Streitfall des Tages
Wie Studenten auch ohne Einkünfte Steuern sparen

Der Bundesfinanzhof hat für Studenten ein wichtiges Urteil gefällt: Ab diesem Jahr dürfen Kosten für das Erststudium als Werbungskosten abgesetzt werden. Was Studenten heute tun müssen, um später Steuern zu sparen.
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Der Fall

Ein 29-Jähriger hat seine Ausbildung zum Piloten erfolgreich abgeschlossen. Die Kosten will er jetzt steuerlich absetzen. Auch eine Medizinstudentin will ihre Ausgaben fürs Studium als Werbungskosten geltend machen. In beiden Fällen lehnen die zuständigen Finanzämter das ab, doch die Betroffenen legen Einspruch ein, der Bundesfinanzhof (BFH) beschäftigt sich mit dem Problem – und gibt den beiden am 28. Juli 2011 grundsätzlich
Recht: Aufwendungen fürs Erststudium können nach derzeitigem Stand ab diesem Jahr als Werbungskosten abgesetzt werden.

Die Rechtsgrundlage

Entscheidend für das Urteil ist § 9 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Demnach sind Werbungskosten Aufwendungen, um Einnahmen zu erwerben, zu sichern und zu erhalten. Dazu zählt auch, wenn die Ausgaben den Beruf im weitesten Sinne fördern und es einen klaren Zusammenhang zwischen den Ausgaben fürs Studium und den späteren beruflichen Einnahmen gibt. Die Urteile des Bundesfinanzhof dazu stammen vom 28.7.2011 (Aktenzeichen VI R 38/10 und VI R 7/10).

Der Experte

Werbungskosten sind – wie der Name andeutet – Ausgaben, die dazu dienen, Einnahmen zu erzielen. Das kann auch für ein Studium gelten, das zum späteren Beruf führt, erläutert Rudolf Gramlich vom Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland. Waren Aufwendungen fürs Zweitstudium schon immer als Werbungskosten absetzbar, galt das fürs Erststudium direkt nach der Schule bisher noch nicht. Da konnten Studenten ihre Kosten nur im gleichen Jahr als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen und das nur bis zu einer Obergrenze von 4.000 Euro. Sinnvoll war das also nur, wenn sie während des Studiums steuerpflichtige Einkünfte hatten.

Nach dem Urteil des BFH können Ausgaben fürs Studium ab diesem Jahr nun auch „vorgetragen“ werden, Studienjahr für Studienjahr, ohne Obergrenze. „Das aktuelle Urteil der Bundesfinanzhof ist ein Knaller“, urteilt Gramlich. Denn es ermöglicht Steuerzahlern, in den ersten Berufsjahren die Ausgaben aus Studienzeiten mit den aktuellen Einkünften zu verrechnen.

Davon profitieren später vor allem Berufseinsteiger, die gut verdienen. „Nicht in allen Fällen wirken sich diese Werbungskosten in voller Höhe aus“, dämpft Rudolf Gramlich deswegen zu hohe Erwartungen. Bei geringeren Einkommen kann der steuerliche Effekt verpuffen.

Ein Beispiel: Ein Student hat im Lauf seiner Ausbildung 10.000 Euro als Werbungskosten geltend gemacht. Verdient er im ersten Berufsjahr 12.000 Euro, werden diese 10.000 Euro automatisch als vorgetragener Verlust angesetzt und damit „aufgebraucht“, auch wenn bei einem so geringen Einkommen sowieso wahrscheinlich keine Steuern angefallen wären.

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