S&K vor Gericht
„Das ist besser als Theater“

Vor dem Frankfurter Landgericht liefern sich Verteidiger und Staatsanwälte ein heftiges Gefecht. Zufrieden scheint am Ende des vierten Verhandlungstages niemand. Aber zumindest die Besucher fühlen sich gut unterhalten.

FrankfurtWirklich zufrieden wirkte am Ende des vierten Verhandlungstages im Prozess gegen die S&K-Gründer sowie vier Mitarbeiter und Geschäftspartner niemand. Die Verteidiger haben mit Anträgen und Wortgefechten erneut heftig gegen die Staatsanwaltschaft ausgeteilt, die Ankläger beharrten auf der Rechtmäßigkeit ihrer 3150-seitigen Anklageschrift und den Richtern der 28. Wirtschaftsstrafkammer blieb schon am Mittag nichts anderes übrig, als sich Bedenkzeit zu verschaffen und die Verhandlung zu vertagen. Begeisterung gab es nur auf einer Seite: „Das ist besser als Theater – und der Eintritt ist sogar kostenlos“, lautete die Bilanz eines Rentnerpaares, das die öffentliche Verhandlung von den Besucherplätzen aus verfolgte.

Eine Komödie wird auf der Bühne des Landgerichts allerdings nicht gegeben. Vielmehr nimmt das Verfahren geradezu tragische Züge an. Der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik scheint sich in einer Zwickmühle zu befinden. Doch die kommt keineswegs überraschend, sondern ergibt sich aus diversen Umständen, die schon im Vorfeld allen Beteiligten bekannt waren. Kern des Problems ist die Tatsache, dass die Kammer die Anklage der Staatsanwaltschaft in Teilen nicht zugelassen hat. Dabei geht es um Vorwürfe gegen die beiden ehemaligen Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

In ihrem Eröffnungsbeschluss haben El Duwaik und seine Kollegen der Staatsanwaltschaft aufgetragen, einige Passagen des aktuell 1700-seitigen Anklagesatzes nicht zu verlesen – insbesondere jene, die sich um die nicht zur Verhandlung zugelassenen Vorwürfe drehen. Zudem hatten sie angeregt, die Ankläger sollten eine überarbeitete Anklageschrift vorlegen. Allein, die Staatsanwälte weigern sich. Sie wollen den kompletten Anklagsatz in seiner bisherigen Form verlesen und währenddessen zu einzelnen Passagen Hinweise geben.

Vor der 28. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt müssen sich die sechs Angeklagten wegen schweren gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs sowie ebensolcher Untreue verantworten. Mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem sollen sie laut Staatsanwaltschaft mehr als 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

„Der bisherige Ablauf des Verfahrens ist nicht ungewöhnlich, aber die Bockigkeit der Staatsanwälte ist schon besonders“, kommentiert ein Verteidiger. „Damit erweisen die Staatsanwälte dem Gericht einen Bärendienst“, meint ein anderer. „Und das völlig ohne Not, denn das Überarbeiten des Anklagesatzes ist absolut zumutbar und würde nicht allzu lange dauern.“


Während die Verteidiger protestieren, scheinen die Staatsanwälte darauf zu hoffen, dass jene Teile ihrer Anklageschrift, die die Strafkammer nicht zugelassen hat, doch noch Teil des Verfahrens werden. Dafür könnte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt sorgen. Es muss über die Beschwerde der Ankläger gegen die Nichtzulassung entscheiden. Noch liegt diese Entscheidung aber nicht vor. Trotzdem bleiben die Staatsanwälte gelassen.

Der Vorwurf, sie würden sich gesetzeswidrig verhalten, prallte an ihnen ab. Ihre Kompromissbereitschaft beschränkte sich darauf, eine einzelne Seite des Anklagesatzes überarbeiten zu wollen und Änderungen beim Verlesen „präsent einzuflechten“. Ansonsten bezeichneten sie die Anträge der Verteidiger als „absurd“. Das brachte die Verteidiger in Rage: Einer forderte sogar, dass die Staatsanwälte abgelöst und durch „rechtstreue Staatsanwälte ersetzt werden“.

Seite 1:

„Das ist besser als Theater“

Seite 2:

„Die Anträge sind absurd“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%