Insolvenzrecht
Rettung, wenn die Pleite droht

Das neue Insolvenzrecht ist für viele betroffene Firmen ein Erfolgsmodell. Eine aktuelle Studie zeigt aber auch Hindernisse für das Verfahren auf. Eine davon ist das Vergaberecht bei Ausschreibungen.
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BerlinEine der größten Hürden für die Anwendung des neuen Unternehmensinsolvenzrechts ist das fehlende Know-how bei Beratern und Gerichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Wirtschaftskanzlei BB Sozietät. Demnach ist das Verfahren noch weitgehend unbekannt und überfordert viele Beteiligte. So gaben 64 Prozent der Befragten an, den Unternehmenslenkern fehlten juristische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse. 48 Prozent bemängelten den Wissensstand bei Insolvenzrichtern und 43 Prozent den bei Unternehmensberatern.

Den Insolvenzverwaltern wurde ein besseres Know-how attestiert: Nur 23 Prozent seien uninformiert. An der Umfrage beteiligten sich 90 Gläubiger, Insolvenzverwalter, Richter, Investoren und Berater.

Die mangelnde Sachkenntnis könnte sich als Problem für das Anfang März eingeführte Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (Esug) erweisen. Denn Krisenunternehmen könnten Vorteile verpassen. Gab es früher in kritischen Situationen meist nur den Weg in die Insolvenz, so soll sich mit der Novelle nun eine neue Sanierungskultur in Deutschland etablieren.

Für 450 Mitarbeiter des Telekomausrüsters Nextira-One ist das neue Sanierungsgesetz ein Glück. Ihr Unternehmen mit Sitz in Teltow im Süden der Bundeshauptstadt wäre inzwischen wohl pleite, die Zukunft der Arbeitsplätze ungewiss. Jetzt ist klar: Es gibt eine Perspektive. Nextira-One hat sich binnen weniger Monate unter dem neuen gesetzlichen Schutzschirm selbst saniert. Mit den Gläubigern hat sich das Management auf eine Umschuldung verständigt, die Zahl der Standorte und Beschäftigten werden deutlich reduziert. Und die Firma wird nach jahrelangen Verlusten, so die Hoffnung der Geschäftsführung, endlich schwarze Zahlen schreiben.

Schutzschirm statt Pleite - im Fall Nextira-One hat das neue Sanierungsverfahren seine Bewährungsprobe bestanden. Dutzende andere Unternehmen probieren derzeit die neuen Regeln aus, die sie für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger bewahren. Darunter beispielsweise der Solaranlagenbauer Centrotherm.

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