Streitfall des Tages
Wie Anleger bei Emittenten-Pleite an ihr Geld kommen

Wer im Sommer 2008 Zertifikate der Pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers gekauft hat, muss sich sputen. In wenigen Wochen endet die Verjährungsfrist. Wie Kunden noch an ihr Geld kommen.
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Der Fall

Ein Arzt aus dem Badischen suchte eine Geldanlage mit wenig Risiko. Im telefonischen Beratungsgespräch empfahl ihm ein Berater der Dresdner Bank im Februar 2007 den Kauf des Zertifikats Global Champions Basket der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Telefonisch orderte der Anleger Papiere im Wert von 100.000 Euro. Nach der Pleite der US-Investmentbank im September 2008 waren die Zertifikate wertlos. Besorgt fragte der Arzt bei seiner Bank nach. Diese wiegelte ab.

Er schaltete erst Jahre später einen Rechtsanwalt ein. Obwohl die Verjährungsfrist von drei Jahren abgelaufen ist, stehen die Chancen für ihn gut, das Geld zurückzubekommen. Denn beim Verkauf über das Telefon hätte ihn der Verkäufer über das Widerrufsrecht informieren müssen.

In diesem Fall war das nachweislich nicht passiert. "Damit besteht die realistische Chance, das Geschäft rückwirkend abzuwickeln", sagt Rechtsanwalt Dr. Ralf Stoll aus Lahr. Denn so begann die Verjährungsfrist nie zu laufen.

Die Relevanz

Viele Anleger haben Zertifikate der einstigen US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft. Auch wegen der hohen Provisionen, die Berater für den Verkauf erhielten, standen die Papiere oft ganz oben auf den Empfehlungslisten. Manche Banker empfahlen selbst Rentnern ohne Kapitalmarkterfahrung diese Titel.

Dabei verbergen sich hinter Zertifikaten in der Regel komplexe derivative Strukturen. Zudem ist ein Zertifikat eine Inhaberschuldverschreibung. Es handelt sich also um eine Anleihe. Geht der Emittent Pleite, ist das Geld mit großer Sicherheit verloren. Über das Totalverlustrisiko haben viele Berater ihre Kunden nicht aufgeklärt. Zahlreiche Prozesse laufen gegen die Banken, die Zertifikate von Lehman Brothers verkauft haben.

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