Vergleichsrechner
Billigstrom-Anbieter tricksen Kunden aus

Schon wieder ist ein Stromanbieter in Bedrängnis. Ein Blick hinter die Kulissen der Branche zeigt: Viele Anbieter tricksen ihre Kunden aus. So kämpfen die Unternehmen um die Top-Plätze in den Vergleichsrechnern.
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DüsseldorfAm Strommarkt droht neues Ungemach: Gerade mal ein Jahr nach der Pleite von Teldafax gibt es Hinweise darauf, dass sich Flexstrom, der aktuell größte unabhängige Anbieter, in finanziellen Schwierigkeiten befinden könnte. Das Unternehmen dementiert. Auch den Streit mit Tausenden Kunden finden die Manager nicht so schlimm.

Flexstrom gehört zu den Billigstromanbietern. Während viele Konkurrenten dieser Tage wegen steigender EEG-Umlage für Ökostrom und höheren Kosten für die Nutzung von Stromnetzen erneut Preiserhöhungen ankündigen, wirbt Flexstrom mit hohen Bonuszahlungen. Wenn Verbraucher bei den Stromkosten sparen wollen, reicht es nicht aus, öfter mal das Licht oder den Fernseher auszumachen. Immer mehr Kunden wechseln deshalb den Tarif. Der Wettbewerbsdruck auf die Stromanbieter steigt.

„Der Strommarkt ist extrem hart umkämpft und die Tarife werden immer komplexer“, sagt Dagmar Ginzel vom Vergleichsrechner Verivox. „Neue Anbieter haben nur wenige Möglichkeiten, um sich zu positionieren: Entweder bieten sie beispielsweise ein Nischenprodukt an, das besondere Öko-Kriterien erfüllt, oder sie bieten besonders günstige Preise.“

Wer die Vergleichsrechner im Internet bemüht, kommt schnell zu dem Ergebnis: günstiger geht immer. Aber häufig gelten die vermeintlichen Super-Preise nur für das erste Jahr. „Viele Billigstromanbieter machen im ersten Vertragsjahr keinen Gewinn“, sagt Andreas Stender, Energieexperte der Unternehmensberatung ATKearney. Dafür langen sie ab dem zweiten Jahr umso kräftiger zu. „Strukturell kann dieses Modell für die Unternehmen durchaus erfolgreich sein, sie setzen auf die Trägheit der Kunden beim Tarifwechsel. Nachhaltige Kundenzufriedenheit werden sie damit aber wohl nicht erzielen.“

Verbraucherschützer warnen vor solchen Lockangeboten. Wechselwillige sollten sowohl die Voreinstellungen der Tarifrechner als auch das Kleingedruckte in den Bedingungen der Stromanbieter möglichst sorgfältig prüfen. Handelsblatt Online zeigt, worauf Verbraucher achten sollten.

Kommentare zu " Vergleichsrechner: Billigstrom-Anbieter tricksen Kunden aus"

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  • Die Seriösität von Verivox & co. mag ich stark zu bezweifeln. Deren Haupteinnahmequelle ist die Provision der Anbieter und die fällt nicht gerade klein aus (zum Teil pro Kunde an die 100 €). Und machen wir uns nichts vor: die Anbieter schlagen die Provision im zweiten Vertragsjahr auf Ihre Preise auf.

    Die hier zitierten Portale verzerren mit Ihren Voreinstellungen den Wettbewerbsmarkt. Seit wann ist die Preisgarantie mit einer Vertragslaufzeit das einzig sinnvolle Produkt und warum werden andere Tarife einfach auf die hinteren Seiten wegsortiert? (das wird von Verivox mit Ihrer "Empfehlungsseite" so praktiziert)

    Handelsblatt sollte sich einmal dem Geschäftsgebahren der sogenannten verbraucherfreundlichen Portalen annehmen und gründlich recherchieren.

  • Die aktuellen, ach so tollen Strom-Preisvergleiche wie Verivox, Toptarif und Co kann man momentan allesamt in die Tonne kloppen. Transparent ist das nicht mehr. Denn die meisten aktuelle gemeldeten Stromerhöhungen sind hier noch gar nicht berücksichtigt. Motto: Wer zuerst zuckt, verliert. Transparente, brave, faire Anbieter wie Naturstrom sind in den Preisvergleichen bereits mit den neuen höheren Preisen gelistet, andere Anbieter, die bereits höhere Preise kommuniziert haben, sind aber noch mit den alten Preisen vertreten.

    Im Ergebnis stehen momentan alle Anbieter weit oben in den Listen, die ihre neuen um 10-17% höheren Preise erst später veröffentlichen, oder noch nicht an die Tarifvergleiche gemeldet haben. Oft verdienen aber die Preisvergleiche daran mit und listen weiter die Anbieter ganz oben auf, die die höheren Provisionen zahlen, die aber nicht die besten, fairsten und günstigsten Tarife anbieten.

    Und der Kunde ist mal wieder der Dumme und landet bei einem scheinbar günstigen Anbieter, der dann plötzlich wenige Tage später mit ner Preiserhöhung um die Ecke kommt.

    Der Tarifdschungel ist in diesen Tagen so undurchsichtig wie noch nie. Und die Strompreisvergleiche spielen das Spiel mit.

    Meine Empfehlung - ohne finanziellen Interessen !!! - Naturstrom oder EWS... siehe sparheld.blogspot.de

    Lasst euch nicht von den Stromvergleichen in die Irre führen!!!


  • egal wo der Staat aktiv wird, er arbeitet teurer als jeder Private. Das hängt mit der politischen Einmischung bei der Stellenbesetzung, der Unkündbarkeit der MA und vielen anderen Punkten zusammen, auch die Subventionsmentalität und die Monopolsituation. Was wir brauchen ist ein wesentlich besserer Verbraucherschutz und -Recht. Gesetze sollten vom Verbraucherschutz deaktiviert werden können. Monopol- oder Oligopolunternehmen sind zu zerschlagen, Global agierende Versorgungsunternehmen Energie, Wasser, geldinstitute sind zu kommunalisieren oder in das Eigentum von Kleinstunternehmen , Genossenschaften etc zurückzuführen. Boykottaufrufe sind zu legalisieren und von zentraler Stelle aus zu organisieren. so bin ich der Meinung, dass die Offshore- Windparks durch die Bevölkerung zu 50% finanziert werden sollten und dies zusammen mit Eigentumserwerb. Es gibt genug Möglichkeiten funktionierende Marktstrukturen zu sichern. Wir brauchen nur entsprechenden Druck auszuüben

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