Streitfall des Tages

Wie Apotheker Kunden und Kassen austricksen

Manchmal rechnen Apotheker Medikamente ab, die sie gar nicht verkaufen. Kunden erhalten Tabletten, die ihnen gar nicht verschrieben wurden. Wie Apotheker tricksen und wann Patienten misstrauisch werden sollten.
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Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Der Trick kam völlig überraschend. Der Patient D nahm das Rezept von seinem Arzt und ging damit in die nächste Apotheke. Er wollte einfach nur das Medikament, das der Arzt ihm empfohlen hatte.

Doch es kam anders: Er bekam nicht die aufgeschriebene Tablette, sondern nur eine ähnliche. Denn manche Medikamente werden von mehreren Herstellern angeboten. Und wenn da der Apotheker mal eine andere nimmt, fällt das in der Regel nicht auf. Und Apotheker gelten den meisten Patienten als Vertrauensperson.

Doch dem geprellten Patienten fiel der Trick auf. Er sollte laut Arzt seine Tablette teilen. Nun waren es aber Kapseln in der Schachtel. Und die lassen sich nun mal nicht teilen.

Die Gegenseite

Ralf Oberbauer ist Apotheker in Kempten. Ihn wundert es gar nicht, wenn Patienten statt der erhofften Tabletten plötzlich Kapseln in der Schachtel finden. Im Gegenteil, das sei normal. „Das liegt einfach an den Rabattverträgen. Wir Apotheker können da nicht viel machen. Wir müssen oft das Produkt eines anderen Herstellers verkaufen“.

Rabattverträge schließen Krankenkassen mit Pharmafirmen. „Und wir sind nur ausführende Organe“, so Oberbauer. Das Problem: „Tauschen wir die Mittel nicht aus, dann besteht für uns die Gefahr, dass uns Krankenkassen in Regress nehmen.“

Es gibt mit diesem Rabatt auch andere Schwierigkeiten. So sind bestimmte Arzneimittel, für die Kassen einen Rabatt mit den Herstellern aushandelten, gar nicht lieferbar. Eigentlich muss der Apotheker sie verkaufen, weil der Rabattvertrag es so vorsieht. Doch faktisch kann er es nicht, weil er die Pille gar nicht in seinem Regal hat.

Entsprechend wird der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes Fritz Becker zitiert, es sei grotesk, „wenn die Krankenkassen Verträge mit Herstellern abschließen, die nicht eine einzige Packung liefern können - und am Ende die Apotheken für die Folgen verantwortlich gemacht werden“.

Die Tricks der Apotheker
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11 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wie Apotheker Kunden und Kassen austricksen"

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  • und wer die Abläufe in Apotheken kennt, weiß auch wie die "Betrugsfälle" zustande kommen.....
    Als ob die Apotheke IRGEND einen Vorteil hätte ein bestimmtes Generikum abzugeben

  • Da haben die Krankenkassen Verträge mit einer Firma abgeschlossen, die das Produkt noch garnicht liefern konnten. Erst nach einem guten Viertjahr war die Firma lieferfähig!!
    Sollten die Patienten etwa fast 4 (vier) Monate ohne ihre notwendigen Herzmedikamente bleiben. Jeder halbwegs intelligente Mensch wird das für unmöglich halten - nur die Krankenkassen nicht!! Unfassbar!

  • Denkste - wir haben sie ein Dreiecksverhältnis. Der Apotheker handelt im Auftrag der Krankenkasse unter Berücksichtigung der sozialrechtlichen Vorgaben. Dazu gehört das er die Rezeptgebühr eintreibt.natürlich ist es ein Risiko, wenn er sie einem Kunden stundet der zurzeit kein Geld 'mit'hat

  • Was hat dieser Artikel in der Rubrik Streitfall zu suchen?

