Verbraucherschutz
Honorarberatung fällt im Praxistest durch

Die Politik will die Anlageberatung auf Honorarbasis als gängiges Modell etablieren. Doch kaum ein Kunde will einem unabhängigen Berater mehr als 100 Euro pro Stunde für seine Dienste zahlen.
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FrankfurtAn der Grundidee gibt es nichts zu mäkeln: Ein Kunde sucht nach unabhängiger Beratung und findet die bei einem Honorarberater. Der muss nicht die Produkte einer Bank, Sparkasse oder eines Versicherers verkaufen, sondern hat allein den Ansatz, aus der kaum zu überblickenden Vielzahl von Produkten das oder die besten auszusuchen. Dafür bekommt er keine Provision von den Finanzhäusern, sondern eine Art Stundenlohn von den Kunden.

Diese Idee gefällt auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). "Ich möchte, dass das Berufsbild Anlageberater auf Honorarbasis gesetzlich geregelt wird", sagt sie gegenüber dem Handelsblatt. "Nur so können wir Missbrauch ausschließen. Der Verbraucher soll ganz klar erkennen, wer ihm gegenüber sitzt: ein unabhängiger Berater oder ein Verkäufer." Die Bundesregierung habe daher beschlossen, zeitnah zu prüfen, wie man dieses Berufsbild gesetzlich regeln könne, sagt die Ministerin. "Für den Verbraucher kann eine unabhängige Honorarberatung eine sinnvolle Alternative zu der in Deutschland bislang üblichen Provisionsberatung sein." Allerdings müsse sich der Honorarberater noch am deutschen Markt etablieren.

So weit Theorie und Pläne der Politik. In der Praxis hat sich das seit einigen Jahren von Politikern wie Verbraucherschützern propagierte Modell bislang aber nicht richtig durchsetzen können. Der Anteil der Honorarberatung an der gesamten Beratung ist verschwindend gering. Kaum ein Kunde will mehr als 100 Euro pro Stunde für diese Leistung ausgeben, hat gerade erst eine Umfrage ergeben. Denn wenn er den Vorschlag des Honorarberaters nicht annimmt, zahlt er dennoch Beratungskosten von einigen Hundert Euro, ohne dass er dafür sein Depot bestückt hat.

Hinzu kommt: Auch bei der Honorarberatung ist der Kunde nicht vor dem eigenen finanziellen Interesse des Beraters gefeit. "Berater machen die Dinge oft unnötig kompliziert, um den Anleger möglichst oft eine Beratung anzubieten", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Der Verbraucherschützer ist grundsätzlich ein Befürworter der Honorarberatung, "weil man die Finanzberatung strukturell vom Verkauf der Anlageprodukte trennen muss", sagt er. Bei der Verbraucherzentrale zahlen die Ratsuchenden auch eine Gebühr für den Expertenrat.

Um Interessenkonflikte zu vermeiden, müsse auch die Honorarberatung klaren Regeln unterzogen und beaufsichtigt werden, fordert Nauhauser. Alle Berater sollten einheitlich von der Finanzaufsicht Bafin beaufsichtigt werden.


Kommentare zu " Verbraucherschutz: Honorarberatung fällt im Praxistest durch"

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  • Ja, welches unschwer zu erkennen ist ;-)

  • Kann es sein das Sie "Honorarberater" sind Herr Schlingelhof?

  • @Finanztiger Wieso ist die Frage, was eine Beratung kosten darf nicht beantwortet worden, Herr Schlingelhof? > Die Antwort lautet: Nur Know-How und Zeit wird vergütet. Also je nach Umfang und Tiefe der Beratung wird der Aufwand berechnet. In der Praxis wird dies im kostenfreien Orientierungsgespräch vorab erörtet. Der Mandant weiß also genau was erhält und vergütet. Zudem gilt die 100% Zufriedenheitsgarantie, d.h. im Fall das die Erwartungen nicht erfüllt werden, kann der Mandant jederzeit abbrechen und es käme nur zur anteiligen Berechnung. Im weiteren wie ausgeführt, die Bandbreite ist groß. Konnte ich Ihre Frage somit ausreichend beantworten?

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