Verbraucherschutz: Hier werden Sie nicht geholfen

Verbraucherschutz
Hier werden Sie nicht geholfen

Vor gut einem Monat startete ein Projekt von Ministerin Ilse Aigner. „Verbraucherlotsen“ sollen Bürgern bei Alltagsfragen helfen. Ein Test zeigt ein Totalversagen. Wie Bürger in die Irre geführt oder abgewimmelt werden.
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Düsseldorf„Da werden Sie geholfen“, dieser einfache Slogan war leider schon vergeben. Also musste es Ilse Aigner etwas komplizierter ausdrücken: „Der Verbraucherlotse weiß Antworten auf drängende Verbraucherfragen und weist den richtigen Weg“, sagte die Bundesverbraucherministerin beim Start des Projektes im vergangenen Dezember. Damit hat sie große Erwartungen geweckt.

Was aber leisten diese Lotsen wirklich? Welchen Mehrwert bieten sie gegenüber der Behördennummer 115, dem Bürgerservice von Bund, Ländern und Kommunen? Und warum sollte ein Ratsuchender dort anrufen, wenn er auch gleich die Verbraucherzentrale in seiner Nähe kontaktieren kann? Handelsblatt Online hat sich die Lotsen einmal genauer angeschaut und selbst einige Anfragen gestellt. Das Ergebnis der Stichprobe ist vernichtend und wird auf den nächsten Seiten veröffentlicht.

Gestartet wurde das Projekt am 10. Dezember 2012. Die Lotsen sitzen in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn (BLE), 13 Stellen wurden dort eigens geschaffen. Sie sollen Fragen rund um den Verbraucheralltag beantworten – egal, ob es um die aufgedruckten Zahlen auf dem Frühstücksei, die Rechte bei Verspätungen im Flug- und Bahnverkehr oder Wechsel des Stromanbieters geht – so die Beispiele auf der Internetseite. Der Auftrag kommt vom Bundesverbraucherministerium (BMELV).

Glaubt man Ministerin Ilse Aigner (CSU), werden die Verbraucherlotsen „die Informationsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger enorm verbessern“. Ein Anruf genüge „und Verbraucher erhalten rasch die gewünschte Information oder werden ohne Umwege an die richtigen Stellen gelotst“. In der Opposition ist man von dem Projekt gar nicht begeistert. „Die Verbraucherlotsen sind in dieser Form einfach überflüssig“, sagt Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen. „Die Verbraucherzentralen funktionieren sehr gut, da ist es nicht sinnvoll, eine Parallelstruktur aufzubauen.“

Auch von der SPD hagelt es Kritik: „Die Verbraucherlotsen sind eine Nullnummer, denn sie bieten keine Beratung“, sagt Elvira Drobinski-Weiß, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD. Mehr als von der schon bestehenden Behördennummer 115 „und ein bisschen Wahlkampf“ sei von dem Projekt nicht zu erwarten. Immerhin sind die Verbraucherlotsen aber in ganz Deutschland erreichbar, die 115 erst in zwölf Bundesländern und knapp 290 Kommunen. Außerdem ist die 115 nur eine Telefonnummer, Anfragen an die Lotsen funktionieren auch per E-Mail, Fax oder Brief.

Kommentare zu " Verbraucherschutz: Hier werden Sie nicht geholfen"

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  • In Sachen Rechtschreibung/Grammatik schliesse ich mich NukedaBaze an. Die Überschrift Ihres Artikels müsste korrekterweise heißen: "Hier wird Ihnen nicht geholfen."

    Gruß

    EzaBadekuN

  • Die Aigner ist so überflüssig wie ihr Ministerium, oder war es umgekehrt?

  • Eine komplette Lachnummer, von ganz oben bis ganz unten.Ein Ministerium zum Heulen.

