Wirtschaftsberatende Kanzleien erreichen Rekordhoch

Gewinner der Krise
Wirtschaftsberatende Kanzleien erreichen Rekordhoch

Krisenzeiten sind für wirtschaftsberatende Kanzleien nicht unbedingt die schlechtesten Jahre. Viele von ihnen wachsen extrem aggressiv. Dabei wird es immer schwieriger, die Marktposition zu verteidigen.
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Krisenjahre sind für wirtschaftsberatende Kanzleien nicht unbedingt schlechte Jahre. Ihr wirtschaftliches Ergebnis kann sich sehen lassen: Knapp 3,8 Milliarden Euro erwirtschafteten die 50 umsatzstärksten Kanzleien in Deutschland laut der Juve-Umsatz-Rangliste im abgelaufenen Geschäftsjahr. Ein Rekordwert im Vergleich zum Vorjahr - und selbst im Boomjahr 2007/2008 wurde kein solcher Spitzenwert erwirtschaftet.

Unter den Top-10-Kanzleien verzeichnen Gleiss Lutz und Noerr neben Allen & Overy die größten Wachstumsraten beim Umsatz. Doch auch wenn die Wettbewerber aggressiv wachsen, bleiben die Verhältnisse in der Spitzengruppe der Kanzleien unverändert: Umsatzstärkste Kanzlei ist weiterhin Freshfields Bruckhaus Deringer, gefolgt von CMS Hasche Sigle und Hengeler Mueller.

Dass CMS im Gegensatz zu ihren Wettbewerberinnen an der Spitze noch einmal so deutlich zulegte, liegt auch am ungebremsten Personalwachstum der nach Köpfen größten Kanzlei: Mit 518 Berufsträgern (plus 6,6 Prozent) arbeiten hier mehr Partner und Associates als bei Wettbewerbern. Freshfields beschäftigt mit 464 Berufsträgern nur wenig mehr Anwälte als im Vorjahr. Die meisten großen Wirtschaftskanzleien halten ihre Teams zurzeit stabil, weil der Kern ihrer wirtschaftlichen Strategie auf eine Optimierung und nicht auf eine Verbreiterung des Geschäfts abzielt.

Denn die größten Teams sind nicht unbedingt die produktivsten. Aussagen über die Qualität der Mandate und die Effizienz, mit der eine Kanzlei arbeitet, lassen sich vor allem am Umsatz pro Berufsträger (UBT) ablesen.

Unter den zehn umsatzstärksten Kanzleien müssen nur Freshfields und Linklaters mit einem Minus von 3,7 beziehungsweise 1,5 Prozent Abstriche beim UBT machen. Allerdings rangieren beide gemeinsam mit Allen & Overy, Gleiss Lutz und Clifford beim UBT-Vergleich weiterhin in der oberen Hälfte: Die fünf liegen zwischen 580.000 und 700.000 Euro. Sieger bleibt Hengeler mit einem scheinbar uneinholbaren Wert von 920.000 Euro.

Im Schnitt lag der UBT bei 488.000 Euro. Das ist eine leichte Steigerung zum Vorjahr, und ein deutliches Plus gegenüber dem Krisenjahr 2009/10. An die Verhältnisse der Boomjahre wie 2007/08 kann der Wert jedoch nicht anknüpfen. Das bedeutet: Es ist heute fast für jede große Wirtschaftskanzlei deutlich mühsamer, ihre Marktposition zu verteidigen.

Der Markt wird kleiner, wie auch die Analyse des wichtigen M & A-Marktes zeigt: Es gibt heute weniger Transaktionen als in den Boomjahren und der Gesamtwert der Deals ist ebenfalls deutlich geringer. Laut dem Datendienstleister Merger Market lag dieser Wert 2007 bei 86,2 Milliarden Euro, 2011 nur noch bei 38,6 Milliarden.

Auch das High-End-Geschäft bröckelt: Während im Vorjahr alle Toptransaktionen Milliardendeals waren, so trifft das in diesem Geschäftsjahr nur noch auf sechs Mandate von zehn zu. Trotzdem gelingt es den Marktführern, ihre Vormachtstellung zu behaupten: Freshfields und Hengeler kommen bei diesen hochvolumigen Transaktionen als Berater besonders häufig zum Zuge.

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