S&K-Prozess bleibt spannend
„Gut Ding will Weile haben“

Nach zwei Wochen Pause wurde der Betrugsprozess um die Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S&K und vier weitere Angeklagte erneut ausgebremst. Doch das Verlesen der Anklage rückt in greifbare Nähe.

FrankfurtBeinahe wäre es passiert und die Staatsanwälte hätten tatsächlich die Anklage gegen die beiden S&K-Gründer sowie vier ihrer Angestellten und Geschäftspartner verlesen. Doch auch am fünften Verhandlungstag kam es anders. Der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik trat erneut auf die Bremse. „Gut Ding will Weile haben“, kommentierte er die Entscheidung. Erst am Freitag soll die Verhandlung weitergehen.

Grund für die neuerliche Verzögerung waren Anträge auf Aussetzung des Verfahrens, die Verteidiger bereits vor zwei Wochen gestellt hatten. Beide drehten sich um den Umgang der Staatsanwaltschaft mit Beweismitteln. Die Ankläger gaben ihre Stellungnahmen dazu ab und provozierten damit erneuten Widerspruch der Verteidiger. Einer kündigte eine sogenannte Gegenvorstellung an – diese möchte der Vorsitzende Richter noch abwarten, bevor er den Startschuss zum Verlesen der Anklage gibt.

Bei den Anträgen der Verteidiger ging es zum einen um Audiodateien von mitgeschnittenen Telefonaten. Eine Verteidigerin hatte mehr Zeit gefordert, um diese anhören und digitale Beweisstücke mit einem Volumen von 100 Terabyte auswerten zu können. Zwei andere Verteidiger hatten moniert, dass in der Ermittlungsakte Tausende E-Mails fehlten – insbesondere solche, die ihrer Meinung nach die Angeklagten entlasten könnten. Die Staatsanwälte wiegelten ab. Zu den Audiodateien: Schon vor Eröffnung des Hauptverfahrens habe die Möglichkeit bestanden, die Aufnahmen anzuhören. Und zu den E-Mails: Es sei Aufgabe der Kläger, „Erhebliches von Unerheblichem“ zu trennen.

Die Hauptverhandlung um die S&K-Gründer hatte vor genau drei Wochen begonnen. Die sechs Angeklagten müssen sich vor der 28. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt wegen schweren Betrugs und ebensolcher Untreue verantworten. Sie sollen mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem mehr als 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben. Unter anderem hatten sie Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Zuletzt war die Verhandlung zwei Wochen ausgesetzt worden, da eine Ergänzungsrichterin erkrankt war.

Immerhin hatte die Staatsanwaltschaft vor gut einer Woche eingelenkt und eine gekürzte Version ihrer Anklageschrift vorgelegt. Als die Ankläger und Verteidiger zuletzt am 2. Oktober aufeinander getroffen waren, hatten sie darüber noch heftig gestritten. Die Verteidiger hatten sich vehement gegen das Verlesen der ursprünglichen Version gewährt und eine Überarbeitung gefordert. Denn die Ursprungsfassung enthält Anklagepunkte, die das Gericht gar nicht zur Verhandlung zugelassen hatte. Den Höhepunkt hatte der Streit erreicht, als ein Verteidiger den Staatsanwälten rechtswidriges Verhalten vorwarf und forderte, dass sie durch „rechtstreue Staatsanwälte“ ersetzt werden sollten.

Auch mit diesem Gesuch hatte sich der Richter El Duwaik zwischenzeitlich befasst. Er habe den Antrag an den Leitenden Oberstaatsanwalt weitergeleitet. Dessen Antwort: Er habe keinerlei Veranlassung die zuständigen Staatsanwälte durch andere Staatsanwälte zu ersetzen.

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Persönliche Anträge eines Angeklagten

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