Streitfall des Tages
Wenn Versicherer trotz Kündigung abkassieren

Einige Versicherer mahnen trotz Kündigung Ansprüche an, obwohl die längst verjährt sind. Wer ablehnt wird mit einem Rechtsstreit bedroht. Welche Kunden noch offene Rechnungen haben und wie sich Betroffene wehren können.
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Der Fall


Es war kurz vor Beginn einer dreijährigen Börsen-Baisse, als eine Kundin 2001 bei der Bayern-Versicherung eine fondsgebundene Lebensversicherung abschloss. 2004 kündigte sie nach Verlusten entnervt ihre Police. Der Versicherer bestätigte die Kündigung und zahlte ihr den Rückkaufswert aus. 3.980,08 Euro wurden überwiesen.

Einen Monat später teilte der Versicherer der Frau mit, dass ihr irrtümlich 1.067 Euro zu viel überwiesen wurde. Die Kundin weigerte sich jedoch, den Betrag ohne Nachweis über die Forderung zu zahlen. Jahrelang passierte nichts. Im Februar 2010 flatterte ihr plötzlich ein Mahnbescheid ins Haus.

Die Forderung bezifferte ihr ehemaliger Versicherer inzwischen auf insgesamt 1.487,67 Euro. Der Versicherer verlangte zudem, sie solle ihren Widerspruch zurücknehmen. Andernfalls drohe eine Klage. Die Verbraucherin war Mitglied beim Bund der Versicherten (BdV).

Hier stellten Experten fest: Eventuelle Ansprüche sind seit dem 1. Januar 2010 verjährt. „Wir haben geraten, der Forderung nicht nachzukommen“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstand beim BdV. Und nachdem die Organisation die Frau unterstützte, gab der Versicherer nach. Der Vorstand des Versicherers bestätigte, dass er keine Klage erheben würde und das Verfahren erledigt sei.

Die Gegenseite

Die Bayern-Versicherung Lebenversicherungs AG bestätigt, dass die  Versicherungsnehmerin ihre fondsgebundene Police  mit Wirkung zum 1. Juli 2004 gekündigt hat. Sie habe daraufhin einen Rückkaufswert in Höhe von 3.980,08 Euro erhalten. „Leider wurde dieser Rückkaufswert damals nicht korrekt berechnet. Der Bayern-Versicherung ist ein Abrechnungsfehler unterlaufen,“ schreibt Thomas Bundschuh, Leiter der Pressestelle des Versicherers.

Darüber sei die  Kundin informiert worden. Ihr wurde am  6. September 2004 mitgeteilt, dass eine Forderung von 1.071,60 Euro offen ist. Dieser Forderung sei  die Kundin allerdings weder nach diesem ersten Schreiben noch in weiteren (z.B. Schreiben vom 27.09.2004 und 07.12.2004) nachgekommen.

„Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass unsere Rückforderung zunächst zu Recht bestand, die Kundin dieser Forderung aber selbst nach wiederholter Erinnerung und Mahnung nicht nachkam,“ so der Sprecher.  Man habe der Kundin sogar angeboten, die Rückzahlung in monatlichen Raten von 50 Euro abzuleisten. Inzwischen sei  die Forderung tatsächlich verjährt. Man habe dies der Kundin bereits schriftlich mitgeteilt und sich entschuldigt.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wenn Versicherer trotz Kündigung abkassieren"

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  • Hinweis zu Ihren "Möglichkeiten der Altervorsorge"
    Sie sollten dringend erwähnen, daß bei der Altervorsorge "Direktversicherung" und Pensionskasse bei der späteren Auszahlung ...
    1. Lohnsteuer einbehalten wird
    2. Sozialversicherungsbeiträge mit 15 % einbehalten werden
    Bei dieser staatlichen Abzocke schwindet die Lust zur Altersvorsorge auf privater Ebene...!!!
    W. Müller-Koppelberg

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