Streitfall des Tages
Wie Rechtschutz-Versicherer Kunden austricksen

Versicherer versprechen mit ihren Policen Schutz vor den hohen Kosten beim Rechtsstreit. Dabei sind intransparente Klauseln von Rechtschutzverträgen selbst Gegenstand von Prozessen. Was Versicherte besser wissen sollten.
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Der Fall

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat im Juni 2010 Rechtsschutzversicherer wegen der Verwendung einer intransparenten Vertragsklausel abgemahnt. Versicherer, die uneinsichtig waren, wurden verklagt. In dem betreffenden § 17 ARB heißt es so oder ähnlich: Der Versicherungsnehmer habe „alles zu vermeiden, was eine unnötige Erhöhung der Kosten oder eine Erschwerung ihrer Erstattung durch die Gegenseite verursachen könnte.“

Die Verbraucherzentrale beanstandet daran, dass dies für Versicherungsnehmer intransparent und benachteiligend sei. „Verstößt der Kunde gegen diese Klausel, riskiert er – je nach Verschuldensgrad – den Versicherungsschutz ganz oder teilweise zu verlieren“, erläutert Edda Castelló, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg.

In erster Instanz gewann die Verbraucherzentrale Hamburg mit einer Ausnahme alle Klagen. In bisher sechs Fällen unterlagen die in Berufung gegangenen Rechtsschutzversicherer.

Die Relevanz

In Deutschland bestanden im vergangenen Jahr zwischen den 47 Rechtschutzversicherer und ihren Kunden 20,29 Millionen Rechtsschutzverträge. 2010 zahlten die Kunden für ihren Versicherungsschutz insgesamt 3,247 Milliarden Euro an Beiträge, für Schadensfälle wurden aber nur 2,335 Milliarden Euro geleistet. Daraus – aus dem Verhältnis Leistungen zu Prämien – ergibt sich eine Schadensquote von 71,9.

Die Rechtsschutzversicherung ist damit eine der lukrativsten Versicherungssparten für die Versicherungsbranche. Verbraucherschützer halten dagegen die Rechtsschutzversicherung oft für überflüssig oder messen ihr im Verhältnis zu deutlich wichtigeren Versicherungen wie der Haftpflichtversicherung oder der Berufsunfähigkeitsversicherung eine geringe Bedeutung bei.

Trotzdem haben deutsche Haushalte nach einer Umfrage des GDV 41,6 Prozent einen Rechtsschutz – nur 23,7 Prozent haben aber eine Versicherung gegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit.

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  • Zitat aus dem Artikel: "Mit den eingesparten Rechtsschutzbeiträgen (pro Jahr etwa 200 bis 400 Euro) kann man sich auch bereits einigen Rat eines Rechtsanwaltes leisten."
    War derjenige, der den Artikel geschrieben hat, eigentlich schonmal beim Anwalt??? Vielleicht machen Sie sich zuerst mal mit der Gebührenordnung der Anwälte vertraut, bevor Sie so einen Unsinn schreiben. Der Jahresbeitrag einer Rechtsschutzversicherung reicht für maximal 2 Stunden Arbeitszeit eines Anwaltes. Schon eine Erstberatung ist sehr teuer. Und wenn Gerichtskosten dazu kommen, ufern die Kosten völlig aus. Also bitte nicht solche unzutreffenden Tips. Es geht hier einfach nur um eine Risikoabwägung: Will ich das Risiko tragen, viel Geld für eine anwaltliche Vertretung investieren zu müssen oder nicht? Es ist einfach eine Wette gegen die Versicherungsgesellschaft, wie übrigens bei jeder anderen Versicherung auch.

  • Als Standard Life und MLP Kunde kann ich aus der Erfahrung nur raten, erst die Rechtsschutzversicherung und dann die BU-Versicherung abzuschließen; sonst kann man sich das Geld für letztere gleich sparen. Und das ist ne Menge was man sparen könnte!

  • Alles schön und wer hilft mir wenn ich kleiner Muggel gegen meine Privathaftpflicht- oder BU Versicherung klagen muß???Muggel gegen Glaspalast oder lieber Glaspalast gegen Glaspalast!?!?!

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