Urteil des Bundesgerichtshofs
Ennepetal verliert im Zinswetten-Streit

Im Schadensersatzstreit um Verluste aus riskanten Zinswetten hat die Stadt Eneppetal vor dem Bundesgerichtshof eine Schlappe erlitten. Das Grundsatzurteil dürfte für die vielen Klagen wegweisend sein.
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KarlsruheDer Prozess der Stadt Ennepetal aus Nordrhein-Westfalen über riskante Zinswetten muss neu aufgerollt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe entschieden. Das Gericht hob das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf als Vorinstanz auf und wies das Verfahren zur erneuten Verhandlung dorthin zurück (Az.: XI ZR 37(713).

In dem Verfahren geht es um sogenannte Swap-Geschäfte in Höhe von 1,5 Millionen Euro, welche die Gemeinde Ennepetal 2007 und 2008 mit der damaligen WestLB vereinbart hatte. Die Gemeinde macht geltend, bei den hochriskanten Geschäften falsch beraten worden zu sein. Sie streitet deshalb mit der Ersten Abwicklungsanstalt (EAA) als Nachfolgegesellschaft der aufgelösten WestLB. Die EAA hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Viele Kommunen haben als riskant geltende Swap-Geschäfte vereinbart, bei denen die Vertragsparteien etwa auf Zins- oder Währungsentwicklungen eine Art Wette abschließen können. In der Regel zahlt ein Vertragspartner auf eine bestimmte Summe einen fixen Zinssatz, der andere Vertragspartner zahlt einen variablen Satz, der oft von der Marktentwicklung abhängt.

Die klagende Gemeinde hatte insgesamt vier Swap-Geschäfte mit der ehemaligen West LB abgeschlossen und damit Verluste erzielt. Vor Gericht machte sie geltend, die ehemalige West LB habe nicht darauf verwiesen, dass die West LB allein durch Abschluss des Swap-Geschäfts – also bevor irgendeine Zinszahlung geflossen sei – Geld verdient habe. Die Geschäfte hätten einen „negativen Marktwert“ gehabt.

Der Bundesgerichtshof, der an seine Rechtsprechung aus dem Jahr 2011 zu einem CMS Spread Ladder Swap-Vertrag angeknüpft hat (vgl. Pressemitteilung Nr. 46/2011), hat nun bekräftigt, dass eine Bank, die zu einem eigenen Zinssatz-Swap-Vertrag rät, unter dem Gesichtspunkt eines schwerwiegenden Interessenkonflikts zwar grundsätzlich verpflichtet sei, den Kunden über den anfänglichen negativen Marktwertes aufzuklären.

Allerdings müsse die Bank ihren Kunden nicht über den anfänglichen negativen Marktwert aufklären, wenn der Swap-Vertrag der Absicherung gegenläufiger Zins- oder Währungsrisiken aus miteinander verbundenen Grundgeschäften dient. Eben dies war bei den Zinsgeschäften von Eneppetal der Fall. Nun wird das Oberlandesgericht auf der Grundlage der Rechtsausführungen des Bundesgerichtshofs erneut entscheiden müssen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

Kommentare zu " Urteil des Bundesgerichtshofs: Ennepetal verliert im Zinswetten-Streit"

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  • Dummheit schützt vor Verlusten nicht
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    Im Schadensersatzstreit um Verluste aus riskanten Zinswetten hat die Stadt Eneppetal vor dem Bundesgerichtshof eine Schlappe erlitten.

    Wer so naiv wie Eneppetal an Swap-Geschäfte herangeht, hat es nicht besser verdient.
    Aber es waren ja "ahnungslose Beamte" die die Verluste einfuhren.
    Aber jetzt soll die Bank daran Schuld sein. Das ist mehr als naiv!

  • - angepaßt an das Hoeness-Urteil...

    Der Kämmerer und der Bürgermeister für mind. 3,5 Jahre in Haft!

    ...oder sind das etwa eine andere Art von Kriminellen?

  • Genau das wird aber niemals passieren. Sie können da alle Parteien nehmen, quer durch die Bank, aber keine einzige wird für die persönliche Haftung (mit der Möglichkeit des Zugriffs auf das Privateigentum) von Politikern eintreten.
    Die sägen doch nicht selbst an dem Ast, auf dem sie sitzen.
    Es gibt meines Wissens nur ein einziges Land in Europa, das in den letzten Jahren zumindest einen hohen Politiker angeklagt hat: nämlich Island seinen Ex-Premier wegen der Mitverantwortung für die Bankenkrise, die den Staat beinahe ruiniert hätte. In den Knast musste der aber dennoch nicht einfahren:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/finanzkrise-islands-ex-premier-entgeht-haftstrafe/6546678.html
    Trotzdem macht mir dieses Vorgehen die Isländer sehr sympatthisch - überhaupt sind die ein sehr freiheitliches Volk (weshalb sie übrigens von einer EU-Mitgliedschaft auch nichts wissen wollen).
    Wäre es dort nur nicht so saukalt und viele Monate im Jahr dunkel, wäre Island daher auch für mich ein hervorragendes Land zum Auswandern...

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