TV-Kritik
„Hier treffen sich zwei Gierige“

Menschen durchforsten Werbeprospekte, um ein halbes Pfund Butter noch billiger zu bekommen. Wie kann es sein, dass sie bei der Geldanlage das Kleingedruckte gänzlich ignorieren? Eine Spurensuche bei Opfern von Infinus.
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DüsseldorfSage und schreibe 40.000 Verbraucher legten insgesamt über eine Milliarde Euro in sogenannte „Orderschuldverschreibungen“ bei den „Finanzexperten“ von Infinus an. Dabei gingen den windigen Beratern vor allem Kleinanleger ins Netz: 70 Prozent der Kunden legten nicht mehr als 15.000 Euro an. Die Opfer waren oft genau die, die eigentlich gar kein Geld zum Anlegen hatten. Rentner, die jahrelang in ihre Lebensversicherung eingezahlt haben, 50 Euro jeden Monat. Genau darauf hatte es Infinus abgesehen. Infinus diente als Vermittler, der Mutterkonzern ist die Financial Business KGaA (kurz: Fubu). Das Magazin „exakt“ des MDR hat sich auf Spurensuche begeben.

Das Geschäftsmodell – ein Schneeballsystem im klassischsten Sinn: Anleger verkauften ihre Lebensversicherung über den Vermittler Infinus an die Anlagegesellschaft Fubu, dafür erhielten sie hochverzinste, aber auch hochriskante Produkte von Fubu. Die wiederum investierte das Geld der Anleger in Sachwerte wie Immobilien oder Gold, die angekauften Lebensversicherungen wurden beliehen, um an frisches Geld zu kommen. Das wurde dann in neue Lebensversicherungen der eigenen Mitarbeiter investiert. Der einzige Zweck des ganzen Aufwands: die Bilanz von Fubu so aufzuhübschen, dass immer neue Kunden ihr Geld anlegen. Nur mit diesem Geld konnte Fubu dann die Zinsen der alten Anleger auszahlen. Blieben neue Kunden aus, geriet das gesamte System in Schieflage.

Als die Dresdner Staatsanwaltschaft im September 2013 eingriff, funktionierte das System sogar noch. Die Behörde erkannte jedoch das illegale Modell und fror das Vermögen von Fubu ein, die Tochtergesellschaften gingen insolvent. Für den Insolvenzverwalter von Infinus, Bruno Kübler, war das Eingreifen der Behörden jedoch genau das richtige. Zwar scheiterte erst so das System, jedoch konnten weitere Kunden vor der Anlage bewahrt werden.

„exakt“ besuchte unter anderem das „Infinus-Opfer“ Giesa Menzel. Das einzige, was die alte Dame besitzt, ist ihr Häuschen – und darauf lastet bereits ein Kredit. Als ein Berater von Infinus sie zu Hause besuchte, überzeugte er sie, ihre Lebensversicherung plus den kleinen Rest an Erspartem in Orderschuldverschreibungen anzulegen, insgesamt 5.000 Euro. Dass die hochriskant und nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind, verschwieg er. Frau Menzel begab sich auf den Grauen Kapitalmarkt und schloss das Paket ab, mit den Zinsen wollte sie den Kredit fürs Haus abbezahlen. Nun steht sie vor dem Nichts – und Tochter Anita liefert dafür einen triftigen Grund: die beiden überflogen den Prospekt von Infinus nur kurz. Das Kleingedruckte nahmen sie erst gar nicht wahr. Hier jedoch finden sich klare Hinweise auf das hochriskante Geschäftsmodell.

Der Prospekt von Infinus ist übrigens von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, geprüft – das bedeutet allerdings genau gar nichts. Laut Aussage der Bafin an „exakt“ ist die Behörde nämlich nicht dafür zuständig zu prüfen, ob der Inhalt des Prospekts den Gesetzen entspricht, sondern nur, ob der Verkaufsprospekt den „formalen Vorgaben“ entspricht. Im Klartext: die Bafin schaut nach, ob der Prospekt die richtigen Schriftgrößen und die korrekte Aufmachung benutzt, jedoch nicht, ob er potenziell Kunden über den Tisch ziehen kann.

Kommentare zu " TV-Kritik : „Hier treffen sich zwei Gierige“"

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  • Die Bafin gehört abgeschafft, eit es die gib hat sie nichts für die Bürger getan. Der Verein ist völlig unnütz.

    Das entschuldigt aber nicht, die Anleger die aus lauter Gier, Geld bei dubiosen Firmen anlegen.

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