„Ein Klassiker“, sagt Frank-Christian Pauli, Bankreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. „Wenn nicht in Euro überwiesen wird, wird es schnell sehr teuer.“. Das Problem dabei: Die Banken können oft gar nicht genau sagen, wie hoch die Kosten sein werden, weil verschiedene Stellen zwischengeschaltet sind.

Pauli sammelt derzeit Informationen von Bürgern, denen ähnliches passiert ist wie Irmgard D. Einige hat er schon. Besonders schlimm habe es eine Frau 2009 getroffen, die ungarische Forint überwiesen habe: Für 10 Euro musste sie 40 Euro Gebühren bezahlen. „Mit Kostentransparenz hat das nichts zu tun“, sagt Frank-Christian Pauli.

Und doch ist es rechtens. Denn nur wenn in Euro innerhalb der Europäischen Union überwiesen werde, dürfen dafür keine zusätzlichen Kosten anfallen, für Überweisungen in anderen Währungen können die Banken dagegen zusätzlich Geld verlangen. Übrigens tritt das Problem auch bei Schecks auf. Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management, wurde selbst Leidtragender dieses Systems. Er hat eine Erstattung in Scheckform über 25 britische Pfund bekommen - und davon blieb ihm am Ende nicht einmal die Hälfte übrig.

Banken langen zu
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

2 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn Spenden richtig teuer wird"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Spendengelder bei PayPal? Ist die Geschichte mit Wikileaks schon vergessen? Diese Firma schwingt sich gerne zum Sheriff auf und behält gerne mal Gelder vorerst ein.

    Dieses Thema wäre wirklich mal ein Thema für die EU-Kommission, anstatt uns vorzuschreiben wie wir unsere Wohnzimmer zu beleuchten (zum Nutzen der Hersteller von sog. Energiesparlampen) haben und demnächst auch dass wir alle Wassersparende Armaturen (weil in einigen Gegenden im Süden die Einsicht fehlt mit der dort knappen Ressource sparsam umzugehen) einzubauen haben wo schon heute die Leitungen gespült werden weil das Wasser zu lange darin steht.
    (Ebay und deren Tochter Paypal wäre auch durchaus mal eine Überprüfung wert, hier wird der Zugang für andere Anbieter systematisch erschwert.)

  • Schade, dass viele Organisationen nicht auf dem neusten Stand sind.
    Es gibt NGOs, die mit z. B. Paypal ein Abkommen haben, dass diese Organisationen für erhaltenes Geld keine Gebühren zahlen, und die Kosten beim Fremdwährungs-Sender halten sich bei so kleinen Beträgen im Rahmen.
    Natürlich will nicht jeder mit Paypal arbeiten - aber Abkommen kann man mit allen Bezahldiensten schließen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%