Umstrittenes „Scoring”
BGH weist Klage gegen Schufa ab

Die Wirtschafts-Auskunftei Schufa muss ihre Geheimformel zur Einstufung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht offenlegen. Das System ist nicht unumstritten.
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KarlsruheDie Schufa muss nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) Verbrauchern keine umfassende Auskunft zur Berechnung ihrer Kreditwürdigkeit geben. Das Gericht teilte am Dienstag in Karlsruhe mit, dass die Revision gegen das Urteil der Vorinstanz zurückgewiesen sei.

Eine 54-jährige Klägerin wollte wissen, wie die Wirtschaftsauskunftei die Werte für ihre Kreditwürdigkeit berechnet hat. Zweimal scheiterte sie mit ihrer Klage. Dann sagte sie sich: „Ich zieh das jetzt durch.“ Bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dem obersten Gericht für Zivilsachen.

Dort wirken die Rechtsgelehrten in den roten Roben am Dienstag nachdenklich. „Die Sache hat doch ein paar Ecken, das will wohlüberlegt sein“, sagt der Vorsitzende Richter Gregor Galke. In der knapp einstündigen Verhandlung fragt er nach, will von Schufa-Anwalt Matthias Siegmann wissen, wie die Schufa denn zu ihrem „Scoring“, zur Bewertung der Bonität, gekommen ist, wenn gar keine Daten über das Zahlungsverhalten der Klägerin vorlagen - „nur um es zu verstehen“.

Genau das verlangt das Bundesdatenschutzgesetz: Scoring-Stellen wie die Schufa müssen „in allgemein verständlicher Form“ darlegen, wie die Wahrscheinlichkeitswerte zur Kreditwürdigkeit zustande gekommen sind. Der Anwalt holt weit aus, verweist auf „wissenschaftlich anerkannte statistisch-mathematische Verfahrensweisen“. Die Klägerin sei bei der ersten Auskunft „ein unbeschriebenes Blatt“ gewesen. Deswegen sei ihre Bewertung anhand einer Vergleichsgruppe ermittelt worden, zu der es ebenfalls keine weiteren Daten gebe. Die genaue Formel müsse Geschäftsgeheimnis bleiben.

Warum aber waren die Ergebnisse für drei Branchen unterschiedlich? Von 81,14 Prozent bei Geschäften mit Telekommunikationsunternehmen bis 92,94 Prozent bei Banken reichten die Scoring-Werte der Klägerin aus dem Landkreis Gießen - je geringer der Wert, desto höher soll die Wahrscheinlichkeit sein, dass sie einen Kredit nicht zurückzahlen kann. „Wie diese unterschiedlichen Werte zustande kommen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt ihr Anwalt Wendt Nassall.

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  • ALS HÄTTE DIE SCHUFA EIN PATENT AUF EMPIRIK ODER MATHEMATIK.
    WAS FÜR EIN BLÖDSINNIGES URTEIL.
    WIE SOLL MAN EINEN RECHENWEG AUF RICHTIGKEIT ÜBERPRÜFEN , WENN DIESER NICHT OFFENGELEGT WERDEN MUSS ?
    DAS IST SATIRE. DAS ERGEBNIS IST 7 .

  • Jetzt überbewertet mal bitte den Schufa Score nicht. Bei einem seriösen Kreditinstitut und einer gesunden Berater/Kunde Beziehung, bekommt der Kunde, sofern andere Rahmenbedingungen stimmen auch mit einem Scorewert von um die 300 einen Kredit. Und es ist nach meinem Dafürhalten das Gute Recht einer Bank, einen Kredit abzulehnen, egal aus welchem Grund.

  • Also, die Frau ist rein statistisch eben wenig Kreditwürdig! Nicht mehr und nicht weniger. Diese Verfahren funktionieren nur für Gruppen. Die Beurteilung einer einzelnen person ist damit nicht gemeint. In der Gruppe fallen z.b. 80 von 100 Personen aus. 20 sind aber gut! Sicher gehört die Frau zu den 20. Das hilft ihr zwar in diesem Falle nichts, aber ich würde bei dem Score auch keine Kredite geben. Wer 10 mal auf die Nase gefallen ist, weil er einem 28 Jahre jungem Mann, aus Berlin-Kreuzberg, der nachts über das Internet eine Lederjacke für 500 € bestellt, der sieht das vielleicht anders. Wer schützt die Gläubiger? Und wer keinen Kredit bekommt, landet auch nicht bei Peter Zwegert.

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