Telefonabzocke
Die absurden Tricks der Mobilfunkanbieter

Warum sich Mobilfunkkunden sogenannte Nichtnutzer- oder Pfandgebühren nicht gefallen lassen müssen und Nutzer von Prepaid-Karten auch nach der Kündigung kein Geld für ihr Restguthaben zahlen müssen. Die neuesten Urteile.
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DüsseldorfDas Kleingedruckte ist seit jeher als Ort für allerlei Kuriositäten und Übervorteilungsversuche berüchtigt. Auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Mobilfunkverträgen sind keine Ausnahme. Nur langsam werden die Verträge kundenfreundlicher – häufig durch Klagen von Verbraucherschutzorganisationen.

Der Fall, der jüngst vor dem Oberlandesgericht (OLG) Schleswig-Holstein verhandelt wurde, zeigt, wie gierig so mancher Mobilfunkanbieter ist. Kunden, die den Tarif „Vario 50/Vario 50 SMS T-Mobile“ bei Mobilcom-Debitel abgeschlossen hatten, sollten eine sogenannte „Nichtnutzergebühr“ zahlen. Die 4,95 Euro pro Monat wurden fällig, wenn sie in drei aufeinanderfolgenden Monaten keinen Anruf getätigt oder keine SMS versendet hatten. Und das, obwohl die Kunden monatlich ohnehin eine Grundgebühr von 14,95 Euro zahlten und dadurch ein Recht auf wahlweise 50 Inklusivminuten oder 50 Inklusiv-SMS hatten.

„Eine Nichtnutzergebühr ist absurd“, sagt Bianca Skutnik, Rechtsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der gegen die Vertragsklausel geklagt hatte. „Der Kunde hat bereits für die Leistung gezahlt, nimmt diese aber nicht in Anspruch und wird dafür zusätzlich bestraft.“

So sieht es auch das Oberlandesgericht. Ein Entgelt dürfe nur verlangen, wer für den Kunden eine Leistung erbringt. Bei der „Nichtnutzergebühr“ gebe es jedoch keine Gegenleistung. Mobilcom-Debitel wurde deshalb aufgefordert, die Klausel zur Strafzahlung zu streichen (Az: 2 U 12/11, vom 3. Juli 2012).

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, denn das beklagte Unternehmen kann noch Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) einlegen. „Vor dem Hintergrund der bisherigen Rechtsprechung ist es aber sehr wahrscheinlich, dass sich der BGH dem OLG anschließen und zugunsten der Verbraucher entscheiden würde“, sagt Astrid Auer-Reinsdorff, Fachanwältin für IT-Recht und Vizepräsidentin des Deutschen Anwaltvereins. Bis dahin sind betroffene Kunden aber noch auf die Kulanz des Unternehmens angewiesen. „Die Kunden sollten auf jeden Fall Widerspruch gegen die Gebühren einlegen und sich dabei auf das Urteil des OLG beziehen“, so die Berliner Anwältin.

Kommentare zu " Telefonabzocke: Die absurden Tricks der Mobilfunkanbieter"

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  • Nun gut, Beschiss ist relativ. Was meinen Sie denn warum es diese Nichtnutzungsgebühr gibt? Vermutlich weil die Leute nicht telefonieren, sondern billig ein Handy abstauben wollen. Die klassische Schubladenkarte, die nie benutzt wird.
    Das ist auch logisch, weil der Tarif überhaupt nicht zum Telefonieren geeignet ist. Die eine Seite saugt also günstig ein Handy ab, die andere hofft, dass wenigstens ein Bruchteil der Kunden zu völlig überhöhten Preisen nach Ablauf der inkludierten Einheiten telefoniert. So gesehen nehmen sich beide Seiten nicht viel.

    Und was soll ich zu "klare Preise - klare Leistung" sagen? Wir leben in einer Konsumgesellschaft, wir leben davon das es massig Dinge gibt, die kein Mensch braucht und trotzdem gekauft werden, dass die Leute "zu viel" ausgeben.

    Wir reden hier nicht von Nutella sondern vom Telefonieren, das ist nichts Besonderes mehr. Wenn alles transparent ist wird nur noch der Preis entscheiden. Und wenn die Allnet-Flat überall 20€ kostet, was meinen Sie, gehen die Leute dann zu Aldi und holen sich Aldi-Talk oder gehen sie zu T-Mobile oder VF. Und wer bleibt am Ende? Der, der heute 35% Marktanteil hat oder Aldi? Dann haben Sie ihr Monopol, Oligopol was weiß ich. Aber das, was Sie sich als Verbraucher wünschen, wird garantiert nicht eintreffen. Denn die, die vorher für Preissenkungsrunden "verantwortlich" waren, wird es entweder nicht mehr geben oder sie werden einen Teufel tun und nochmal die Preise senken.

    Werfen Sie nur einen Blick auf Festnetz, Strom, Gas, Filialbanken, Versicherungen usw. Dort gibt es keinen Wettbewerb mehr in dem Sinne. Über kurz oder lang werden wir eine schöne Konzentration erleben, mit den bekannten Auswirkungen.

    Dann haben wir alle richtig etwas gewonnen, wenn wir im Monat 40€ sparen und im Gegenzug 80€ mehr Abgaben für Arbeitslosenversicherung usw. bezahlen. Auf irgendein Jobwunder oder neue Branchen die das kompensieren würde ich nicht vertrauen.



  • Genau! Deshalb ist dieser ganz Beschiss überflüssig!

    Klare leistung, klare Preise!

    Sonst will keiner was!

    Attrappen-Tarife zur Verschleierung zeigen lediglich das etwas verkauft wird, was keinem Wettbewerb unterliegt! Da wie gerade von Ihnen dargestellt Kunstgriffe notwendig sind zur Verschleierung des alten bekämpften abre neuen gelobten Monopols.

    Das erste Monopol gehörte der Gesellschaft das Neue Monopol gehört den Finanzhaien so einfach ist das!

    Fühle mich übrigens äußerst wohl bei der Lektüre des Handelsblattes, scheionbar kennen Sie die Superillu - ich nicht!



    Sonder einer Nachfrage nach Basisbedürnissen dieser Gesellschaft.

  • Aloha & Willkommen bei den Verbrauchertipps like SuperIllu,

    was unterschlagen wurde ist die Info, dass bei diesen Tarifen die Handys stark subventioniert werden. Es gibt also schon einen Gegenwert >50 Einheiten. Wie dieser zu bewerten ist muss natürlich jeder selbst entscheiden, aber er liegt mit Sicherheit höher als bei 24mal Nichtnutzungsgebühr, oder wie auch immer das Kind heißt.

    Besonders amüsant ist die Forderung nach transparenten Tarifen. Ich meine das hier ist nicht die Bild-Zeitung. Es sollte klar sein was mit dem Wettbewerb passiert, wenn im Prinzip identische Produkte in Sekundenschnelle vergleichbar sind. Ich sage nur "Strom ist gelb". Wer solch einfache Dinge nicht im Hinterkopf hat oder absichtlich ausblendet, sollte besser die Finger vom Handelsblatt lassen. Sorry.




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