Vermögensverwalter im Interview
„Heute ist Ihr Glückstag!“

Ein Anlegerskandal reiht sich an den nächsten. Ein Vermögensverwalter erklärt, wie Vertriebler zweifelhafte Produkte verkaufen, wann Anleger misstrauisch werden sollten und berichtet von einem Treffen mit Infinus.
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Herr Löschen, Sie sind ein erfahrener Vermögensverwalter, viele Jahre im Geldgeschäft. Was geht in Ihnen vor, wenn Anlegerskandale wie S&K oder Infinus auffliegen?
Manchmal habe ich natürlich vorher schon etwas geahnt. Wenn die Presse dann darüber berichtet, überwiegt zuerst das Mitleid mit den betroffenen Geldanlegern, die oft einen großen Teil ihres hart erarbeiteten Vermögens verlieren. Dann regt sich mein Rechtsempfinden. So etwas muss hart bestraft werden. Für mich sind das sehr emotionale Momente.

Haben auch bei Ihnen mal zwielichtige Produktanbieter angeklopft?
Ja. Täglich erhalte ich Anrufe und E-Mails. Die Vertriebler sind oft unglaublich ausdauernd.

Was sind ihre Verkaufsargumente?
Die Ansprache ähnelt sich oft. Die Vertriebler erwecken den Eindruck: „Herr Löschen, heute ist Ihr Glückstag! So ein Angebot dürfen Sie ihren Kunden nicht vorenthalten!“. Sie tun so, als hätten sie mit einer neuen Geschäftsidee den Stein der Weisen entdeckt, als wäre man selbst der Einzige, der ihr wunderbares Angebot nicht verstehen würde. Nie soll es dabei Risiken geben, immer liegen die Renditen weit über dem Marktschnitt.

War einer Ihrer Kunden mal betroffen?
Ja eine Kundin, der neu zu uns kam, hatte Papiere von Infinus, genauer Future Business im Depot. Ein früherer Vermittler hatte sie empfohlen.

Um welche Summe ging es?
Es waren zwei Orderschuldverschreibungen eine mit wöchentlicher, die andere mit monatlicher Kündigungsfrist im Wert von insgesamt 950.000 Euro. Die Rendite lag mit sechs Prozent weit über dem damals üblichen Satz für risikofreie Zinspapiere.

Kommentare zu " Vermögensverwalter im Interview: „Heute ist Ihr Glückstag!“"

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  • Wer den S&K Heinis auf den Leim gegangen ist, sozusagen auf die dümmste Tour der Welt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Diese Dummen glauben auch ans Gute in der Mafia oder deren Schlägertruppe....ohne Worte.
    PS. Wer Hauptschulabgängern vertraut, hat per se schon verloren.

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