    Man kann den Apothekern doch nicht Trickserei vorwerfen, wenn sie nur ihnen sozial-gesetzlich auferlegten Pflichten nachkommen! Die Einsparungen aus den Rabattverträge wurden lange nicht veröffentlicht. Als die AOK endlich mit den Zahlen herausrückte, waren die Einsparungen unter einer Milliarde, also in der gleichen Größenordnungen wie die Kosten, die man den Apothekern für die Mehrarbeit zubilligen musste. (Unter der FDP wurden den Pharmafirmen die Abgabe von bis zu 25% Zwangsrabatt auf den Verkaufspreis ihrer Produkte verordnet. Die Apotheker müssen auf ihre Vergütung für die Abgabe und Beratung der Patienten einen Rabatt zahlen, der allerdings in der Rabattverträge niedriger angesetzt werden musste. Für die Verträglichkeit eines Arzneimittels ist aber nicht nur der Wirkstoff, sondern auch die Hilfsstoffe und die Galenik von Bedeutung. Die Austauschverpflichtung hat ein großes Potenzial zur Verschlechterung der gesundheitlichen Versorgung der Patienten. Da die verschiedenen Krankenkassen Verträge mit verschiedenen Firmen abschließenden führt das praktisch dazu, dass die Kunden kleinerer Kassen die für sie erlaubten Arzneimitteln nicht mehr sofort bekommen können. Den Patienten bleibt nur übrig mit ihrem Arzt zu reden. Er kann das Aut-item Kreuz setzen und dann muss das aufgeschriebene Arzneimittel auch abgegeben werden. Auch der Apotheker kann die Abgabe eines Rabattarzneimittels verweigern, wenn er aus pharmazeutischen Gründen Bedenken sieht. Das muss aber auch aufwändig begründeten werden und er bekommt dafür natürlich keinerlei Erstattung. Vor einigen Tagen sah ich einen Artikel in der Apothekerzeitung, der auf zwei Seiten beschrieb was alles bei der Abgabe auf Rezept zu beachten ist - unglaublich.
    Bei diesen Gesetzen bin ich froh, dass ich kein Apotheker bin!
    Diese Gesetze haben weder mit Sparen, noch mit guter Politik oder Gesundheitsvorsorge zu tun, sie scheinen einfach nur töricht zu sein

  • Was hat dieser Artikel in der Rubrik Streitfall zu suchen?

    Man kann den Apothekern doch nicht Trickserei vorwerfen, wenn sie nur ihnen sozial-gesetzlich auferlegten Pflichten nachkommen! Die Einsparungen aus den Rabattverträge wurden lange nicht veröffentlicht. Als die AOK endlich mit den Zahlen herausrückte, waren die Einsparungen unter einer Milliarde, also in der gleichen Größenordnungen wie die Kosten, die man den Apothekern für die Mehrarbeit zubilligen musste. (Unter der FDP wurden den Pharmafirmen die Abgabe von bis zu 25% Zwangsrabatt auf den Verkaufspreis ihrer Produkte verordnet. Die Apotheker müssen auf ihre Vergütung für die Abgabe und Beratung der Patienten einen Rabatt zahlen, der allerdings in der Rabattverträge niedriger angesetzt werden musste. Für die Verträglichkeit eines Arzneimittels ist aber nicht nur der Wirkstoff, sondern auch die Hilfsstoffe und die Galenik von Bedeutung. Die Austauschverpflichtung hat ein großes Potenzial zur Verschlechterung der gesundheitlichen Versorgung der Patienten. Da die verschiedenen Krankenkassen Verträge mit verschiedenen Firmen abschließenden führt das praktisch dazu, dass die Kunden kleinerer Kassen die für sie erlaubten Arzneimitteln nicht mehr sofort bekommen können. Den Patienten bleibt nur übrig mit ihrem Arzt zu reden. Er kann das Aut-item Kreuz setzen und dann muss das aufgeschriebene Arzneimittel auch abgegeben werden. Auch der Apotheker kann die Abgabe eines Rabattarzneimittels verweigern, wenn er aus pharmazeutischen Gründen Bedenken sieht. Das muss aber auch aufwändig begründeten werden und er bekommt dafür natürlich keinerlei Erstattung. Vor einigen Tagen sah ich einen Artikel in der Apothekerzeitung, der auf zwei Seiten beschrieb was alles bei der Abgabe auf Rezept zu beachten ist - unglaublich.
    Bei diesen Gesetzen bin ich froh, dass ich kein Apotheker bin!
    Diese Gesetze haben weder mit Sparen, noch mit guter Politik oder Gesundheitsvorsorge zu tun, sie scheinen einfach nur töricht zu sein

  • Nicht der Apotheker hat den Vertrag mit der Kasse, sondern die Kasse mit dem Pharmahersteller.Wenn sie wüssten, was in den Apotheken für Eiertänze wegen dieser Rabattverträge stattfinden, dann würden sie sicher nicht so überheblich daher schwafeln.

  • @Schlemihl
    Gesetzlich ist da gar nichts. Der Apotheker mag einen Vertag mit der Kasse haben. Aber im Moment des Medikamentenkaufs schließt er einen Vertrag ab mit dem Kunden, und den muß er erfüllen. Oder verweigern.

  • @norbert
    Rezept ist Rezept. Basta!

  • Einmal andersrum gefragt: Wann fängt eigentlich Betrug an?

  • GLÜCKWUNSCH! Der Sachverhalt der Rabattverträge ist sachlich richtig dargestellt.(nicht selbstverständlich!)
    Warum dann aber dieser hetzerische Titel des Beitrags?
    Wo ist die Trickserei, wenn der Apotheker die (gesetzlich festgeschriebenen) Vorgaben der Krankenkassen erfüllt?

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