  • die anderen würden es vermutlich noch schlechter machen, das ist der Punkt. Man hat bei den Wahlen inzwischen ja nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera, wenn man denn nicht gleich zuhause bleibt und zu den echten "Wahlsiegern", den Nichtwählern, gehören möchte. Wer außer der CSU hat sich noch einen gewissen Rest-Patriotismus erhalten und sieht EU-Beitritt der Türkei, Islamisierung und Eurobonds kritisch? Den restlichen Parteien, die links der CDU stehen, kann die Vergemeinschaftung der Euro-Schulden ja nicht schnell genug gehen- damit wir Deutschen mal wieder die Deppen sind und für die Schulden der anderen den Kopf hinhalten.

  • An der Unterschiedlichkeit der Anfragen lässt sich auf jeden Fall eines erkennen: Die Welt ist offensichtlich so komplex und unübersichtlich geworden, daß der Einzelne sich nur noch unzulänglich informieren kann und dementsprechend seine Entscheidungen unsicher bzw. suboptimal ausfallen.

    Diese Entwicklung wird durch eine permanent anschwellende Flut von Vorschriften, Richtlinien, Regulierungen Durchführungsverordnungen, Gesetzesänderungen und neue Gesetze verstärkt und beschleunigt.

    100.tausende von Beamten arbeiten dabei für uns, von uns bezahlt, auf kommunaler, landes, nationaler und europäischer Ebene fleissig daran alles noch ein bißchen komplizierter zu machen.

    Der normalsterbliche Bürger der sich nicht für jeden Quatsch einen neutralen kompetenten Berater, Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer leisten kann hat in diesem Dschungel das Nachsehen.

    Bernd Dreßen

  • Frau Aigner profiliert sich - wenn auch negativ: Das ist die selbe Nullnummer, wie ihre App "zu schade für die Tonne". In dem Fall wird der offenkundig doofe Verbraucher dazu angehalten, seine zuviel gekauften und somit übrigen Karotten nicht wegzuwerfen, sondern mit (weiteren teuren Zutaten, die er garantiert nicht grad mal rumliegen hat) zu einem leckeren Resteessen zuzubereiten. Ob die Sterneköche was für ihr bereitgestelltes Rezept bekommen, weiss ich nicht, aber die Programmierung der App samt Gestaltung war sicher nicht umsonst - dafür aber garantiert sinnfrei für jeden mit weniger als dreitausend Euro für den Konsum frei verfügbarem Einkommen pro Monat. Einfach mal reinschauen und staunen, was man mit einer übriggebliebenen Zutat und - im Schnitt - 7 oder 8 neu zu erwerbenden so alles zubereitet werden kann....
    Das tut so weh, zumal überall Werbeplakate für die App zu sehen sind. Kein Wunder, dass die Republik Schulden machen muss.

  • Frau Aigner warum schützen sie uns nicht vor Aspartam.


    Ihren Verbraucherschutz kann doch niemand Ernst nehmen.

  • "Hier werden Sie geholfen" . Gerne wuesste ich ob diese Mitteilung ein wirksamer Spass sein soll,oder ob die Grammatik dahintorkelt.

  • Wie bei der Telekom. Da habe ich wegen einer - für Fachleute - einfachen Frage mit drei sehr netten Menschen sprechen dürfen. Wie gesagt sehr, sehr nett, freundlich, zuvorkommend und außerordentlich bemüht - aber leider ohne jede Ahnung. Keinen plassen Schimmer vom Thema. Und jeder will dann wissen, wie zufrieden ich war. Bei manchen Firmen mit Fragebogen.

    Ein Fachmann meldete sich 9 Arbeitstage später.

    Wer denkt sich sowas aus? - Wo hat Aigner abgeguckt?

  • Bei Frau Aigner frage ich mich schon länger wer vor wem geschützt werden soll. Sie vor dem bösen Verbraucher/Steuerzahler(ihr Arbeitgeber) oder der Verbraucher vor ihr?
    Nun wer vom Öffentlichen Dienst Leistung erwartet ist mit einem Floß flußaufwärts unterwegs!

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