Unternehmssteuern
Fallbeil Zinsschranke

Mit der Unternehmensteuerreform sollten die Abzugsmöglichkeiten für Zinszahlungen eingeschränkt und damit Steuerschlupflöcher für inländische Firmen geschlossen werden. Doch mit ihren Vorschlägen ist die Bundesregierung weit über das Ziel hinaus geschossen. Auch etliche Mittelständler leiden unter der Neuregelung. Nun soll nachgebessert werden.

DÜSSELDORF. Die Kritik von Unternehmerverbänden und Steuerberatern zeigt offenbar Wirkung: CDU und SPD haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, die Unternehmensteuerreform 2008 durch ein drittes Konjunkturpaket zu entschärfen. Nachgebessert werden soll vor allem bei der sogenannten Zinsschranke. Für viele Unternehmer würde dies eine echte Erleichterung bedeuten. Doch solange die neue Regelung nicht verabschiedet ist, heißt es erst einmal: weiter warten.

Die ursprüngliche Idee der Zinsschranke hatte ihre Berechtigung. Durch die mit der Unternehmensteuerreform eingeführte Regelung sollte vermieden werden, dass inländische Firmen über Zinszahlungen ihre Gewinne zu ausländischen Tochter- oder Schwesterunternehmen verlagern und somit in Deutschland keine oder kaum noch Steuern zahlen. Das Gesetz sieht vereinfacht gesagt vor, dass Unternehmen von gezahlten Zinsen nur noch bis zu 30 Prozent auf den Gewinn absetzen, allerdings erst, wenn eine Freigrenze von bisher einer Million Euro übertroffen wird. Der Rest muss dann auf die Folgejahre verteilt werden.

Nach Ansicht vieler Experten war der Fiskus damit aber kräftig über das Ziel hinausgeschossen. "Inzwischen trifft die Regelung nicht nur viele Konzerne, sondern auch etliche ganz normale Mittelständler", sagt Peter Knop, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in München. Das Problem: Schon die Vorgängerregelung musste angepasst werden, da zunächst nur Zinszahlungen an ausländische, verbundene Unternehmen von den deutschen Firmen häufig nicht mehr in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden konnten. Damit waren rein deutsche Konzerne gegenüber europaweit vertretenen Unternehmensverbünden jedoch bevorzugt, was die Europarichter kritisierten.

Daher wurde die auch auf innerstaatliche Fälle anwendbare Abzugsmöglichkeit sogar noch weiter eingeschränkt. Im Klartext: Schon wenn ein Mehrheitsgesellschafter seinem eigenen Unternehmen Kapital leiht oder für einen Kredit bei der Hausbank bürgt, sind die hierfür zu zahlenden Zinsen häufig nicht mehr voll abziehbar, sofern sie über der Grenze von einer Million Euro liegen. Eine zu niedrige Schwelle. "Es zeigt sich, dass diese Grenze nicht ausreicht", sagt Andrea Pissarczyk, Steuerberaterin von Ecovis in Berlin. So würden jetzt bei der Bearbeitung der Steuererklärungen für 2008 immer mehr Unternehmen merken, dass sie von der Regelung betroffen sind.

Ein Beispiel hierfür ist die von Pissarczyk betreute M.C.F Motor GmbH in Berlin. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen, das im Berliner Umland neun Toyota-Autohäuser betreibt, insgesamt rund 25 Millionen Euro in den Bau neuer Verkaufshäuser und Werkstätten sowie in die Sanierung der vorhandenen Immobilien investiert. "Dieser Schritt war betriebswirtschaftlich nicht nur notwendig, sondern hätte sich prinzipiell für uns auch gerechnet", sagt Liane Hahn, Geschäftsführerin der Motor Denn als die notwendigen Entscheidungen vor etlichen Jahren fielen, war von einer Zinsschranke noch nicht die Rede.

Inzwischen ist sie jedoch Realität. Und da die Banken bei der Finanzierung Bürgschaften der Gesellschafter einforderten, werden die Zinszahlungen für die Darlehen jetzt steuerlich wie die Zahlungen von einer deutschen Tochter an die ausländische Konzernmutter behandelt. Im Ergebnis steht heute eine damals nicht vermutete Steuerlast.

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