Streitfall des Tages
Wenn Vorerben das Vermächtnis verplempern

Viele Erben müssen sich gedulden. Häufig geht das Vermögen zuerst an einen Vorerben, der das Erbe später an einen Nacherben weitergibt. In vielen Fällen verprassen die Vorerben das Vermächtnis. Was Erben zusteht.
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Der Fall

Manchmal reiben sich Erben beim Blick auf das Vermächtnis kräftig die Augen. Vor allem dann, wenn sich als Nacherben eingesetzt wurden. Laut Gesetz kann der Erblasser sein Vermögen zunächst an einen Vorerben übertragen, etwa bis zum Tod des Vorerben oder zur Heirat des Nacherben. Problematisch wird es immer dann, wenn der Vorerbe das Vermögen verschleudert.

So ist es jüngst geschehen, wie ein Urteil des Landgerichts Coburg zeigt. So verkauften Vorerben den üppigen Grundbesitz einer Erblasserin gegen ein Tauschgrundstück und 185.000 Euro.

Den Nacherben gefiel das gar nicht. Sie bemängelten, dass die Ländereien der Familie weit unter Wert weggegeben und somit fast verschenkt worden. Und dies hätte die Vorerben auch gewusst. Deswegen sei der ganze Deal unwirksam.

Sie, die Nacherben seien letztlich die einzigen und rechtmäßigen Eigentümer der Grundstücke. Zwar hätten die Vorerben die umstrittenen Grundstücke schon verkaufen können; aber nur für einen entsprechend hohen Preis.

Die Relevanz

Erben haben Hochkonjunktur. Bis 2020 wird viel mehr vermacht als in den letzten zehn Jahren. Die Masse, die da weitergereicht wird, ist etwa um ein Fünftel größer als zwischen 2001 und 2010. Es soll hier immerhin um die einkommensstärkste und vermögendste Erbengeneration gehen, die Deutschland je gesehen hat.

Das fand das Deutschen Institut für Altersvorsorge in einer Studie heraus. Demnach sollen bis 2020 satte 2,6 Billionen Euro den Besitzer wechseln werden. Im Durchschnitt werden 300.000 Euro vererbt. Tja, da können Vorerben vorzüglich abkassieren.

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Welche Rechte Erben haben

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Was geprellte Erben tun können

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