Streitfall des Tages: Wie man den Mieter loswird

Streitfall des Tages
Wie man den Mieter loswird

Eine eigene Wohnung ist eine schöne Sache – vorausgesetzt, man darf sie auch nutzen. Das jedoch ist leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn die Immobilie bereits bewohnt ist. Wann Eigentümer Mietern kündigen dürfen.
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Der Fall

Drei Jahre. So lange hatte Architekt Stefan Esthenbaur nach einer passenden Immobilie gesucht. Nun war er endlich fündig geworden. Der Bungalow im Münchner Edel-Vorort Pullach entsprach seinen Bedürfnissen voll und ganz. Der schlichte Bau aus den fünfziger Jahren eignete sich perfekt für eine kreative Umgestaltung. Auch der Preis der Immobilie lag im Rahmen des Machbaren. Schnell war sich Esthenbaur mit dem alten Eigentümer einig und kaufte das Objekt.

Den Ausbau des in die Jahre gekommenen Gebäudes – der Hausherr träumte von lichten Glaskuben und einem Büro mit Loftcharakter - musste er jedoch erst einmal zurückstellen. Denn der Bungalow war vermietet und dessen bisherige Bewohner alles andere als erfreut, als der neue Eigentümer ihnen die Kündigung präsentierte. Sie konsultierten einen Anwalt, klagten sogar, um den Rauswurf zu verhindern. Esthenbaur war fassungslos. Den Start in sein Leben als Eigentümer hatte er sich anders vorgestellt.

Die Gegenseite

Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes in Berlin kann das Verhalten der ursprünglichen Mieter gut verstehen. „Viele Menschen empfinden es als Angriff auf ihre Existenz, wenn ihr Mietvertrag gekündigt wird“, so die Erfahrung des Juristen. „Die Wohnung, in der sie möglicherweise viele Jahre gelebt haben, ist ihr Zuhause. Das aufzugeben, fällt schwer.“

Zudem sei es oft gerade in Ballungsräumen wie München fast unmöglich, innerhalb der Kündigungsfrist wieder eine vergleichbare Wohnung zu ähnlichen Konditionen zu finden. „Neumieter zahlen hier oft 15 bis 20 Prozent mehr als Bestandsmieter“, so Ropertz.

Ein erzwungener Wohnungswechsel bringe daher nicht selten auch handfeste finanzielle Probleme mit sich. Es sei daher nachvollziehbar, wenn die Betroffenen sich wehrten – erst Recht, wenn der Verdacht bestehe, dass die Eigenbedarfskündigung nur vorgeschoben sei.

Die Relevanz

„Eigenbedarf ist der häufigste Grund für eine Kündigung durch den Eigentümer“, sagt Mieter-Vertreter Ropertz. Vor allem wer seine Bleibe von einer Privatperson oder einer Erbengemeinschaft genietet hat (und diese Gruppe stellt immerhin zwei Drittel der deutschen Mieter), müsse damit rechnen, früher oder später sein Wohnecht zu verlieren – sei es, weil die Eigentümer ihre Immobilie tatsächlich selbst nutzen wollten, sei es, weil sie Versuchung erlägen, die Wohnung nach dem Auszug der alten Mieter anderweitig und für mehr Geld vermieten.

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