Verbraucherschützer warnen

Vorsicht vor undurchsichtigen Tarifrechnern

Vergleichsrechner im Internet sollen Kunden zu den günstigsten Stromtarifen führen. Doch wirklich unabhängig sind die Anbieter meist nicht, kritisieren Verbraucherschützer. Worauf Kunden achten sollen.
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Verivox gehört zu den bekanntesten Tarifrechnern, aber Verbraucher sollten sich nicht auf ein einzelnes Portal verlassen. Quelle: dpa

Verivox gehört zu den bekanntesten Tarifrechnern, aber Verbraucher sollten sich nicht auf ein einzelnes Portal verlassen.

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DüsseldorfEinfach die Postleitzahl und den jährlichen Strom- oder Gasverbrauch eingeben und schon werden die besten Tarife angezeigt. Das erhoffen sich wechselwillige Kunden, wenn sie Tarifrechner wie Verivox, Check24 oder Energieverbraucherportal nutzen. Doch ganz so schnell geht es leider nicht. Denn auf den Seiten der Vergleichsportale sind meist schon einige Filter- und Sortierfunktionen ausgewählt, die das Ergebnis verfälschen. 

„Um im Ranking weit oben zu stehen, versuchen Stromanbieter ihre Tarife durch Rabattaktionen möglichst günstig erscheinen zu lassen“, kritisiert Peter Blenkers, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Vergünstigungen für die Zahlung per Vorkasse oder Neukundenboni würden einfach vom Preis für das erste Vertragsjahr abgezogen. Viele Tarifrechner unterstützen diese Praxis, indem sie per Standardeinstellung nur Tarife mit solchen Rabatten anzeigen. Dadurch erhalten Verbraucher weniger seriöse Empfehlungen und können die Tarife schlechter vergleichen.

Dies ist nur einer der Mängel, die die Verbraucherzentrale NRW und der Verbraucherzentrale Bundesverband an den Vergleichsportalen kritisieren. Gemeinsam haben sie ein ausführliches Anforderungsprofil für Strom- und Gas-Tarifrechner formuliert, das dem Handelsblatt vorliegt. Darin fordern sie auch, dass Tarifrechner ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen und ihre Geschäftspraxis transparenter machen sollen. 

Derzeit sei der Markt der Vergleichsrechner zu undurchsichtig: „Die Rechner wollen Transparenz zwischen den Stromanbietern herstellen, bieten aber selbst kaum Einblicke in ihre Geschäftsbeziehung“, kritisiert  Peter Blenkers. Für Aufsehen sorgte jüngst die Zusammenarbeit zwischen Verivox und dem mittlerweile insolventen Strom- und Gaskonzern Teldafax. Nach Berichten des Handelsblatts hatte das Vergleichsportal das Energieunternehmen mit Informationen über Wettbewerber versorgt. Dadurch konnte der Energieanbieter seine Preistabellen so gestalten, dass er in der Trefferliste stets einen Spitzenplatz belegte. Im Gegenzug soll Verivox hohe Vermittlungsprovisionen eingestrichen haben. Der Anbieter selbst bestreitet die Weitergabe der Daten.

Solche Kooperationen zum Nachteil der Kunden wollen die Verbraucherschützer verhindern. Sie fordern deshalb, dass die Tarifrechner öffentlich machen, mit wem sie kooperieren und womit sie ihr Geld verdienen. Wenn sie von Stromanbietern Provisionen für die Vermittlung bekämen, müssten sie das offenlegen.

Vielfach rechnen Stromanbieter ihre Tarife mit Rabatten schön. „Tarife mit Vorkasse oder Kaution sollten Verbraucher von vorne herein ausschließen“, sagt Blenkers. Dafür müssen in den Suchmasken meist die entsprechenden Häkchen entfernt werden. Geht der Kunde in Vorleistung, läuft er beispielsweise Gefahr, sein Geld ohne Gegenleistung zu verlieren, wenn der Stromanbieter pleite geht. Dass dies am hart umkämpften Strommarkt tatsächlich passieren kann, zeigte jüngst der Stromkonzern Teldafax.

Auch bei Tarifen, die Neukunden Bonuszahlungen versprechen, ist Vorsicht geboten. "Die Anbieter kennen Tricks, um die Zahlungen hinauszuzögern“, sagt der Verbraucherschützer. So würden die Boni oftmals erst nach einem weiteren Vertragsjahr gezahlt.

Verbraucher sollten mehrere Tarifrechner nutzen
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5 Kommentare zu "Verbraucherschützer warnen: Vorsicht vor undurchsichtigen Tarifrechnern"

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  • Na ja, bei Reclabox wurden schon zwölf Beschwerden über Verivox abgegeben (http://de.reclabox.com/firma/803-Verivox-GmbH). Man redet sich immer mit "unabhängiges Verbrauchsportal" aus. Unabhängig stelle ich mir jedoch ganz anders vor...

  • Zitat: 'Fast monatlich vergleiche ich auf mehreren Portalen die Preise'.

    Mit Verlaub: Bietet Ihnen Ihr Leben nicht mehr als sich zu Tode zu vergleichen?

  • Hallo,
    man auch nicht vernachlässigen, den Lieferanten auf günstigere Tarife von Mitbewerbern sowie auf eine Wechselwilligkeit verweisen.
    Das kann auch zu einem "Sonderpreis" führen.

  • Seien Sie glücklich: entweder Sie haben tatsächlich kein nenneswertes Sparpotential oder haben bereits vorher klug gewechselt. Bei mir war ein Wechsel (richtig: ohne den ganzen Schnickschnack...) notwendig. Durch Faul- und Trägheit war mein Anbieter echt zu teuer geworden und ein Wechsel lohnenswert.

  • Die ganzen Preisvergleiche sind nutzlos!

    Es gibt keinen Wettbewerb, der diesen Namen verdient. Fast monatlich vergleiche ich auf mehreren Portalen die Preise.

    Seit Jahren immer dasselbe: Bei meinem Verbrauch von ca. 4500kWh kann ich bei vergleichbaren Konditionen, d.h. ohne Wechselrabatt (der dann doch nicht gezahlt wird), ohne Mengenbegrenzung oder Jahresvorkasse im Jahr weniger als 50 Euro sparen. Da kann ich auch bei meinem örtlichen Stadtwerk bleiben.

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