Verbraucherschützer
Banken umgehen Angabe von Provisionen

Pünktlich zum Weltverbrauchertag starten Verbraucherschützer einen neuen Angriff auf Banken und Sparkassen: Mit einem Trick sollen sie die Transparenzpflicht bei Provisionen umgehen. Die Kreditinstitute wehren sich.
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DüsseldorfWie viel Provision bekommt ein Berater, der dem Kunden ein Wertpapiergeschäft vermittelt? Eigentlich muss diese Information laut Wertpapierhandelsgesetz offengelegt werden. Viele Banken und Sparkassen nutzen jedoch einen Trick und schweigen. Dabei ist die Information für den Anleger besonders wichtig, denn je größer der Gewinn der Berater, desto fragwürdiger erscheint ihre Unabhängigkeit.

Der Trick der Kreditinstitute ist simpel: Sie kaufen Finanzprodukte nicht stellvertretend für den Kunden, sondern zunächst für sich selbst. Dann veräußern sie diese in Form eines Festpreisgeschäfts weiter an den Kunden. Bei solchen Festpreisgeschäften müssen sie keine Provisionen angeben. Wie viele Institute das machen, hat jetzt die Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) untersucht. Pünktlich zum Weltverbrauchertag stellte der vzbv die Ergebnisse am Freitag vor.

Bei den Kreditinstituten kam die Befragung offenbar nicht gut an. Von 126 angefragten Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben beantworteten gerade mal 20 Prozent die Fragen. Etwa die Hälfte der Anleger reagierte gar nicht, ein Viertel antwortete mit allgemeinen Ausführungen. Der Rücklauf der Fragebögen sei ungewöhnlich niedrig, so die Verbraucherschützer. Bei vielen Instituten, die sich zurückmeldeten, haben die Verbraucherschützer jedoch ins Schwarze getroffen: 80 Prozent gaben an, Finanzprodukte auch als Festpreisgeschäfte zu vertreiben. Das gelte besonders beim Vertrieb von Zertifikaten und Investmentfonds.

„Wenn Banken, Sparkassen und andere Wertpapierdienstleister Schlupflöcher nutzen, indem sie Kommissionsgeschäfte formal durch Festpreisgeschäfte ersetzen, um ihre Eigeninteressen am Vertrieb nicht auszuweisen, ist das kein gutes Zeichen für einen fairen Kundenumgang“, sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv. Der Gesetzgeber müsse diese Aufklärungslücken schließen und die gleichen Regeln für Festpreisgeschäfte festsetzen.

Bei Kommissionsgeschäften erhält das Kreditinstitut gewöhnlich die Differenz zwischen dem offiziellen Ausgabe- und Rücknahmepreis als Provision – und muss sie dem Kunden mitteilen. Werde das Finanzprodukt im Rahmen eines Festpreisgeschäfts aus dem eigenen Bestand veräußert, enthalte der Preis insgeheim einen Aufschlag, so die Verbraucherschützer. Ihre Forderung: Diese Marge sollen die Kreditinstitute ebenfalls offenlegen.

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Vorwürfe seien „haltlos“

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  • Die Vortragshonorare für Steinbrück waren doch gut angelegtes Geld. Oder?

    Was versteht man hier im Forum unter Korruption? Wie müsste man sie gestalten, dass einflussreiche Persönlichkeiten so gefügig werden?

  • Ich möchte noch eine Anekdote ergänzen:

    Bei der letzten Reparatur an unserer Heizungsanlage musste ein Ersatzteil getauscht werden. Die Fachfirma stellte mir einen Teilepreis von 350 € zzgl. Lohn in Aussicht.

    Ich habe das absolut identische Ersatzteil im Fachhandel dann für 180 € erstanden.

    Auf meine Nachfrage, wie denn dieser fast 100%-ige Preisunterschied zustande käme, wurde mir unmissverständlich klargemacht, dass ein Handwerker ja allein von den Stundenlöhnen nicht leben könne....

    So, und wo ist da bitteschön der Verbraucherschutz der hier mal Transparenz fordert? Da wird nämlich mal eben neben 400 € Lohn noch 170 € Marge in Rechnung gestellt - und nirgendwo findet sich da ein Hinweis!!! Dabei tritt der Monteur ja noch nicht einmal als Händler auf, bei dem man ja naturgemäß eine Handelsmarhe unterstellen muss.

  • Ach ja? Und die Finanztransaktionssteuer, die ja Rot/Grün unbedingt fordert, belastet am Ende nicht den Kleinanleger???

    Ja neee, isss klar...

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