Überweisungsfehler
Wie ein Comdirect-Kunde über Nacht zum Millionär wurde

Die Comdirect überwies einem Kunden 200 Millionen Euro - zu unrecht. Der Begünstigte schob sofort zehn Millionen Euro auf ein Sonderkonto. Für die Rückabwicklung sollte er Strafzinsen zahlen. Ein Gericht gab ihm Recht.
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Der warme Regen kam an einem Donnerstagabend. Als der Kunde der Comdirect seinen Kontoauszug prüfen wollte, lagen mehr als 200 Millionen Euro auf seinem Konto. „Ein Systemfehler“, sagt eine Sprecherin der Direktbank. Beim Verkauf des Fondsdepots wurden statt 20,60 Euro mehr als 200.000 Euro pro Anteil überwiesen.

Die Direktbank wollte eigentlich einen Fehler in den technischen Systemen beheben – dabei ruinierten die Techniker die Kursbelieferung. „Eine Super-Sondersituation“, sagt die Cormdirect Sprecherin. „Man denkt das kann nicht passieren, passiert dann aber doch.“

Beim unverhofften Multimillionär sorgte die Geldflut für hektische Betriebsamkeit. Er überwies prompt 9.999.999,99 Euro auf ein anderes Konto. Mehr als siebenstellige Überweisungen lassen die Vorgabemasken der Comdirect nicht zu.

Wie der Kunde die Nacht verbracht hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Am nächsten Morgen gab es jedenfalls ein böses Erwachen. Die Direktbank buchte den Betrag wieder zurück. Die Rücküberweisung vom Fremdkonto dauerte einige Tage. Dafür verlangte die Comdirect knapp 12.000 Euro Zinsen für die geduldete Überziehung. Der Zins dafür beträgt stolze 14,4 Prozent.

Für den Mann aus Hessen gab es jetzt immerhin ein kleines Happy End. Seine Klage vor dem Landgericht Itzehoe hatte heute Erfolg. Der Friedberger erhält immerhin die knapp 12.000 Euro Überziehungszinsen zurück – und kann auch noch seinen Zinsverlust geltend machen. (LG Itzehoe; Az 7O266/11).

Voraussetzung: Das Urteil hat Bestand. Ein Sprecher der Commerzbank-Tochter Comdirect kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, die Onlinebank werde gegen die Entscheidung Einspruch einlegen. Der kurzzeitige Multimillionär sagte nach der Verhandlung, ihn habe das „zweifelhafte Vergnügen“, sich einen Tag als Multimillionär zu fühlen, nur Geld gekostet. „Besser wäre es gewesen, ich hätte damals gar nichts gemacht.“

Beide Parteien schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Der Kunde wirft seiner bank vor, sie wolle auf seine Kosten „ordentlich Profit“ machen. Er habe das Geld an einem Freitag keinen ganzen Tag auf seinem Privatkonto gehabt, trotzdem seien ihm Zinsen für das nachfolgende Wochenende berechnet worden. Ein Sprecher der Bank kontert: Der Kläger habe drei Tage lang über die zehn Millionen Euro
verfügt. „Menschen, die über Geld verfügen wollen, dass ihnen nicht gehört, müssen dafür üblicherweise Zinsen bezahlen: Das geht uns allen so“, so der Vertreter der Direktbank.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Überweisungsfehler: Wie ein Comdirect-Kunde über Nacht zum Millionär wurde"

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  • Ich arbeitete ca. 11 Jahre an der Software zur Verwaltung der Publikumsfonds fuer die ebase, einer COMDIRECT-Tochter. Unsere Firma wurde abgewicklet und die ebase uebernahm mit einer neuen Firma selbst die Pflege und Weiteremtwicklung dieser Software. Da in diesem Metier alles sehr komplex ist, wundert mich dieser Fall gar nicht. Ich empfehle sich bei der ebase ein Konto einzurichten, viele Verkaeufe u. Umtauesche mit Prozentwerten und Betragswerten zu taetigen und genau die getaetigten Buchungen zu beobachten. Es kann leicht sein, dass dann aussergewoehnliche und unerwartete Gewinne oder Verluste (evtl. verklagen!) verbucht werden. Viel Spass beim Testen der Software, deren Spezialisten mit einem hoechstmass an Unfairness herausgedraengt wurden!

    PS: unbedingt die Berechnung der Gebuehren und Steuern beachten!

  • Das ist ein PR-Desaster für die Commerzbank.
    Mit Milliarden vom Staat gerettet und bis heute noch nicht einen Cent Zinsen gezahlt.
    Und vor diesem Hintergrund bläst sich ein Sprecher der Bank als Gerechtigkeitsfanatiker auf.
    Das kostet die Com-Direkt mit Sicherheit mehr als die läppischen 12000€. Sauber, der Mann ist sein Geld wert!
    Aber sollte ein Fehler dem Kunden unterlaufen, ja dann ist das Geld weg.

  • Ich hatte auf einmal 20.000 € zuviel bei Comdirekt, hatte es aber zu spät bemerkt für Abhebung:-) Scheint bei Comdirekt öfters vorzukommen. Die Sicherheit ist mir dort zu lasch.

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