Verlustzuweisung
Depotbereinigung schafft Steuerersparnis

Wer 2008 einen Spekulationsgewinn versteuert hatte, erhält durch den Verlust aus 2009 eine nachträgliche Erstattung. Sind keine Gewinne vorhanden, dürfen die Verluste bis Ende 2013 genutzt werden.

Anleger dürfen Wertpapiere innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist mit Verlust veräußern und die Titel am selben Tag in gleicher Art und Anzahl, aber zu einem abweichenden Kurs wieder kaufen, ohne dass ein Gestaltungsmissbrauch vorliegt. Der Tenor dieses in der vergangenen Woche vom Bundesfinanzhof veröffentlichten Urteils (Az. IX R 60/07, DB 2009 S. 2354) lässt sich nun zum letzten Mal dazu verwenden, dem Fiskus gezielt Verluste mit vor 2009 erworbenen Aktien, Fonds oder Anleihen zu präsentieren.

Bei Spekulationsgeschäften werden nur realisierte Wertänderungen innerhalb verhältnismäßig kurzer Haltefristen der Einkommensteuer unterworfen. Kaufen Sparer gleichartige Wertpapiere kurzfristig nach deren Veräußerung zu anderen Kursen wieder zurück, bewegen sie sich mit ihren Dispositionen angesichts der Schwankungsbreite börsennotierter Wertpapiere und des daraus resultierenden Kursrisikos im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. Denn es steht in ihrem Belieben, ob, wann und mit welchem Risiko sie ihre Wertpapiere verkaufen und danach wieder kaufen. Insoweit handelt es sich um eigenständige und damit separat zu beurteilende Vorgänge.

Anleger können also gezielt Verluste generieren, ohne dass sich am Depotbestand etwas verändert hat. Außer Bankspesen kostet diese Vorgehensweise nichts und bringt steuerlich ein Verrechnungspotenzial. Die realisierten Verluste mit Aktien, Fonds oder Anleihen wirken sich dann im Steuerbescheid entlastend aus, entweder bei anderen Spekulationsgewinnen oder einem Kursplus, das schon der Abgeltungsteuer unterliegt. Insoweit wird die von der Bank einbehaltene Pauschalabgabe erstattet.

Wichtig ist lediglich, dass beim Verkauf die Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist. Die neu georderten Wertpapiere vom gleichen Tag unterliegen dann den Regeln der Abgeltungsteuer, sodass der spätere Verkauf unabhängig von Haltefristen positive oder negative Kapitaleinnahmen auslöst.

Generell lohnt sich eine Depotbereinigung kurz vor Fristablauf. Denn der hierdurch realisierte Verlust darf ins Vorjahr zurück- und unbegrenzt vorgetragen werden.

Wer 2008 einen Spekulationsgewinn versteuert hatte, erhält durch den Verlust aus 2009 eine nachträgliche Erstattung. Sind keine Gewinne vorhanden, dürfen die Verluste bis Ende 2013 dazu genutzt werden, ein der Abgeltungsteuer unterliegendes Kursplus auszugleichen.

Wer jetzt nicht handelt, verschenkt Steuersparpotenzial. Denn spätestens an Neujahr 2010 gibt es kein Wertpapier mehr im Depot, das noch innerhalb der Spekulationsfrist liegt.

Der Autor, RA/FAStR Oliver Holzinger, ist geschäftsführender Redakteur von Der Betrieb.

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