Streitfall des Tages
Wie Sie sich gegen Auskunfteien wehren

Auskunfteien erstellen Prognosen, wie wahrscheinlich es ist, dass einzelne Kunden ihre Rechnungen bezahlen. Doch diese Einschätzungen stimmen oft nicht. Was Betroffene tun können, die nicht mehr als zahlungsfähig gelten.
  • 6


Der Fall


Kleider per Katalog hat sie schon oft bestellt. Immer ohne Schwierigkeiten. Doch von dem neuen Versandhaus erhält die 45-Jährige statt des erwarteten Pakets ein Schreiben, das ihr mitteilt, dass sie nicht auf Rechnung bestellen kann, sondern nur per Vorkasse. Der Grund: „Ihr Credit-Score ist leider nicht ausreichend.“

Dieser Credit-Score, so lässt das Versandhaus weiter wissen, wird von der Firma Infoscore Consumer Data GmbH, Baden-Baden, ermittelt. Die Kundin, die sich selbst in die Rubrik „zahlungskräftig“ einordnen würde, ist verblüfft. Sie findet heraus, dass es sich um eine Konsumenten-Auskunftei handelt und holt eine Selbstauskunft zu ihren dort gespeicherten Daten ein.

Das Ergebnis: Die Bonitätsauskunft, die klärt, ob ein Konsument Schulden hat oder bereits Inkassoverfahren gegen ihn angestrengt wurden, beinhaltet keinerlei negative Einträge. Dass passt. Doch das Scoring, also der Prognose, ob die 45-Jährige auch in Zukunft ihre Rechnungen bezahlen kann, fällt anders aus: Während die Schufa die 45-Jährige mit einem Wert von 98,44 Prozent als Kundin mit „sehr geringem Risiko“ einstuft, schneidet sie bei Arvato Infoscore in Baden-Baden viel schlechter ab:

Mit 440 von 700 erreichbaren Punkten liegt ihre „Erfüllungswahrscheinlichkeit“ unter dem Durchschnitt. Ein Witz: Die erfolgreiche Selbstständige müsste als zahlungskräftiger Single eigentlich zur begehrten Zielgruppe von Versandhäusern gehören. Doch stattdessen fürchtet sie jetzt, dass sie aufgrund dieses Scorings in Zukunft bei Online-Bestellungen öfter Schwierigkeiten bekommen wird. Und vielleicht auch bei Bankkrediten oder Handyverträgen.

Die Gegenseite


Gerade kleinere Versandhändler und Onlineshop-Betreiber sind täglich dem Risiko von Zahlungsausfällen ausgesetzt. Wie die Schufa mitteilt, ist gerade der Kauf auf Rechnung für Unternehmen riskant, weil er mit höheren Zahlungsausfallquoten verbunden ist. Laut dem E-Payment-Barometer von ibi research an der Uni Regensburg beklagen 31 Prozent der Händler beim Kauf auf Rechnung einen Zahlungsausfall von mehr als drei Prozent. Bei Kreditkarten-Zahlung verzeichnen nur sechs Prozent der Händler nennenswerte Ausfälle.

Das kann Unternehmen in finanzielle Schieflage bringen, warnt die Schufa – „gerade bei kleineren Unternehmen wirkt sich dies schnell zur Existenzbedrohung aus“. Insofern versuchen Unternehmen, schwarze Schafe unter neuen Kunden schon im Vorfeld auszusortieren. Wirtschaftsauskunfteien wollen Online-Händlern mit dem Scoring eine Möglichkeit bieten, ihr Risiko zu begrenzen. Arvato macht darauf aufmerksam, dass falsche Scores nach schriftlicher Stellungnahme neutralisiert werden können.

Seite 1:

Wie Sie sich gegen Auskunfteien wehren

Seite 2:

Was Auskunfteien alles dürfen

Seite 3:

Was Kunden tun sollten

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wie Sie sich gegen Auskunfteien wehren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich habe heute mal bei der Consumer Data GmbH in Baden-Baden angerufen und hinterfragt, was da denn alles so verwendet wird für dieses Scoring! Es werden lediglich negative Einträge verwendet aber positives Zahlungsverhalten wird überhaupt nicht berücksichtigt!!! Ich finde das eine Frechheit, Menschen in irgendwelche Schubladen zu schieben! Selbst wenn man einen negativen Eintrag hat z.B. abgeschlossene Privatinsolvenz mit erteilter Restschuldbefreiung, kann man daraus auch lernen und zukünftig noch mehr darauf achten das man nicht nochmal in so eine Situation kommt. Aber wenn die positiven Sachen sowieso nicht zählen...!!! Echt traurig ist das!!!

  • Hier sind die Firmen selber gefragt.
    Diese sollten sich ganz klar von solchen Auskunfteien distanzieren. Wenn sich niemand mehr an diese Gauner wendet, stimmt auch der Umsatz plötzlich wieder.
    Ich persönlich zahle Grundsätzlich nur Bar und nehme die Ware gleich mit *Punkt*
    Bessere Verhandlungsmöglichkeit und dadurch günstigere Angebote, außerdem hat man bei Garantiefällen immer einen Ansprechpartner vor Ort !
    Und wer mir keinen Handy, Telefon oder was auch immer Vertrag geben möchte, der hat dann wohl schon genug Kunden.
    Lasst Euch da draußen nicht so einen Schwachsinn überdrücken, ihr habt das Geld und die wollen es. Wer auch immer mit solchen Gauner Machenschaften arbeitet, der muß sich nicht wundern am Ende gefressen zu werden !

  • Eine Auskunftei zu bemühen und auch ein paar ehrliche Kunden zu verlieren ist für den Händler immer noch billiger als an irgendwelche Gauner zu liefern und hinterher seinem Geld hinterher zu laufen.
    Ein Mahnbescheid ist schnell beantragt, aber wenn der Käufer clever ist legt er Widerspruch ein. Dann findet ein Prozess am Wohnort des Verbrauchers statt, er erscheint nicht, irgendwann Versäumnisurteil, ...Offenbarungseid, ... er setzt sich ab/ zieht um und widerspricht der Weitergabe seiner Adresse... Und jedes mal sind Gebühren fällig. Und jetzt kommt der Knaller: Die MWSt. ist sofort mit Rechnungsstellung fällig, erstattet bekommt man sie erst wenn die Forderung abgeschrieben wird.
    Das alles bezahlen im Endeffekt die ehrlichen Kunden.

    Hier wäre der Gesetzgeber gefordert. Ein wirksames Instrumentarium gegen säumige Zahler wäre der beste Schutz auch für die ehrlichen Kunden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%