Streitfall des Tages
Wie Lebensversicherte Häuslebauer subventionieren

Lebensversicherer bieten lang laufende Immobilienkredite zu sehr günstigen Zinsen an. Die Darlehen werden aus den Beiträgen von Lebensversicherten finanziert. Entgehen den Kunden Erträge, wenn die Zinsen wieder steigen?
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Der Fall

Kapitalgedeckte Lebens- und Rentenversicherungen gelten in Zeiten der Unsicherheit am Kapitalmarkt als sichere Altersvorsorge. Doch die seit Jahren sinkenden Ablaufleistungen beunruhigen immer mehr Anleger. Die machen im Internet ihrem Ärger Luft. Bei einem Kunden sanken die Überschussprognosen bei einer Versicherungssumme von rund 22.000 Euro um 14.000 Euro. Im Internetforum finanzfrage.net stellte der Versicherte die verzweifelte Frage: „Ich weiß, dass Überschussanteile nicht garantiert sind, aber ist denn so ein Unterschied gerechtfertigt?“

Sinkende Ablaufleistungen verwundern Branchenkenner kaum, da das Zinsniveau wie im vergangenen Jahrzehnt sinkt. Schließlich bekommen Anleger für andere vergleichbare Anlagen auch keine höhere Rendite.

Was aber, wenn die Lebensversicherer ihre Kundengelder zu niedrigen Zinsen angelegt haben, dann aber Inflation und Zinsen steigen? Denn bei Hypothekenkrediten fallen Lebensversicherer durch sehr günstige Zinsangebote für lange Laufzeiten auf. So bietet beispielsweise die Allianz Lebensversicherung einen Kreditbetrag von 100.000 Euro bei einer 80prozentigen Finanzierung zu einem Festzins von effektiv nur 3, 55 Prozent zwei Prozent anfängliche Tilgung an. Und dies über eine Laufzeit von 20 Jahren.

Experten kritisieren, dass die Versicherungskunden in solchen Fällen nicht von steigenden Zinsen profitieren könnten. Garantiert ist für das Deckungskapital der Versicherten bei neu abgeschlossenen Policen aktuell nur ein Rechnungszins von 1,75 Prozent. Die Erträge der nach dem Jahr 2004 abgeschlossenen Lebensversicherungen unterliegen zudem noch der Einkommenssteuerpflicht.

Die Streitfrage: Wenn die Zinsen steigen, bekommen die Versicherungsnehmer dann weiterhin nur Magerzinsen?

Die Relevanz


In Deutschland gibt es mehr als 90 Millionen Lebensversicherungsverträge, darunter Kapitalleben-, private Renten- und Risikolebenpolicen. Im Durchschnitt besitzt also jeder der knapp 82 Millionen Bundesbürger 1,1 Lebensversicherungsverträge. Zum vertraglich bestimmten Auszahlzeitpunkt werden als Ablaufleistung die garantierte Versicherungssumme plus nicht garantierte Überschüsse ausgezahlt.

Die kapitalgedeckten Lebens- und privaten Rentenversicherungen investieren überwiegend in Rentenpapiere, die vom allgemeinen Zinsniveau abhängig sind. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die Zinsen einen neuen Tiefpunkt erreicht: Mit einer stark expansiven Geldpolitik hält die Europäischen Zentralbank das Zinsniveau im Euro-Raum niedrig, damit hochverschuldete EU Staaten wie Griechenland, Portugal, Italien und Spanien noch ihre Anleihen bedienen können. Mit den sinkenden Zinsen der vergangenen Jahre sanken seit 2001 nahezu stetig die Überschüsse.

„Unberechenbare Zukunft“ betitelt Map-Report-Herausgeber Manfred Poweleit seine Untersuchung „Lebensversicherung: Beispielrechnungen im Langfristvergleich 2011-2012“. Danach ergibt sich für eine in diesem Jahr abgeschlossene, gemischte kapitalbildende Lebenspolice mit zwölf Jahre Laufzeit im Marktschnitt gerade noch eine hochgerechnete Ablaufrendite von 2,78 Prozent.

Das ist doch ein ganzes Stück weit entfernt von in diesem Jahr ablaufenden Verträgen, für die Poweleit einen Marktdurchschnitt von 3,12 Prozent errechnet hat. Noch deutlicher fällt die Differenz bei den Langläufern über 30 Jahre aus, in denen die Beispielrechnungen im Marktschnitt nur noch bei 3,52 Prozent liegen, während es für 2012 ablaufende Policen 5,01 Prozent waren.

Auf Dauer führt nach Ansicht der meisten Volkswirte eine stark expansive Geldpolitik zu einem Anstieg der Preise oder zu Blasen auf den Kapital- oder Immobilienmärkten und damit auch zu höheren Zinsen. Interessant ist dabei, welche Zinserwartung die Lebensversicherer für die nächsten Monate selbst haben.

Das Wirtschaftsinstitut ZEW in Mannheim befragt monatlich 21 Kreditinstitute bezüglich ihrer Zinsprognose für die nächsten drei und sechs Monaten. Dabei prognostizieren die Volkswirte der Allianz unter den befragten Instituten bis Ende September den höchsten Anstieg der langfristigen Zinsen (2,5 Prozent).

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Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wie Lebensversicherte Häuslebauer subventionieren"

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  • Man nehme Sicherheit, Garantie und Etabliertes und tausche es gegen Intransparenz, Altbackenheit und Unrentabilität. Der Deutschen liebste Altersvorsorge. Das im Detail nachzulesen auf finanzdiskurs.de
    http://www.finanzdiskurs.de/ganz-sicher-vorgesorgt/

  • Kapitallebensversicherungen haben genau den "Ruf" den sie verdienen: teuer, unflexibel, intransparent und renditeschwach. Was gibt es da zu deuteln?

  • Doch: Expertin für Dummes Geschätz.

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